Aktion pro Humanität hilft Menschen in Gaza
Prothesen, Rollstühle und mehr: Die APH möchte Helfer unterstützen
„Das war eine beeindruckende Fügung – bis heute! Immer hält er Kontakt, informiert, schickt Fotos, aktuelle Videos zur Projektarbeit“, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Aktion pro Humanität. „Immer wieder findet er engagierte und qualifizierte Helfer und Helferinnen, die zu den Menschen hinausgingen und -gehen – mitten in die Katastrophe. Ihnen helfen, mit dem was da ist, ihnen beistehen. Selbst in den schlimmsten, erschütterndsten Zeiten das Gaza-Krieges, als die Menschen zu Tausenden hinter Absperrgittern saßen, um eine kleine Schale mit Essen zu bekommen. Ausgemergelt, kraftlos, am Ende. Wenn sie nur noch allein in den Trümmern ihrer Wohnungen saßen, völlig verloren, dann waren die Mitarbeitenden von Caritas Jerusalem plötzlich da, weil sie sie aktiv gesucht, aufgesucht haben“.
Immer wieder konnte die Aktion pro Humanität dank der Unterstützung und der Kompassion ihrer Freunde und Förderer diese mutige, beherzte Arbeit des Caritas Jerusalem-Teams tatkräftig unterstützen. Nahrungsmittel, Milchpulver für die hungernden Kinder, Medikamente und mehr. Kompassion im Wortsinn: das Bewusstsein für das Leid anderer, zusammen mit dem aktiven Wunsch und dem Handeln, dieses zu lindern.
Zielgerichtete Hilfe
Aktuell meldete sich Anton Asfar wieder bei der APH und das Vorstandsteam tauschte sich vor allem zu den aktuellen medizinischen Erfordernissen für die verletzten Menschen dort aus. Doch plötzlich unterbrach er die Kommunikation und schrieb: „Sirens are on now in Jerusalem... we pray for the end of this regional war and may our Lord inspire these fanatic leaders.“
APH hat schon vor Wochen signalisiert, helfen zu wollen – besonders traumatisierten Kindern – zum Beispiel mit der Einrichtung eines Trauma-Therapiezentrums. Auch Menschen, die ihre Gliedmaßen, Arme, Beine in diesem Krieg durch Notamputationen verloren haben, sind eine bedeutende Zielintention der Hilfe von APH. Diese Menschen sind durch solche Not-Operationen nicht verblutet oder an einer tödlichen Sepsis gestorben. Sie leben noch, doch was bedeutet ihnen ihr so schwer verändertes Leben noch in all den Trümmern ihrer Heimat?
Lange fehlte es an allem. Rollstühle, Gehstützen, Prothesen, Physiotherapie und Trainingsmöglichkeiten.
Nachdem Anton Asfar aus dem Schutzraum wieder in seinem Büro war, schrieb er einfach nur: „Schau ´mal das Video von Nabil an!“
Nabil ist ein kriegsverletzter junger Mann, dem beide Unterschenkel amputiert werden mussten. Die Familie hatte das zerbombte Wohnhaus in Gaza verlassen müssen, kam in eine Flüchtlingsunterkunft, die kurz nach ihrer Ankunft bombardiert wurde. Nabil war unter den schwer verletzten Opfern. Nach dieser Amputation kam er in das Prothesen-Projekt von Caritas Jerusalem. Alles dort war noch desolat. Die Wege dorthin, die Möglichkeiten und die Situation im Zentrum selbst.
Nabil erzählt in dem Video: „Hier bekam ich einen Rollstuhl, mit dem konnte ich mich das erste Mal so einigermaßen eigenständig von der Stelle bewegen. Ich fühlte mich in diesen Wochen nach der Amputation wie paralysiert. Doch als ich einige Zeit hier, im orthopädischen Zentrum war, wurde ich wieder zum Leben erweckt und mit meinen beiden Prothesen jetzt fühle ich mich wie neu geboren! Wir finden hier orthopädie-technische und physiotherapeutische Begleitung, Trainingsmöglichkeiten und das alles bringt uns wieder auf die Beine – wortwörtlich. Gott sei Dank! Ich kann mich wieder frei bewegen, auch wenn der Weg hart war. Doch ich habe meine Unabhängigkeit wiedergefunden, kann mich selbst versorgen. Ich bin Gott so dankbar!“
Im neu hergerichteten Prothesen-Trainingscenter von Caritas Jerusalem in Gaza werden Prothesen von den Orthopädie-Mechanikern Prothesen im Akkord gebaut und angepasst.
Die Kosten für eine solche Arm- oder Beinprothese variieren zwischen 1.400 und 2.700 Euro. Diese Kosten enthalten die Materialien, die Produktion, die Anpassung der Prothesen, die Rehabilitation vor und nach Prothesenanpassung und die weitere medizinisch-technische Unterstützung.
Den Helfern helfen
Einen Tag später meldete sich Anton Asfar noch einmal mit diesen konkreten Kosten und schrieb, dass sie zweimal sehr rasch in die Schutzräume mussten, weil die Raketen über Jerusalem hinwegflogen, gefolgt wieder und wieder von dem unzweifelhaften Lärm der Raketen-Explosionen. „Wenn wir dort dann als Team warten bis zur Entwarnung, spüren wir alle wieder diese Anspannung, diese Unvorhersehbarkeiten sehr real.“ Eine Sache, so schrieb er, bleibt unverändert: „Trotz aller Risiken und Bedrohungen rund um uns herum, unsere Zustimmung, unsere Bejahung zu unserem Auftrag, zu unserer Mission und für die Menschen, denen wir dienen, bleibt ungebrochen, unerschüttert. Nichts wird diese Arbeit, diesen Dienst stoppen!“
Hier möchte APH nun ganz konkret mit Hilfe ansetzen. „Helfen Sie uns, diesen Menschen in Gaza ein Stück ihrer Eigenständigkeit zurückzugeben und den so großartigen Helfern um Anton Asfar konkrete Perspektiven für ihre weitere Mission, ihren Dienst zu geben. Das wäre ein großer, großer Osterwunsch unserer APH-Teams“, so der stellvertretende APH-Vorsitzende Dr. Rüdiger Kerner, der in seiner langen klinischen Dienstzeit am Marienhospital in Kevelaer viele Menschen mit solchen Kriegsverletzungen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges mit all den Folgeerkrankungen versorgt hat, doch auch junge Menschen, Unfallopfer, oft in ähnlichem Alter wie wie Nabil. Kontoinformationen für Spenden gibt es unter https://pro-humanitaet.de/. Stichwort: Gazahilfe.
Die Caritas Jerusalem hilft vor Ort auch mit einem Prothesen-Projekt. Fotos: Caritas