GELDERN. Die Welle der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche ist mittlerweile auch in Geldern angekommen, wie die Fälle der Pfarrer Josef Goris und Heinrich Polders zeigen. Die heutigen Verantwortlichen in der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena setzen jedoch auf einen offenen Umgang mit dem Thema und bieten deshalb nicht nur Missbrauchs-Opfern und deren Angehörigen, sondern auch allen anderen Menschen Möglichkeiten zum Gespräch. Dafür stehen sechs Vertrauenspersonen bereit – per Mail und Telefon.

Im Zuge der Skandale entschied das Bistum Münster, dass jede Pfarrei ein institutionelles Schutzkonzept erstellen muss, erzählt Pfarrer Arndt Thielen. „Jede Pfarrei war jedoch frei darin, wie sie die Umsetzung angeht.“ In der Gemeinde St. Maria Magdalena entschied man sich unter anderem dazu, Vertrauenspersonen unterschiedlichster Hintergründe zu gewinnen, die bereit sind, bei Bedarf für die Menschen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Bei solchen Personen sei die Hürde für ein Gespräch oft kleiner als es vielleicht beim Pfarrer selbst der Fall wäre, sagt Thielen. Alle, die Bedarf haben, dürfen sich melden – auch Nicht-Kirchenmitglieder.

Die Vertrauenspersonen

Alfred Schmitz ist eine der sechs Vertrauenspersonen. Der 68-jährige Rentner aus Kapellen hat zwei Söhne und drei Enkel. Er selbst steht mit „Mutter Kirche“ auf Spannung und sieht es kritisch, wie man dort mit Missbrauch und anderen Themen umgeht. Für das heutige Gebilde der Kirche sieht er keine Zukunft. Und genau deshalb bietet Schmitz sich als Ansprechpartner an. „Ich möchte den Leuten die Möglichkeit geben, ihre Stimme hörbar zu machen.“ Erreichbar ist er unter Telefon 02831/1326947 oder unter a.schmitz-mm@gmx.de.

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Die Geldernerin Ute Krapohl-Leppers ist 56 Jahre alt und hat fünf erwachsene Kinder. Hauptamtlich tätig in der Präventionsarbeit im Katholischen Bildungsforum hat sie sich schon viel mit dem Thema beschäftigt. Daher weiß sie: „Es ist wichtig, dass es so ein Gesprächsangebot gibt. Dazu möchte ich beitragen.“ Die Kommunikation über Missbrauch müsse sich verändern und transparent sein, betont sie. Sie ist erreichbar unter Telefon 02831/1321655 und per Mail an krapohl-leppers-u@bistum-muenster.de.

Marlies Derrix ist 60 Jahre alt, hat drei Kinder und drei Enkel und arbeitet als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin. Dementsprechend sind der Veerterin Übergriffsituationen nicht fremd. Mit ihrer Erfahrung in diesem Bereich möchte sie sich auch im Kontext der Skandale als Gesprächspartnerin zur Verfügung stellen. Zumal sie weiß, dass es nicht unüblich ist, dass sich Betroffene erst viele Jahre später melden. Ihre Kontaktdaten: Telefon 02831/992457, Mail: derrix@bistum-muenster.de

Eine besonders persönliche Angelegenheit ist es für den in Kleve lebenden Pascal Verhoeven. Der 47-jährige Mitarbeiter der katholischen Bücherei in Geldern, der auch Präventionsbeauftragter der Kirchengemeinde in Geldern ist, hat nicht nur bei Freunden miterlebt, welche Schäden Missbrauch anrichten kann, sondern war auch selbst als Kind in Rheinbach bei Bonn betroffen. Die Fälle seien damals kein Geheimnis gewesen, trotzdem lernte er Kirche als repressiven, hermetischen Raum kennen. Es gab keine Möglichkeit, dem Problem zu begegnen und niemanden, an den er sich hätte wenden können. „Aber das geht auch anders“, weiß er und möchte das als Vertrauensperson Wirklichkeit werden lassen. Er ist erreichbar unter Telefon 02831/992456 und per Mail an praevention-mm@bistum-muenster.de.

Benedikt Waerder hatte von Berufs wegen schon öfter mit dem Thema Missbrauch in unterschiedlichen Formen zu tun. Der 57-jährige Walbecker ist Schulleiter in Kempen und hat selbst drei erwachsene Söhne. Falls die Kirche überleben wolle, müssten die oft missbrauchten Machtstrukturen und Hierarchien abgebaut werden, ist er sich sicher. Betroffene sollten auf einer Ebene mit ihren Ansprechpartnern sprechen. Umso mehr lobt er den Ansatz der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena, nun Ehrenamtliche einzubeziehen. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Kontakt unter Telefon 02831/1326946 oder per Mail an bwmmgeldern@gmail.com.

Britta van Huet ist 45 Jahre alt, lebt mit ihren drei jungen Kindern in Geldern, arbeitet als Fachlehrerin an der Don-Bosco-Schule und engagiert sich bei den Pfadfindern in Kapellen und im Förderverein der Schule. Daher rührt auch ihre Motivation, etwas zu verändern und Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe entgegenzukommen. „Meine Kinder sind alle bei den Pfadfindern. Würden sie etwas sagen? Wen hätten sie als Ansprechpartner? Das waren meine Beweggründe.“ Hinzu kommt, dass auch dem Pastor, der sie taufte, Missbrauch nachgewiesen wurde. Ein Kontakt zu ihr ist möglich unter Telefon 02831/1321656 und per E-Mail an britta.vanhuet@web.de.