GELDERN. Mit der Eingliederung des bundesweiten Caritas-Labels „Einzigware“ in die eigenen Bestände geht das FairKaufHaus Geldern einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Und das nicht nur bezogen auf die verkaufte „Einzigware“: Diese ist nämlich das Ergebnis des kreisweit einzigartigen Projekts „Kunst und Upcycling – Die Firma in der Firma“. Diese integrative Maßnahme ist seit August die neueste unter verschiedenen Arbeitsgelegenheiten bei der Caritas Geldern und ermöglicht es den lange Zeit Arbeitssuchenden wieder in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. „Langsam, in Ruhe, im eigenen Tempo“, erläutert Katja Koester, Leiterin der Beruflichen Integration das Konzept.

Die Merkmale jedweder Einzigware sind klar definiert: wiederverwertbare Materialien, handgefertigt und ein Unikat. Die eigentliche Umsetzung, auch auf Bestellung, liegt ganz in der Hand der Mitarbeiter. Ausgestattet mit Materialien – meist von Firmen gespendete Abfallprodukte – überlegen sie, was daraus entstehen könnte. Wenn, gerade anfangs, noch die eigenen Ideen fehlen sollten, gibt es auch Hilfe von den Anleitern. Nach getaner Arbeit gehört ebenso die Vermarktung dazu: von der Preisgestaltung über die Präsentation im Laden bis hin zur Platzierung im Internet, denn auch online ist ein Kauf der Einzigware möglich – und das deutschlandweit. Neben dem eigentlichen Portal gibt es auch eine Präsenz auf Ebay-Kleinanzeigen.

Handgefertigte Unikate

Von den acht freien Plätzen bei „Kunst und Upcycling“ sind derzeit vier besetzt. Tina Lockau ist eine der Warenmeisterinnen. Nachdem sie in einer früheren Maßnahme ein Einhorn gehäkelt hatte, fielen ihre Fähigkeiten einer Betreuerin auf, die sie schließlich beim Jobcenter für entsprechende Arbeiten vorschlug. So kam sie nun zurück zum FairKaufHaus Geldern, wo sie zuvor bereits einmal in der Spendenannahme gearbeitet hatte. Neben Flaschengeschenktaschen aus alten Hemden hat sie zuletzt eine Auftragsarbeit für die Gemeinde Weeze beendet: 50 Babymützen für die sogenannten Geburtstaschen. „Es geht darum, die Stärken eines jeden mitzunehmen und einen Schritt nach vorne zu gehen“, sagt Koester. Oder eben Stärken zu erwecken und auszubauen.

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Dasselbe gilt für Harry Gürber. Als gelernter Schlosser stießen seine Talente im Umgang mit Metallen sofort auf viel Gegenliebe. Seine ehemalige Fallmanagerin hatte von der neuen Maßnahme in Geldern gehört und verwies ihn auf die dazugehörige Infoveranstaltung. Der Rest ist Geschichte. Als früherer Kunde hier fühlte er sich gleich nach seiner Ankunft wohl.
Auf ihn geht zum Beispiel eine zum Gartentisch umfunktionierte Trommel zurück. Derzeit arbeitet er an einer limitierten Serie: in jeweils einen Holzblock eingearbeitete Hülsen aus der Automobilbranche, die etwa als Kerzenständer oder Stifthalter dienen können. 50 bis 100 Stück sollen am Ende entstehen, ein Prägestempel vervollständigt die Serie am Ende. Die Arbeit im FairKaufHaus macht Gürber „richtig viel Spaß. Es hat mir gleich gefallen“, erzählt er. Er und Lockau loben vor allem die tolle Atmosphäre im Team.

Auch Pascal Teipel gehört dazu und hat seinerseits unter anderem Kerzenständer hergestellt und Leitern für Dekorationszwecke umgearbeitet. Der vierte im Bunde ist Florian Schleg. Er kümmert sich vor allem um den Internetauftritt mit allem, was dazu gehört.
Wer an der Maßnahme teilnehmen möchte, kann sich bei der Caritas oder dem Jobcenter erkundigen. Wer jedoch meint, ihm fehlt das handwerkliche oder künstlerische Geschick, braucht sich keine Sorgen zu machen: „Zwei linke Hände gibt es nicht“, sagt Gürber. Teipel, der nach eigener Aussage ebenfalls kein großes Handwerksgeschick besitze, ergänzt: „Man findet sich neu.“ Dafür biete das Projekt einen geschützten Rahmen, betonen Katja Koester und Anleiterin Heike Reinschlüssel.

Ware auch online bestellbar

Zwar ist der Platz vor Ort begrenzt und das Team muss auch Ideen für angebotene Materialien finden können, dennoch freut man sich über Angebote für Materialspenden. Derzeit werden Bleche jeglicher Art gesucht, vor allem dünne. Wer etwas geben möchte, kann sich unter Telefon 02831/974302 im FairKaufHaus melden.

Wer sich über das Sortiment an „Einzigware“ informieren möchte, findet ein breites Angebot unter einzigware.de.

Mehr vom FairKaufHaus gibt es übrigens im November: Dann feiert es einen Jubiläumsmonat zum 22. Geburtstag. Dazu gehören verschiedene Aktionen und Veranstaltungen, unter anderem ein Charity-Event zum Start am Samstag, 5. November, ein Weihnachtsmarkt ab Samstag, 19. November, und ein Tag für Kinder und Jugendliche am Samstag, 26. November.