24 Stunden im Einsatz
Abwechslungsreiche Übung für 22 Mitglieder der Jugendfeuerwehr Goch
Schichtbeginn
Samstagmorgens um 9 Uhr war Schichtbeginn für die 22 Jugendlichen in der alten Rettungswache auf dem Höster Weg in Goch. Nach einer kurzen Ansprache und einer Erklärung des Ablaufes durch die Übungsleiter galt es für die jungen Feuerwehrleute, die Schlafräume mit Feldbetten herzurichten. Im Anschluss wurden die Jugendlichen den Feuerwehrfahrzeugen zugewiesen.
Um 10.40 Uhr ertönte dann zum ersten Mal der Alarmgong. Für die Hälfte der Fahrzeuge ging es zur Firma Eurotank im Gocher Industriegebiet. Hier wurde eine eingeklemmte Person unter einem Tanklastwagen gemeldet. An der Einsatzstelle angekommen, stellte sich heraus, dass sich an der gleichen Adresse eine weitere Einsatzstelle befand. Ein Mitarbeiter war bei Arbeiten in einem der Tanklaster gestürzt und kam nicht mehr allein heraus. Da sich die vorhandenen Einsatzkräfte nicht gleichzeitig um beide Einsatzstellen kümmern konnten, wurden die noch an der Wache verbliebenen Kräfte nachalarmiert. Die Ersteintreffenden kümmerten sich derweil um die Befreiung der eingeklemmten Übungspuppe. Der vom jungen Gruppenführer geplante Einsatz von Hebekissen zum Anheben des Tankanhängers zeigte Erfolg. Mit der richtigen Unterbauung konnten die Kissen die Achse des Anhängers anheben und die Jugendlichen konnten die Puppe befreien.
Die nachgeforderten Einsatzkräfte, die den Einsatzort mittlerweile erreicht hatten, bereiteten zeitgleich die Befreiung der zweiten Übungspuppe vor. Mit einem Sicherungsgurt und einer Rettungsleine im Anschlag, kletterte einer der Jugendlichen zum Übungsleiter und der Puppe in den Tank. Mit einem Rettungsknoten wurde Letztere gesichert und von den anderen Einsatzkräften nach draußen befördert. Nun galt es die rund 80 Kilogramm schwere Übungspuppe sicher von dem Tanklastwagen herunterzubekommen. Schnell kamen die Jugendlichen auf die Idee, eines der Leiterteile vom Feuerwehrfahrzeug als Rutsche für die Trage zu benutzten. Mit sicheren Handgriffen wurde die Leiter aufgebaut und im Anschluss konnte die verletzte Person hinunterbefördert werden. Nachdem beide Puppen erfolgreich befreit und in Sicherheit waren, wurden die beiden Szenarien durchgesprochen.
Daniel Damms, Ausbilder bei der Jugendfeuerwehr und einer der Übungsleiter sprach volles Lob aus: „Wir haben so etwas noch nicht mit euch geübt, aber ihr habt von Anfang an gewusst, was zu tun ist, und jeder Handgriff hat gesessen. Sehr gut!“ Pünktlich zum Mittagessen ging es dann zurück zur Wache.
Fehlalarm
Währenddessen wurde die Neuverteilung der Positionen auf den Fahrzeugen veröffentlicht. Gerade als die Sachen umgepackt waren, ertönte der Alarmgong erneut. Vollalarm für die Jugendfeuerwehr. Ein gemeldeter Brand in einem Wohngebiet in Asperden ließ die Jugendlichen eilig zu den Fahrzeugen laufen und vom Hof fahren. Doch nach wenigen Minuten kam schon die Rückmeldung von der Übungsleitstelle, dass es sich um einen Fehlalarm handele und die Jugendlichen konnten den Einsatz abbrechen. Auch solche Fehlalarme zählen zum Alltag bei der Feuerwehr. Die nächste Alarmierung erfolgte dann, wieder als Vollalarm, um 14.50 Uhr, und führte die Jugendlichen in den Kalbecker Forst. Hier war ein Waldbrand beim Wasserwerk gemeldet worden. Da die Wasserleitungen in dem Übungsszenario gerade gewartet wurden, war eine Wasserentnahme aus dem Hydrantennetz nicht möglich. Glücklicherweise befindet sich nicht allzuweit entfernt die Niers, welche für diesen Einsatz als Löschwasserquelle diente. Um das Wasser jedoch an die richtige Stelle zu bekommen, mussten zuerst rund 500 Meter Schlauchleitung von der Niers bis zum Wasserwerk verlegt werden. Die Gruppe bildete zwei Einsatzabschnitte. Die einen kümmerten sich um die Wasserversorgung bis zur Einsatzstelle und die anderen bauten in der Zeit einen Löschwasserbehälter auf und bereiteten den Löschangriff vor.
