Heinz Meier übergab bei der internen Verabschiedung – von der er im Vorfeld übrigens nichts wusste – Helm und Mantel des St. Martin an seinen Sohn Markus. Foto: privat

GOCH. Mit einem Kürassier namens Peter (der Nachname ist leider nicht überliefert), der den ersten Gocher Martinszug am 10. November 1921 auf einem Schimmel reitend anführte, begann eine lange Tradition, die aus dem Brauchtum der Weberstadt nicht mehr wegzudenken ist.

In diese lebendige Tradition reiht sich die Gocher Familie Meier ein. 25 Jahre, seit 1996, hat Heinz Meier als St. Martin hoch zu Ross für strahlende Kinderaugen gesorgt. Er hatte das Amt damals von seinem Onkel Christian Janßen übernommen, der es von 1965 bis 1995 innehatte. Im Sommer dieses Jahres, bei der internen Verabschiedung durch das Gocher Martinskomitee, legte Heinz Meier die Verantwortung in jüngere Hände: Erstmals wird sein Sohn Markus am kommenden Freitag, 11. November, dem Gocher Martinszug voranreiten. „Da bin ich quasi reingewachsen“, erzählt der 26-Jährige, der im Zivilberuf Metallbauer beim Niersverband ist.

Lisa Meier, Tochter des langjährigen Komitee-Mitglieds Georg Meier Bruder von Heinz Meier), wird mit der neuen Standarte an der Spitze des Martinszuges reiten.

Eine wichtige Voraussetzung erfüllt er auf jeden Fall. Zehn Jahre lang hat Markus Meier aktiv Reitsport betrieben und ist Turniere geritten. Damit hat er zwar vor drei Jahren aufgehört, aber „Reiten verlernt man nicht.“ Den Martinszug begleiten immer zwei weitere Reiter, hier war Markus Meier in den letzten Jahren auch schon dabei. Und als St. Martin hat er ebenfalls Erfahrungen sammeln können. Seit knapp vier Jahren besucht der 26-Jährige Gocher Kindergärten. „Das war zuerst ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert er sich. Denn Helmut Pouwels – die Familie stellt seit vielen Jahren auch die Pferde für den Martinszug – war erkrankt und konnte bereits zugesagte Termine als St. Martin nicht übernehmen. Da kam Markus Meier ins Spiel und sprang kurzerhand ein. „Zum Glück konnte ich auch da viel von meinem Papa lernen; er hat früher auch als St. Martin die Kindergärten besucht.“ Fröhlich, offen und geduldig mit den Kindern sein, das sei das Wichtigste bei den Besuchen. „Dort überreicht man ja die Martinstüten und hat persönlichen Kontakt zu den Kindern.“ Im Martinszug sei er dann eher eine Symbolfigur.
„Es ist eine große Ehre, dass ich das Amt von meinem Vater übernehmen darf“, freut sich Markus Meier auf seine „Premiere“ am Freitag. Für ihn stand früh fest, dass er Nachfolger werden möchte: „Das war mein Wunsch von klein auf.“
Heinz Meier hatte angekündigt, aufzuhören, wenn er Rentner ist. Dann kamen die Coronajahre und alles wurde auf den Kopf gestellt. 2021 – es konnte kein Zug stattfinden – ritt Heinz Meier als St. Martin von Schule zu Schule und besuchte coronakonform Altenheime. Die Dankbarkeit und die Fröhlichkeit hätten seinen Vater in dessen Abschiedsjahr sehr berührt, weiß Markus Meier. So ist das Amt des St. Martin für den 26-Jährigen auch kein kurzfristiges Arrangement, sondern eine echte Herzensangelegenheit. „Ich habe vor, es längere Zeit auszuüben“, bekräftigt er; vielleicht sogar bis zur Rente.

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Großes Bild: Heinz Meier übergab bei der internen Verabschiedung – von der er im Vorfeld übrigens nichts wusste – Helm und Mantel des St. Martin an seinen Sohn Markus. Foto: privat