Die Kabelschutzrohre wurden mithilfe eines Düker-Schlittens in den Rhein gezogen. Foto: Hülskens Wasserbau
14. August 2025 · Niederrhein

A-Nord: 575 Tonnen-Leitung auf Tauchgang im Rhein

Neuer Meilenstein beim Bau der Erdkabeltrasse von Niedersachsen nach NRW / Rheinquerung bei Rees ein Erfolg

NIEDERRHEIN. Mit dem Projekt A-Nord möchte das Unternehmen Amprion im Sinne der Energiewende voraussichtlich ab 2027 Windstrom von Emden (Niedersachsen) bis nach Meerbusch-Osterath (NRW) transportieren. Auf dieser 300 Kilometer langen Strecke passiert die dafür nötige Gleichstrom-Erdkabeltrasse auch die Kreise Kleve und Wesel und verläuft damit unter anderem in der Nähe von Kommunen wie Kalkar, Uedem, Sonsbeck, Kevelaer, Geldern, Issum, Kerken und Rheurdt. Mit der Unterquerung des Rheins zwischen Rees-Haffen und Xanten-Obermörmter hat das Projekt am Donnerstag einen neuen Meilenstein erreicht.

Zwei Gigawatt Übertragungsleistung: So viel Energie soll sich in den kommenden Jahren über die neue Leitung auf den Weg vom Norden in den Westen machen – das ergibt den Bedarf von zwei Millionen Menschen. Bis es soweit ist, gibt es aber noch einiges für die Verantwortlichen zu tun.

Markus Rützel, Leiter Technik und Bau A-Nord bei Amprion, spricht von insgesamt sechs Planfeststellungsabschnitten. „Wir sind auf 300 Kilometern bereits an 40 verschiedenen Stellen bautätig“, erzählt er. „Damit sind wir schon in jedem Abschnitt unterwegs.“

Die jüngste Rheinquerung bei Rees sieht er als „Projekt im Projekt“. Dass so etwas kein leichter Job ist, weiß auch Klaus Webering als Leiter Netzprojekte: „teuer, aufwendig und langwierig“, so beschreibt er die Aufgabe. Immerhin müssten solche Bauwerke auch viele Jahrzehnte halten. „Das ist die Herausforderung dabei.“ Dank der Gespräche mit den Gemeinden, Behörden und Firmen habe sich jedoch schnell herausgestellt, dass die beste Verfahrensweise dieser Rheinquerung der Düker darstellt – eine unterhalb des Flussbetts verlaufende Leitung.

Da es sich um eine sehr spezifische Aufgabe handelt, legte man die Umsetzung in die Hände von Hülskens Wasserbau. „Der Dükerbau war von Anfang an eine Spezialität von uns“, sagt Geschäftsführer Thomas Gross. Mehrere hundert Düker habe man über die Jahre gebaut. „Dieser hier gehört zu den Größten. Jeder Düker ist ein Unikat und muss bis ins letzte Detail durchgeplant werden.“

Öffnung der Deiche

Doch bei der Rheinquerung geht es nicht nur um die rund 550 Meter breite Flussstelle. Damit die Arbeiten am Rhein am Donnerstag überhaupt erst möglich sein konnten, mussten im Vorfeld zunächst die Sommer- und Hochwasserschutzdeiche gequert werden. Dafür wurden diese in offener Bauweise zunächst auf einer Breite von 40 Metern zurückgebaut, ehe hier schließlich der Kabelgraben für die Kabelschutzrohre entstehen konnte. Der Bodenaushub wird dabei an Land zwischengelagert.

Diese offene Bauweise an den Deichen konnten die Verantwortlichen bis zum Zeitpunkt des Düker-Einzugs im Rhein bereits in weiten Teilen fertigstellen. Damit ist auch die Rekultivierung der wieder aufgebauten Bereiche schon in vollem Gange. „Es ist noch nicht begrünt, aber der Oberboden ist schon wieder drauf“, sagt Markus Rützel.

Im Rheingrund selbst haben die Baggerschiffe ebenfalls schon im Vorfeld einen etwa vier Meter tiefen Graben geschaffen – gut 60.000 Kubikmeter Kies und Sand wurden dafür ausgehoben. Die Vorfreude auf den Einzug der Kabelschutzrohre in diese Düker-Rinne wurde am Donnerstag allerdings von einer unerwarteten Verzögerung überschattet: Da sich das Hauptseil für den Einzug in Ufernähe in den Boden gegraben hatte, musste es zunächst herausgezogen und die Winden versetzt werden.

Für die Verlegung der Rohre vom rechten zum linken Ufer kam schlussendlich ein Düker-Schlitten zum Einsatz. Dieser wurde von den beiden abwechselnd arbeitenden Winden von der anderen Uferseite aus durch den Rhein gezogen. „Das bietet eine höhere Sicherheit. Wenn eine der beiden Winden mal ausfallen sollte, können wir immer weiterarbeiten“, sagt Thomas Gross. Da der Düker mit 575 Tonnen auf einer Länge von 560 Metern kein Fliegengewicht ist, erforderte der Einzug abseits der Winden noch einige weitere Maßnahmen. Dazu gehörten zum Beispiel 130 Rollenstationen, um beim Ziehen die Reibung zu verringern und mit dem Kraftaufwand auch die Risiken zu minimieren. Auch wurden die Kabelschutzrohre auf der Zugbahn mit Gurten befestigt, um diese unter Wasser zu halten.

Kurz nach dem Einzug der Rohre wird die Düker-Rinne nun zur Sicherung wieder mit Material verfüllt. Eine Abnahmepeilung soll schlussendlich zeigen, ob die Oberfläche der Rheinsohle korrekt wiederhergestellt wurde. Die Energiekabel selbst werden erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Rohre gezogen.

Da der Eingriff in die Natur bei einem solchen Projekt unweigerlich groß ausfällt, spielt auch der Umweltgedanke bei A-Nord eine Rolle. Neben der Deich-Renaturierung – Deadline hierfür ist im Oktober – wurden unter anderem auch Drachen aufgestellt, die verhindern sollen, dass heimische Vögel wie der Kiebitz während der Bauarbeiten vor Ort brüten. „Das hat wunderbar funktioniert“, sagt der Abschnittverantwortliche Lukas Weigand. Auch die offene Bauweise habe in dieser Hinsicht einige Vorteile verglichen mit anderen Ansätzen: eine bessere CO2-Bilanz zum Beispiel, genauso wie eine gesteigerte Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit.

Auch der Schiffsverkehr blieb von der Rheinquerung nicht unberührt. Dieser musste beim Anziehen des Dükers kurzzeitig komplett gesperrt werden, danach wurde die Schifffahrt einseitig gelenkt.

Die Kabelschutzrohre wurden mithilfe eines Düker-Schlittens in den Rhein gezogen. Foto: Hülskens Wasserbau