Tierrettung
Auch hier zeigten die Jugendfeuerwehrleute, was sie schon alles draufhaben und so konnte schnell „Feuer aus“ gemeldet werden. Nachdem alles wieder aufgeräumt und in den Fahrzeugen verstaut war, wurde die Heimreise angetreten. Gegen 18 Uhr wurde gemeinsam an der Wache gegrillt, gefolgt von einer Wanderung zur Eisdiele. Zurück an der Wache wurde dreimal kurz hintereinander zu verschiedenen Einsatzstellen alarmiert. Eine Gruppe fuhr zu einer Tierrettung. Hier hatte ein Hund zwei Katzen aufgeschreckt, welche danach fluchtartig auf einen Baum kletterten und nicht mehr allein herunterkamen. Die Jugendlichen retteten die Katzen mittels Leitern und übergaben die Katzen an die Besitzer. Eine weitere Gruppe wurde zur Unterstützung des Rettungsdienstes zu einem Verkehrsunfall alarmiert. Der Fahrer eines PKW hatte sich bei einem Auffahrunfall eine Kopfplatzwunde zugezogen, welche die Jugendlichen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes versorgen mussten.
Die dritte Gruppe wurde zu einer brennenden Feuertonne alarmiert, bei der das Feuer außer Kontrolle geraten war und gelöscht werden musste. Nachdem die letzten Einsätze erfolgreich abgearbeitet waren, hatten die Jugendlichen eine ruhige Nacht. Pünktlich um 8 Uhr wurde geweckt und gemeinsam gefrühstückt. Anschließend wurde die Wache aufgeräumt und durchgewischt, die Feldbetten wurden abgebaut.
Um 9.40 Uhr ertönte dann wieder der Alarmgong für alle Fahrzeuge. Auf dem Gelände vom Hotel Auler in Pfalzdorf wurde eine brennende Hecke gemeldet, welche auf eine Halle überzugreifen drohte. Beim Eintreffen bestätigte sich die Lagemeldung. Auf dem Hof brannte ein Feuer. Bei weiterer Erkundung konnten auch noch kleinere Brandnester gefunden werden. Es wurde schnell ein Löschangriff aufgebaut und die Jugendfeuerwehrleute löschten die Flammen ab. Nachdem alles wieder aufgeräumt war, ging es zurück zur Wache, wo die Eltern schon warteten, um die jungen Feuerwehrleute von ihrer 24-Stunden-Schicht abzuholen. „Wir sind echt stolz, eine so großartige Truppe zu betreuen“, sagte Niklas Elbers, Ausbilder bei der Jugendfeuerwehr und selbst Berufsfeuerwehrmann, „alle haben sich aktiv eingebracht, sich gegenseitig unterstützt und alle vorbereiteten Einsatzszenarios als Team gemeistert. So, wie es auch bei der richtigen Feuerwehr läuft.“
Die Jugendfeuerwehr ist eine Untergruppierung der Feuerwehr Goch, bei der Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren in regelmäßigen Übungen die Grundsätze der Feuerwehrtätigkeiten sowie Teamgeist und Zusammenhalt vermittelt bekommen. In der Jugendfeuerwehr befinden sich aktuell 30 Jugendliche, die von 13 ehrenamtlichen Ausbildern auf die spätere Zeit bei der Feuerwehr vorbereitet werden.
Die Feuerwehr Goch ist glücklich über so viel Nachwuchs und das Engagement der Ausbilder, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist (ots).
Auf dem Einsatzplan stand auch ein außer Kontrolle geratenes Feuer.
In einem Szenario mussten die Jugendlichen einen verunglückten Arbeiter aus einem Tank befreien und für den Transport ins Krankenhaus vorbereiten.Fotos: Feuerwehr Goch