GELDERN. Die Stadt Geldern ist schon länger dabei, die Gelderner Schulen auf einen modernen Stand zu bringen. Nun ist offiziell das bis dato größte Schulprojekt angelaufen: Der mit einem Budget von rund 30 Millionen Euro ausgestattete Teilneubau und die Sanierung des Friedrich-Spee-Gymnasiums.

„Für uns ist es ein sehr wichtiges Projekt“ sagt Tim van Hees-Clanzett vertretend für Bürgermeister Sven Kaiser. Ziel sei es, eine zeitgemäße Schullandschaft zu gewährleisten. Bei der symbolischen Unterzeichnung der Verträge im Bürgerforum stellten die Verantwortlichen gleich die zugrunde liegende Planung vor.

Nachdem der Beschluss im Dezember 2021 das Projekt in Stein meißelte, startete im Januar diesen Jahres die Vorbereitung und Umsetzung der – bedingt durch die Projektgröße – europaweiten Ausschreibung. Beim komplexen Verfahren half das Büro Legerlotz Laschet Rechtsanwälte. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir circa ein Jahr benötigen, um die Objekt- und Fachplaner zu gewinnen“, sagt Thomas Mutz, Projektleiter und Geschäftsführer der Gelderner Baugesellschaft. Durch das offene Verfahren habe die Zeit dafür um drei Monate verkürzt werden können, ohne Qualität einbüßen zu müssen.

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Dementsprechend beginnt die Planungsphase statt im Januar 2023 jetzt im September 2022. Bis Juni 2024 soll diese Phase abgeschlossen sein, damit das FSG übergangsweise umziehen kann und zeitgleich die Maßnahmen bis Ende 2026 umgesetzt werden.

Die Stadt Geldern hat bereits in einem ersten Auftakt die Fachbereiche und Ämter der Stadt involviert. Die Objektplanung übernimmt Hausmann Architekten, für die Projektsteuerung ist Baumcon, vertreten durch Claudia Schneider, zuständig. Um die Freianlagen kümmert sich das Büro „Kraft.Raum“, um die Tragwerksplanung die Arbeitsgemeinschaft aus Tebartz Ingenieurbüro und Kempen Krause Ingenieure. Für die technische Gebäudeausrüstung zeichnen sich die EPPS und die Fuchs Planungsgesellschaft verantwortlich.

In einer nicht-europaweiten Ausschreibung für die Sonderfachleute konnten Brandschutz Dr. Heins – Ingenieure, für das Bodengutachten Dr. Koppelberg und Gerdes sowie Dr. Strotmann Umweltberatung gewonnen werden.

In Absprache miteinander

FSG
Das Friedrich-Spee-Gymnasium von oben. Foto: privat

„Unsere Schulgemeinschaft freut sich, dass es endlich losgehen kann“, sagt FSG-Konrektorin Dr. Anna Kryscio. Für eine zukunftsorientierte Schule zum Wohlfühlen wolle man zudem bei der Mitgestaltung helfen. „Schulen haben sich in ihrer Arbeitsweise und darin geändert, wie Raum genutzt wird“, sagt der Architekt Prof. Frank Hausmann. Es sei entscheidend, sich abzustimmen, was die wichtigen Punkte seien.

Auch Mutz betont, dass die Abstimmung mit dem Nutzer das Credo für alle Projekte sei. „Das Gebäude muss am Ende die Pädagogik bestmöglich unterstützen.“ Das Thema „mehr als nur reines Lernen“ sei laut Hausmann ein sehr wichtiges geworden. „Es sind Orte der Kommunikation und des Miteinanders.“ Eine gute Grundlage für die kommenden Planungen sei schon durch die Besprechungen zur Gelderner Schullandschaft in 2018 gegeben. Dabei handelte es sich um eine Konzept- und Machbarkeitsstudie, die damals im Werkstattverfahren mit allen Beteiligten erstellt wurde.

Was die Modernisierung angeht, gehe laut Hausmann etwa die Pädagogik in die Richtung, mehr Raum für den Lernraum zu schaffen. „Die Klasse allein reicht nicht aus. Man muss sehen, welche Flächen man noch aktivieren kann.“ Dazu gehöre auch, die Akustik und damit die Kommunikation in den Erschließungsflächen zu entwickeln. Generell sei die Nachhaltigkeit in der Konstruktion, Struktur, Typologie und in den Inhalten bedeutend. Jan Butzheinen-Denkewitz geht in eine ähnliche Richtung. Die Baugesellschaft wolle auf den Innovationsfaktor und auf Energiesparmaßnahmen achten. Nach den notwendigen Absprachen wolle man zu gegebener Zeit den Entwurf der Öffentlichkeit präsentieren.

„Das ganze Projekt ist eine große Herausforderung“, sagt Butzheinen-Denkewitz. Nicht nur gebe es denkmalgeschützte Bereiche, der Schulneubau sei auch innerstädtisch und Teil einer größeren städtebaulichen Anordnung. „Wie das Gebäude ausgerichtet sein wird, wird einer der ersten wichtigen Punkte sein.“ Wichtig ist in diesem Sinne auch, wie es mit den anderen nahen, öffentlichen Gebäuden in Verbindung stehen soll.

„Brandaktuell“ sei zudem die große Herausforderung der Versorgung mit Energie. Schließlich müsse man eine vorausschauende Entscheidung treffen, obwohl unklar sei, wohin die Reise der Energieversorgung letztlich gehe.

Ein Problem könnte auch die anhaltend instabile Materialsituation sein. Sollte das gesetzte Budget nicht einzuhalten sein, möchten die Verantwortlichen dies transparent kommunizieren, um mit der Politik eine Lösung zu finden.