25 Jahre Canisianer
Bruder Wolfgang aus Kevelaer spricht zu seinem Jubiläum über seine Berufung und Tätigkeiten
„Ich wollte meine Arbeit als Heilerziehungspfleger, das, was ich mit den Händen tue und das, was ich von Gott und von den Menschen erzähle, auch in Gemeinschaft leben“, sagt Bruder Wolfgang über den wichtigsten Grund für ihn, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten.
Die Canisianer lernte er nach einer Empfehlung seines Heimatpfarrers über Informationsmaterial des Bistums Osnabrück kennen. „Ich wollte eine Gemeinschaft finden, die in der Welt steht, die weltoffen ist, die sich nicht hinter Mauern versteckt, sondern die Gebetsleben und Arbeitsleben miteinander verbindet und die nahe bei den Menschen ist“, führt er aus.
Zusammen mit seinem Heimatpfarrer fuhr Meyer am 1. Mai 1998 zum Canisiushaus nach Münster. „Mein erster Blick traf ein Mosaik hinter der Tür, das mich sofort ansprach und mein erster Gedanke war ‚Hier bleibst du‘“, fährt er fort. „Ohne schon mit einem Bruder gesprochen oder etwas von der Gemeinschaft erfahren zu haben… Und ich bin tatsächlich geblieben! Natürlich nicht sofort, aber nach einem Wochenende, das ich im Mai dort verbracht habe, stand meine Entscheidung fest. Und so bin ich am 8. Oktober 1998 eingetreten, dann zwei Jahre Postulat und Noviziat und am 2. Dezember 2000 folgte die erste Profess, am 24. September 2005 die ewige.“
Während der Ordensausbildung war Bruder Wolfgang in Münster, wo er noch bis 2001 blieb und in einem integrativen Kindergarten arbeitete. Am 1. November 2001 ging er ins Canisianerkloster in Vreden im Kreis Borken. Dort war er als Heilerziehungspfleger in einer Gruppe mit geistig behinderten Menschen im Alter zwischen 30 und 95 tätig. „Später habe ich dann eine Ausbildung zum Behindertenseelsorger gemacht und war zehn Jahre lang in diesem Bereich aktiv. Auch war ich jahrelang Leiter des Klosters, wo wir im Haus auch ältere Mitbrüder gepflegt haben. Die letzten vier Jahre war ich dann Pastoralmitarbeiter in der Pfarrei in Vreden.“
Versetzung nach Kevelaer
Nach 20 Jahren im Orden kam es zu der Versetzung nach Kevelaer. „Mein Anfang hier war im August 2020, also mitten in der Coronazeit“, erzählt Bruder Wolfgang. „Das war für mich sehr schwer, denn man konnte keine Leute kennenlernen, es gab nur wenige Gottesdienste, es ging vieles nicht. So war ich ein Jahr ein bisschen auf dem Trockenen.“ Natürlich war ihm Kevelaer bereits vorher bekannt: „Hier wurde die Ordensgemeinschaft 1854 ja gegründet und es gab immer schon viele Besuche in Kevelaer, darunter die jährliche Besinnungstage und Ordenstreffen. Außerdem habe ich 1999 drei Monate lang hier ein Praktikum als Küster absolviert, damals noch zusammen mit Bruder Klaus in der Sakristei. Somit war mir das Priesterhaus schon vertraut und auch viele Menschen, die hier arbeiten, kannte ich schon.“
Zusammen mit Bruder Hubert und Bruder Gereon ist Bruder Wolfgang einer der drei Canisianerbrüder, die im Priesterhaus wohnen. „Als ich gekommen bin, waren wir mit Bruder Werner, Bruder Thomas und Bruder Klaus noch zu sechst, jetzt sind wir nur noch zu dritt“, erzählt er. „Wir beten morgens die Laudes und abends die Vesper zusammen, bei den Mahlzeiten sind wir im Haus hier integriert.“
Als pastoraler Mitarbeiter im Team an St. Marien hat Bruder Wolfgang sehr vielseitige Aufgaben: „Ich bin bei vielen Sachen involviert. Im Priesterhaus mache ich schon mal Vertretung an der Pforte, mal helfe ich in der Küche, dann begrüße ich als Gästebegleiter oft die Gästegruppen hier im Hause, in der Wallfahrtszeit gibt es regelmäßig Begrüßungen von Pilgergruppen und halte ich Andachten. Ich bin im Pfarreirat, bin der Ansprechpartner für zwei Altenheime und für den St.-Marien-Kindergarten, ich koordiniere den Pfarrbrief, bringe Krankenkommunion, mache Geburtstagsbesuche…“ Er betont: „Der schönste Aspekt für mich ist, dass ich mit vielen Altersgruppen zusammenkomme, von kleinen Kindern bis zu alten Leuten, von gesund bis krank, verschiedene Lebenslagen, da ist alles dabei. Und durch die Wallfahrt gibt es Kontakte mit den unterschiedlichsten Menschen, von ganz frommen Christen bis hin zu Menschen, die gar nichts mit der Kirche zu tun haben, die aber trotzdem den Weg nach Kevelaer finden. Das finde ich sehr interessant. Ich sage immer: ‚In jedem Menschen steckt etwas‘, denn sonst würden sie nicht nach Kevelaer fahren, um hier bewusst eine Kerze anzuzünden. Solche Momente, wenn man dann ins Gespräch kommt und manchmal von wirklich schweren Schicksalsschlägen hörst, empfinde ich selbst als sehr wertvoll. Man muss dann nicht mal immer was sagen, manchmal reicht es auch schon, dabei zu stehen, da zu sein und zuzuhören.“
Dass sich Bruder Wolfgang in Kevelaer sehr wohl fühlt, ist offensichtlich. „Die Zusammenarbeit im Team funktioniert sehr gut und macht mir viel Freude. Jeder kann hier ihre oder seine Fähigkeiten einbringen, es gibt viele Möglichkeiten. Die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen sind interessant und bereichernd. Ich blicke aus meiner Wohnung direkt auf den Kapellenplatz, man sieht, dass immer Menschen da sind, von älteren Leuten bis Schülerinnen und Schülern, kurz innehalten. Maria ist da, wirklich im Zentrum des Geschehens. Das ist etwas Besonderes in Kevelaer und es ist schön, da mittendrin zu sein.“
Der Jubiläumsgottesdienst findet am Sonntag, 27. April, um 10 Uhr in der Basilika statt. Anschließend gibt es einen Empfang am Kapellenplatz.
Bruder Wolfgang Meyer feiert sein 25. Ordensjubiläum. Foto: privat