GELDERN. Alte Friedhöfe in großen Städten sind inzwischen auch zu Parklandschaften geworden und werden daher heute aus ganz unterschiedlichen Gründen von den Einwohnern einer Stadt genutzt. Auf dem städtischen Gelderner Friedhof mit seinen rund 57.000 Quadratmetern gibt es neben den circa 25 großen, prägnanten Solitärbäumen, zahlreiche Parkbänke und Trostplätze für die Besucher.

Sehenswert sind aber auch viele Grabsteine. Besonders alte Grabmäler sind oft aufwändig gestaltet, haben meist eine lange Familiengeschichte und stehen inzwischen auch unter Denkmalschutz oder gelten als besonders erhaltenswert. Denkmäler sollten auch in der Bevölkerung nicht unbeachtet bleiben. Deshalb beschloss der Gelderner Bau- und Planungsausschuss Ende 2021 einen Friedhofsflyer, inklusive Rundgang, erarbeiten zu lassen, um die denkmalgeschützten Grabmäler auf dem Gelderner Friedhof sichtbar(er) werden zu lassen.

Mit der Erstellung des Flyers wurde eine kleine ehrenamtliche Arbeitsgruppe beauftragt, bestehend aus Johanna Klümpen-Hegmans, Hejo Eicker und Dr. Christel Terhorst. Herausgeber des Flyers ist die Stadt Geldern.

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28 denkmalgeschützte Grabmäler

Anhand des neuen Friedhofsflyers werden interessierten Bürgern auf dem alten Teil des Gelderner Friedhofs nun die 28 denkmalgeschützten Grabmäler vorgestellt. Während des Rundgangs begegnet man wichtigen Persönlichkeiten der Stadtgeschichte sowie kunstgeschichtlich bedeutsamen Grabmälern.

In der Region war es viele Jahrhunderte üblich, die Verstorbenen neben den katholischen und evangelischen Kirchen zu bestatten. Mit dem Wachsen der Stadt und auch aus hygienischen Gesichtspunkten mussten im 19. Jahrhundert neue Lösungen gefunden werden. Der erste Friedhof außerhalb der Stadtgrenzen wurde als Rechteckanlage angelegt und am 27. April 1821 eingeweiht; er lag damit weit vor den Toren der Stadt und vor dem Geldertor unmittelbar am jenseitigen Ufer der Fleuth. Am Ende der Mittelachse von der Brücke über die Fleuth kommend liegt bis heute die Kapelle der Familie von Hoensbroech, die 1858 errichtet wurde.

Im 19. Jahrhundert waren die Grabflächen noch nach Konfessionen getrennt. Den ersten, kleineren Teil, also Feld eins und zwei der ursprünglichen 14 Grabfelder nutzte die evangelische Gemeinde zur Bestattung ihrer Verstorbenen, während den Katholiken der größere Abschnitt für ihre Beerdigungen zur Verfügung stand. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Friedhof mehrmals erweitert, die heutige neue Fleuthbrücke gebaut und der Eingang verlegt. Erst 1931 wurden auch gemeinsame Felder für katholische und evangelische Christen zugelassen.

Wissenswertes über wichtige Persönlichkeiten

Auch Grabmäler wichtiger Persönlichkeiten der Geschichte Gelderns sind auf dem Friedhof zu finden. Wissenswertes über sie kann in dem Flyer nachgelesen werden. Zu den wichtigen politischen Personen der Stadtgeschichte Gelderns gehört beispielsweise sicher Georg Freiherr von Eerde (1781 bis 1848), ehemaliger Landrat und Stadtrat von Geldern, dessen Grabmal auf dem ehemaligen evangelischen Teil des Friedhofs steht.
Er war eine bekannte Persönlichkeit zur Zeit des preußischen Kulturkampfes und wohnte in der Villa von Eerde, heute Stadtarchiv und Teil der Stadtverwaltung.

Graf von Schmising-Kerssenbrock war Bürgermeister in Geldern (Wegekreuz am Eingang zur Fleuthbrücke, 1854); Eduard Hoffmann war Mitglied erster Klasse des Gelderner Stadtrats (1884 bis 1898); Vertreter der Familie Holtman und Portmans waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts .ebenfalls Mitglieder erster und elfter Klasse des Stadtrates.

Der Flyer wird im Rathaus der Stadt Geldern ausgelegt, sowie vor Ort am Gelderner Friedhof, oder digital auf der Internetseite des historischen Vereins.