36 Notinseln für Kinder und Jugendliche
Das Prinzip: Hier bist du willkommen und bekommst Hilfe
KLEVE. Die Anfrage kam von der AOK und ging an das Klever Kinder Netzwerk. „Können Sie sich vorstellen Projektträger für die Notinseln in Kleve zu werden?“ So erinnert sich Ellen Rütter, Vorsitzende des Klever Kinder Netzwerks. „Wir haben dann im Vorstand diskutiert und das Ergebnis war: Das ist unser Ding.“
„Die Notinsel ist ein Projekt der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel (www.notinsel.de)“, heißt es in einem Infotext, und „als lokaler Projektträger übernimmt das Klever Kinder Netzwerk die Umsetzung und Weiterentwicklung des Projekts vor Ort.“ Butter bei die Fische. Was hat man sich unter dem Projekt vorzustellen? Rütter: „Das Prinzip der Notinsel ist einfach und zugleich wirkungsvoll: Das Notinsel-Zeichen zeigt Kindern: Hier bist du willkommen und bekommst Hilfe. Kinder, die sich unterwegs unsicher fühlen, Angst haben oder in eine schwierige Situation geraten, können sich an eine gekennzeichnete Notinsel wenden. Dort finden sie Erwachsene, die ihnen zuhören, sie unterstützen und ihnen helfen, die richtige Anlaufstelle zu finden.“ Wie geht man ein solches Projekt an? Es beginnt mit Klinkenputzen. Man habe sich, so Rütter, kundig gemacht und inhabergeführte Geschäfte in Kleve gesucht. „Wir haben dann jeweils vor Ort erklärt, worum es geht und sind an fast allen Stellen auf offene Ohren gestoßen.“
Auf der Suche nach Know How sei das Netzwerk dann auf „Diskurs Niederrhein“ gestoßen. Till Nieke von Diskurs Niederrhein: „Kinderrechte sind unser Fundament. Unser Ansatz: Wertschätzen statt bewerten. Was uns ausmacht: Wir arbeiten mitten im Leben. In großen Kinderrechte-Ausstellungen, in kreativen Beteiligungsprojekten, in der Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen und Jugendhilfe. Dort erleben wir täglich, wie viel Kraft in den Ideen von Kindern steckt. Diese Erfahrungen begeistern uns und treiben uns an, Theorie und Praxis so zu verbinden, dass echte Veränderungen möglich werden, für Kinder, für Fachkräfte, für die Gesellschaft.“ Eines der Projekte ist die „Wunschstadt“, ein demokratisches Beteiligungsprojekt für Kinder in der Stadtplanung. Die richtige Anlaufstelle für das Klever Kinder Netzwerk. Till Nieke von Diskurs Niederrhein: „Wir haben dann verschiedene Ansätze entwickelt, um das Projekt bekannt zu machen.“ Die Ergebnisse: Spots, Postkarten, ein Film, der demnächst im Klever Kino zu sehen sein wird und ein Wimmelbild der Stadt Kleve, auf dem die Notinseln zu sehen sind.
Ellen Rütter: „Mit der Übernahme der Projektträgerschaft möchte das Klever Kinder Netzwerk die Notinsel in Kleve weiter ausbauen und das Projekt noch stärker in der Stadt und bei den Kindern bekannt machen. In den kommenden Monaten sollen deshalb nach und nach Klever Schulen und Kindertageseinrichtungen besucht werden. Dort wird das Projekt vorgestellt und gemeinsam mit den Kindern darüber gesprochen, wo sie sich in ihrer Stadt sicher fühlen und wo sie möglicherweise Unterstützung brauchen.“
Zum offiziellen Auftakt der Notinseln in Kleve wird am Sonntag, 27. September, eine Stadtrallye stattfinden. Rütter: „Ab 13 Uhr können sich Kinder auf den Weg durch die Klever Innenstadt machen und dabei verschiedene Notinseln entdecken. Wo genau die Rallye entlangführt und welche Stationen die Kinder erwarten, soll zunächst eine Überraschung bleiben. Start und Ziel der Rallye befinden sich in der Kavariner Straße 10 in Kleve.“ Ein Anmeldung ist nicht erforderlich. Zusätzlich sind Kinder und Familien eingeladen, die „Wünschestadt“ weiterzuentwickeln.
Die Durchführung des Projekts Notinsel wird übrigens nicht durch Spenden an das Netzwerk finanziert. „Wir haben vor längerer Zeit eine Erbschaft gemacht und beschlossen, Teile des Geldes für die Notinsel einzusetzen.“ Für die „Betreiber“ der Notinseln ist es wichtig zu wissen, dass ihnen durch die Teilnahme keinerlei Kosten entstehen. „Wir bieten für die Teilnehmer kostenlos eine Online-Schulung an“, so Rütter. Zudem sind die Notinseln nicht in ein Zeitfenster eingebettet. „Das Projekt ist nicht zeitlich begrenzt“, sagt Anja Lankers vom Netzwerk.
Die Notinseln gibt es seit nunmehr 24 Jahren. Ziel der Notinseln: Kinder und Jugendlichen bei Gefahren oder in Notsituationen, aber auch bei kleineren Alltagsproblemen Hilfe anzubieten. Lankers: „Das muss also nicht immer eine große Sache sein. Es kann auch der platte Fahrradreifen sein.“ Am Niederrhein findet man Notinseln bisher (leider nur) in Wesel und in Moers. Um so besser, dass sich jetzt das Klever Kinder Netzwerk das Projekt auf die Fahne geschrieben hat.
Stadtrallye
Sonntag, 27. September, ab 13 Uhr. Start und Ziel: Kavariner Straße 10, Kleve. Teilnahme: kostenlos. Anmeldung: nicht erforderlich. Zielgruppe: alle Kinder, die mitmachen möchten. Anlass: Brocante Markt und verkaufsoffener Sonntag in Kleve.
Ein Wimmelbild zeigt die Notinseln in Kleve. Grafik: KKN