25 Jahre Reeser Kunstsonntag: Vielfalt an besonderen Orten
Künstler aus verschiedenen Disziplinen präsentieren ihre Werke in Rees, Haldern und Reeserward – darunter auch neue Talente und außergewöhnliche Ausstellungsorte.
REES. Für Sebastian Hense steht fest: „Wenn wir sie nicht bereits hätten, müsste man diese Veranstaltung erfinden.“ Für den Bürgermeister ist der Reeser Kunstsonntag, der am 8. November von 11 bis 17 Uhr bereits zum 25. Mal stattfindet, „ein schöner und besonderer Tag“. 36 Künstler zeigen an 25 Orten in Rees, Haldern und Reeserward ihre Arbeiten und laden zugleich zum Austausch ein. Kunst und Kunstschaffende „sehen und erleben“, wie es Hense formuliert.
Für Katharina Wittich, Mitarbeiterin der Stadt Rees, die den Kunstsonntag organisiert, liegt der Reiz der Veranstaltung auch in der „Mischung aus langjährigen und erfahrenen Kunstschaffenden und denjenigen, die sich neu ausprobieren, ihre Werke teilweise zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ausstellen“. Hinzu kommt der Aspekt, Kunst an besonderen Orten zu erleben, „in Räumen, in denen man normalerweise keine Kunst findet oder erwartet“.
Wittich hat den Kunstsonntag erstmals organisiert und freut sich, dass „viele neue Künstler dabei sind“. Die große Nachfrage beruht aus ihrer Sicht darauf, dass sich in der Gemeinschaft der Kunstschaffenden herumgesprochen hat, „wie erfolgreich unsere Veranstaltung ist, auch von den Besucherzahlen her“. Auch die große Bandbreite an Kunstformen hebt sie hervor: Diese reicht von der Malerei mit und auf verschiedenen Materialien über Lightpainting, Fotografie, Druck und Mixed Media bis hin zu kunsttherapeutischen Werken, Bildhauerei, Skulpturen, Textilkunst und Arbeiten aus Tetrapacks.
Krematorium: Ein dunkler Ort wird hell und freundlich
Ein solcher Ausstellungsort ist das Krematorium am Grüttweg, das zum ersten Mal am Kunstsonntag teilnimmt. „Ein Krematorium ist für viele oft ein dunkler Ort“, weiß Standortleiter Gerrit Marx. „Wir wollen zeigen, dass er auch hell und freundlich sein kann.“ Gleich vier Künstlerinnen zeigen ihre Arbeiten im Krematorium. Sophie Beltermann studiert Musik in Köln, „ich habe nun auch den Weg zur Malerei gefunden“. Sie zeigt bei ihrer Premiere beim Reeser Kunstsonntag „bunte und bewegte Bilder“ – dazu bewegt sie die Leinwand, auf der die Farbe dann zu bunten Motiven verläuft. Dagmar Siebert, die ebenfalls ihre Premiere beim Reeser Kunstsonntag feiert, zeigt Mixed-Media-Arbeiten, während Anne Clausmeyer, die zum wiederholten Mal teilnimmt, „in Öl“ malt – und zwar „alles außer Tieren“. Das Quartett vervollständigt Ute Richter mit ihren Gemälden.
Der zweite neue Ausstellungsort in diesem Jahr ist die Galerie „Kunst im Freien Raum“ von Judith Anna Schmidt auf der Fallstraße. Mit ihrer Ausstellung „Nebelmond und Sphinxen“ beziehe sie sich „auf den November und die dunkle Jahreszeit“. Zudem hat sie weitere Künstlerinnen eingeladen, ihre Werke in ihrer Galerie zu präsentieren.
Viel Kunst rund um den Reeser Markt
Viel Kunst gibt es rund um den Reeser Markt zu sehen. Im Rathaus sind die Landschaftsbilder „There are no foreign lands“ von Michaela Schulze Wehninck zu sehen, im kleinen Saal des Bürgerhauses stellen Dunja Schmitz Betonarbeiten („ich modelliere und bemale ihn“) und Daniela Schenk Acryl-, Aquarell- und Ölmalerei aus. In der Touristen-Information zeigt Ute Steinseifer ihre Fotografien. Im ehemaligen „Mittags am Markt“ sind Sabine Krüger mit Lichtmalerei und Jana Goncalves de Jesus mit Digital-, Acryl-, Kohle- und Kreidearbeiten zu sehen. Bei Bestattungen Tanja Warning stellen „Dorfkünstler“ Dietmar Lippnat seine Kunst in Acrylmalerei und Beatrix Ebbert ihre Acrylfarben auf unterschiedlichen Untergründen aus.
Ein bei den Künstlern „sehr beliebter Ort“, weiß Katharina Wittich, ist das Fahrgastschiff „Germania“, das an der Rheinpromenade liegt. Vier Künstlerinnen gehen am 8. November mit ihren Werken an Bord. Klaudia Thielemann vor etwa anderthalb Jahren zur Aquarellmalerei zurückgekehrt und nimmt erstmals am Kunstsonntag teil; sie zeigt kleinformatige Bilder, Grußkarten und Lesezeichen. Heike Wehren stellt Öl- und Acrylgemälde aus, Natasche Welscher bestickte Küchentücher und bedruckte Fußmatten. Heike Pohl malt mit verschiedenen Farben und Techniken.
Künstlerisches Familientrio stellt im Hotel aus
Im Rheinparkhotel ist ein künstlerisches Familientrio anzutreffen: Daniela Mattstedt mit ihren beiden Töchtern Simone und Sabina. Während Daniela „schon ewig dabei“ ist und Öl-, Acryl- sowie Auqarellmalerei zeigt, stellt Simone Fotografien und Hinterglasbilder aus; Sabine präsentiert Cyanotypien (Blaudrucke) in Form von Bildern, kleinen Schmuckunikaten und Karten. In den Räumen des Reeser Kanuclubs zeigen Ralf Schürmann analoge Schwarz-Weiß-Fotografien, Farbaufnahmen und Collagen sowie Jochen Froebrich Aquarellmalerei.
Eine Besonderheit ist in Haldern zu finden, genauer im St. Marien. Dort präsentiert Doreen Schmitz in der Kapelle ihre Bilder mit verschiedenen Techniken, zudem ist im Pfarrsaal die Ausstellung „Zwischen Welten“ mit Punktmalerei zu sehen; hier findet auch ein Ebru-Workshop statt, bei dem Bewohner der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Rees geeinsam mit Besuchern ein Kunstwerk entstehen lassen, begleitet von Musik und Gesang.
Bürgermeister: „Künstler persönlich kennenlernen“
Bürgermeister Hense wirbt abschließend nicht nur für einen Besuch in Rees („der lohnt sich immer“), sondern vor allem dafür, die Gelegenheit zu ergreifen, „mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Denn ich finde es schön, wenn ich zu Hause ein Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin habe, die ich persönlich kennenlernen durfte.“
Zum 25. Reeser Kunstsonntag gibt es umfangreiches Begleitmaterial in Form zweier Flyer: Einer zeigt die komplette Übersicht aller teilnehmenden Künstler und Ausstellungsorte, der zweite eine Karte mit allen Orten. Die Flyer liegen unter anderem in der Touristen-Information aus und stehen zudem unter www.stadt-rees.de zum Download bereit.
Die zahlreichen Kunstschaffenden freuen sich auf viele Besucher beim 25. Reeser Kunstsonntag. NN-Foto: Michael Bühs