14 weiße Kreuze erinnern an die Verkehrstoten
Kreispolizeibehörde und Technisches Hilfswerk stellen wieder weiße Kreuze auf
KREIS KLEVE. Es ist einer dieser Termine, bei denen man steht wie betäubt und mit den Tränen ringt. Im Gras: drei weiße Kreuze. Drei von 15, die an das Sterben auf den Straßen des Kreises Kleve erinnern, auf denen im vergangenen Jahr 19 Menschen den Tod fanden.
Zahlen sind das Eine – die Vorstellung dessen, was sich hier abgespielt haben muss, ist etwas anderes. Der Landrat spricht. Er spricht von trennscharfen Augenblicken. Das Leben derer, die zurückbleiben, wird, wenn sie die Nachricht vom Tod erhalten, in zwei Teile zerrissen und meist gibt es eine genaue Uhrzeit zu dieser Zerreißung, die eigentlich eine Sprengung ist – eine Sprengung, bei der kein Lebensstein auf dem anderen bleibt. Da stehen die Angehörigen derer, die hier den Tod fanden. Man mag sich nicht vorstellen, wie es in ihnen aussieht. Die Sonne scheint, aber das alles hier ist eine sonnenbeschienene Tragödie, durch die symbolhaft ein kalter Wind bläst. Der Ort, der jetzt irgendwie normal wirkt, war Schauplatz für einen der schlimmsten Unfälle des vergangenen Jahres. Drei Kreuze werden aufgestellt. Drei Leben endeten hier.
So lange es notwendig ist

So erinnern die Angehörigen an die Toten. Foto: HF
19 Opfer
19 Menschen haben auf den Straßen des Kreises Kleve ihr Leben gelassen. Jetzt werden 15 weiße Kreuze zu Mahnmalen des eigentlich Unbegreiflichen, Unfassbaren, Unaushaltbaren. Manfred Derks, einer von denen, die im Opferschutz tätig sind erklärt, warum es zwar 19 Tote gab, aber nur 15 Kreuze. „Bevor wir ein Kreuz aufstellen, fragen wir natürlich bei den Angehörigen nach. Manche bitten uns dann, kein Kreuz aufzustellen, weil es sie zu sehr belasten würde, wenn sie die Unfallstelle passieren.“ Ein weiterer Grund: Innerhalb geschlossener Ortschaften werden (in der Regel) keine Kreuze aufgestellt. So erklärt sich der Unterschied zwischen der Anzahl an Toten und der Zahl der Kreuze.
Die Trauer aushalten
Der Landrat hat seine Ansprache beendet. Er bittet um einen Moment des Gedenkens. Noch einmal senkt sich das Elend in Hirn und Seele. Man schleicht davon. Bilder im Kopf und die Gedanken an alle die, deren Leben durch den Tod der Angehörigen, Freunde, Bekannten zerrissen wurde und für die es darum geht, weiter zu leben, die Trauer auszuhalten und die Frage nach dem Warum. 479 Menschen starben 2025 auf den Straßen des Landes Nordrhein-Westfalen. In der Bundesrepublik kamen 2024 insgesamt 2.770 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Das Teschnische Hilfswerk beim Aufstellen der ersten bon insgesamt 15 Kreuzen. NN-Foto: HF