Mit ihrer neuen Lehrwerkstatt zieht die SHK-Innung des Kreises Kleve viele interessierte junge Menschen an. (V.l) Richard Thielen (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft), Vorstandsmitglied der SHK-Innung Klaus van Straelen, Ralf van der Cruysen und Michael Janßen gemeinsam mit drei Auszubildenden. Fotos: JK
25. September 2024 · Kleve

Die SHK-Innung des Kreises Kleve stellt Besuchern neue Lehrwerkstatt vor

So „smart“ ist das Handwerk heute / Tag der offenen Tür am Samstag, 28.September

KLEVE. Junge Menschen für das Handwerk zu begeistern ist die eine Sache, ihnen eine qualitativ-hochwertige Ausbildung zu bieten eine andere. Die Innung Sanitär-Heizung-Klimatechnik (SHK) im Kreis Kleve hatte dafür genaue Vorstellungen. Der aufwendige Neubau eines Bildungszentrums am Campus des Berufskollegs in Kleve bietet Platz für Lehrwerkstätte verschiedenster Handwerksberufe – und die SHK ließ für sich dort etwas ganz Besonderes errichten. Löten und Schweißen treffen hier auf die Smart-Home-Technik von morgen.

Betritt man die Werkstatt der SHK-Innung, wirkt alles gewöhnlich normal; Werkbänke reihen sich aneinander. „Das ist der Raum, in dem die Auszubildenden löten, schweißen oder Gewinde schneiden. Dinge, die wir im Berufsalltag immer noch oft tun. Es gibt hier neben den Werkbänken auch zwölf Kabinen, in denen jeweils ein Azubi arbeiten kann. Wir können dort verschiedene Hausinstallationen simulieren. So sieht der Schüler, welche Technik sich hinter den Geräten verbirgt und kann zum Beispiel das Montieren von Heizkörpern üben“, erklärt Ralf van der Cruysen, Ausbildungsleiter der SHK-Innung. „Hier ist auch der Kopf gefragt. Die Azubis müssen sich an die Regelungen und Richtlinien halten, die es gibt.“ Gasanschlüsse zur Nutzung der nötigen Geräte, herumliegende Schutzbrillen und Schraubstöcke erinnern außerdem an die Haptik, die Handwerksberufe ausmacht, und die Bedeutung der Branche, die lokale Fachkräfte hervorbringt.

So wie sich die Technik durch die fortschreitende Digitalisierung aber verändert, müssen sich auch die Ausbildungen für junge Fachkräfte anpassen. Die SHK-Innung hat in ihrem zweiten Schulungsraum deshalb den Fokus auf das Thema „Smart Home“ gelegt.

Zwar gibt es Arbeitsplätze, an denen die Auszubildenden alle beliebten Heizmethoden der letzten Jahrzehnte (Öl, Gas, Pellet System oder aktuell: die Wärmepumpe) kennenlernen, üben Störungen zu beheben oder Ersatzteile zu verbauen, das „i-Tüpfelchen“ ist aber ein eigens für die Azubis angefertigtes Modellhaus.

„Es sieht ein bisschen aus wie ein großes Barbie-Puppenhaus aber ist für die Azubis ein realistischer Blick in das typische Haus eines Kunden mit jeglicher Technik, die es heutzutage gibt“, erklärt van der Cruysen weiter. Auf zwei Etagen findet man Querschnitte eines Badezimmers, einer Küche, dem Wohnzimmer und eines Balkons. Selbstverständlich dürfen auch der Heizungskeller und der Garten mit Wärmepumpe nicht fehlen.

Per Tablet können alle Funktionen des Hauses programmiert und gesteuert werden. Das sollen die Auszubildenden hier lernen. „Unser Ansatz ist den Azubis zu zeigen, was sich wo, im Haus befindet und wie sich das Haus wann verhält. Sie kommen mithilfe des Models wirklich in die einzelnen Räume hinein“, betont van der Cruysen. „Der Aha-Effekt kommt dann gratis dazu“, ergänzt der Obermeister der SHK-Innung, Michael Janßen.

Zu wissen, wie man moderne Lüftungs- oder Heizsysteme einrichte, sei für eine heutige Fachkraft für Sanitär-Heizungs- und Klimatechnik unerlässlich. Dabei dürfe man die älteren Techniken aber niemals vergessen, wie Janßen weiter betont.

Gekostet habe die Einrichtung und digitale Ausstattung der neuen SHK-Werkstatt etwa 560.000 Euro. 420.000 davon erhielt die Innung durch Förderzuschüsse des Bundes und des Landes NRW. Unterstützung die Dankbarkeit bei den Verantwortlichen auslöst: „Wir waren in der glücklichen Lage, dass der Kreis Kleve uns gefragt hat, wie wir uns unsere neue Lehrwerkstatt vorstellen“, sagt Janßen. So seien die Fachleute auch selbst bei jedem Schritt des Baus mit einbezogen worden, konnten den Grundriss ihrer Werkstatt sogar selbst bestimmen. Umso größer sei die Freude, dass die Zahlen der Auszubildenden aktuell wieder ansteigen. Nach Angaben der Innung werde die neue Werkstatt derzeit von nicht weniger als 190 Azubis genutzt. Allein 61 davon sind in diesem Jahr in ihre Ausbildung gestartet. Zum Vergleich: 2020 belief sich die Zahl der Azubis eines Jahrgangs lediglich auf 37.

Zu einem Tag der offenen Tür zur offiziellen Eröffnung der fertigen neuen Werkstatt lädt die SHK-Innung Kreis Kleve am kommenden Samstag, 28. September in der Zeit von 11 bis 15 Uhr ein. Die Besucher erwarten Vorführungen der verschiedenen Ausbildungsinhalte sowie das Smart-Home-Modellhaus. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Führungen durch das Bildungszentrum am Campus des Berufskollegs und Verpflegung.

Das Programmieren eines „Smart-Homes“ wird an einem Modellhaus geübt.

Das Programmieren eines „Smart-Homes“ wird an einem Modellhaus geübt.

Mit ihrer neuen Lehrwerkstatt zieht die SHK-Innung des Kreises Kleve viele interessierte junge Menschen an. (V.l) Richard Thielen (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft), Vorstandsmitglied der SHK-Innung Klaus van Straelen, Ralf van der Cruysen und Michael Janßen gemeinsam mit drei Auszubildenden. Fotos: JK