Die Preisträger der Klever Birne 2025. Foto: HSRW/Claudia de Kruijf
15. September 2025 · Kleve

10 m² sind „alles, was eine gute Nachbarschaft braucht“

Der Publikumspreis ging an die Idee „Nahrungswälder“ des Studenten Hien Do

KLEVE. Der Nachhaltigkeitspreis Klever Birne wurde am Abend des 11. September zum dritten Mal vergeben. Aus 22 Bewerbungen wählte eine Vor-Jury die zehn kreativsten Ideen aus. Neun Teams präsentierten sich dann am Abend der Preisverleihung in Form von Drei-Minuten-Präsentationen. Die Jury vergab den ersten Preis an das Team „10 m² Nachbarschaft“. Der Publikumspreis ging an die Idee „Nahrungswälder“ des Studenten Hien Do.

Die Klever Birne, eine Kooperation des Projekts TransRegINT (Transformation der Region Niederrhein: Innovation, Nachhaltigkeit, Teilhabe) der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) mit der Stadt Kleve, stand dieses Jahr unter dem Motto „Sharing Economy“: Klever waren aufgerufen, mit kreativen Ideen zu zeigen, wie Teilen, Tauschen und gemeinschaftliches Handeln die Stadt nachhaltiger machen können. 22 Bewerbungen zeugen davon, dass der Wettbewerb auch in seinem dritten Jahr auf große Resonanz stößt. „Der Hochschule ist die Einbindung in die Region ein wichtiges Anliegen. Dazu gehört auch, gemeinsam mit der Stadt Kleve Engagement für nachhaltige Maßnahmen zu fördern. Es freut mich sehr zu sehen, dass der Nachhaltigkeitspreis inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist“, so Professor Dr. Oliver Locker-Grütjen, Präsident der HSRW, zum Auftakt des Finales. Joachim Schmidt, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Kleve, macht den Wert des Preises deutlich und den Teams Mut für die Präsentationen: „Wer weiß, vielleicht finden wir hier heute Abend den nächsten großen Impuls für die Nachhaltigkeitsgestaltung unserer Stadt.“

Jedes Team hat drei Minuten Zeit die eigene Idee zu präsentieren und sich danach den Fragen der Jury zu stellen. Auch das Publikum ist gefragt: Jeder darf die eigene Favoriten-Idee in den Ring für den Publikumspreis werfen. Die vorgestellten Ideen reichen von Tauschstationen, Nachbarschaftsinitiativen und Vernetzungsplattformen, über Sensoren für Umweltdaten und ein Becher-Mehrwegsystem hin zu solidarischer Landwirtschaft und Nahrungswäldern.

Die Jury zieht sich zur Beratung zurück, die letzten Stimmzettel für den Publikumspreis landen in der Urne. Dann stehen die Gewinner fest und werden von Joachim Schmidt sowie Dr. Gerhard Heusipp, Leiter des Zentrums für Forschung, Innovation und Transfer der HSRW sowie stellvertretender Projektleiter TransRegINT, verkündet. Der erste Preis, dotiert mit 2.000 Euro Preisgeld und einem individuellen Coaching, geht an die Initiative „10 m² Nachbarschaft“. Anna-Lena und Philip Frauenlob sowie Jan-Peter Heinz möchten mit einem mobilen Fahrradanhänger Parkplätze in lebendige Treffpunkte der Nachbarschaft verwandeln. Wieso zehn Quadratmeter? Autos stehen 95 Prozent des Tages im öffentlichen Raum und belegen eine Parkfläche von mindestens zwei mal fünf Metern, also zehn Quadratmetern. Das Team ist überzeugt: „Diesen Raum können wir als Gesellschaft nutzen.“ Das Preisgeld fließe direkt in den Bau des Fahrradanhängers. Das Ziel ist klar: „Wir wollen zur nächsten Klever Birne fertig sein und dann mit unserem Anhänger hier einfahren“, so die Klever.

Der Jubel ist ebenso groß beim zweiten Gewinnerteam, dem Verein Solidarische Landwirtschaft Kleve. Die Ernte steht im Mittelpunkt und wird an die Mitglieder verteilt. Im Gegenzug zahlen diese einen Mitgliedsbeitrag und helfen zum Beispiel bei Aktionstagen mit. Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro stärkt die Investitionskraft des Vereins und soll in ein Bewässerungssystem fließen. Der dritte Preis, dotiert mit 1.000 Euro Preisgeld und Coaching, geht an „Sanjha - Sharing Hub“, einer Idee der Studentinnen Hannah S. David und Kirandeep Kaur. Sie wollen mit Tauschstationen und einer begleitenden App das Teilen von Gegenständen fördern, denn „Sanjha“ bedeutet „Teilen“ auf Hindi. Gewinner des Publikumspreises ist ebenfalls ein Student der HSRW: Hien Do überzeugt mit seiner Idee der Nahrungswälder. Heimische Gärten werden so zu wertvollen essbaren Wäldern. Ein erster Garten in Kleve ist bereits in Planung.

Die Jury war in diesem Jahr bunt gemischt und ermöglichte so die Einnahme unterschiedlicher Blickwinkel auf die vorgestellten Ideen. Zur Jury gehörten Herbert Looschelders von der Sozial- und Ökologiestiftung Kleve, Dirtje Derksen von der AG Klima Kreis Kleve, Nadja Brauer, pädagogische Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrum Kreis Kleve (BBZ), sowie Michael Gesikiewicz, Quartiersmanager beim SOS-Kinderdorf Niederrhein.

Die Preisträger der Klever Birne 2025. Foto: HSRW/Claudia de Kruijf