XANTEN. Die Lederhosen und Dirndl bleiben in diesem Herbst in Xanten in den Kleiderschränken. Die Geschäftsführung und Leitung des Freizeitzentrums Xanten (FZX) musste mitten in den Planungen zum 22. Xantener Oktoberfest doch noch die Reißleine ziehen und die Veranstaltung erneut um ein Jahr verschieben. Bei einer Gesellschafterversammlung am vergangenen Dienstagabend fiel diese endgültige Entscheidung, die zwar bedauerlich, aber unausweichlich gewesen sei. „Selbst Wilfried Meyer (bisheriger Projektleiter und Leiter des Freizeitzentrums, Anm. d. Red.), dessen Baby das Oktoberfest ist, hat zu einer Absage geraten“, verrät Xantens Bürgermeister Thomas Görtz.

Nach dem Erfolg der „1. Xantener Frühlings-Wiesn“ im Frühjahr dieses Jahres sei auch das 22. Xantener Oktoberfest zunächst optimistisch und auf Grundlage des bis 2019 umgesetzten Konzeptes geplant worden. „Bis Dienstagabend mussten wir jedoch eine Entscheidung treffen, da wir sonst Verbindlichkeiten im sechsstelligen Bereich eingegangen wären. Jetzt konnten wir noch aus den Verträgen raus. Zudem brauchen alle beteiligten Partner wie Zeltbauer, Ausrüster, Künstler und Dienstleister Planungssicherheit“, erklärt Ludwig Ingenlath, Leiter des Freizeitzentrums Xanten.

Die Gründe hätten auch, aber nicht nur mit der Coronavirus-Pandemie zu tun. An oberster Stelle fürchten die Organisatoren allerdings die bereits angekündigte, aber inhaltlich noch ungewisse Anpassung der Coronaschutzverordnung zum 1. Oktober, die unter anderem Zugangsbeschränkungen mit Test-, Genesenen- oder Impfnachweisen für Veranstaltungen erfordern könnte. „Test- und Kontrollangebote wären grundsätzlich noch planbar gewesen, eine Maskenpflicht im Festzelt würde dem Veranstaltungskonzept des Oktoberfestes allerdings nicht entsprechen“, sagt Ingenlath.

-Anzeige-

Auch eine Besucherzahl-Begrenzung oder ein generelles Verbot für Großveranstaltungen hätte das sofortige Aus bedeutet. Beim Xantener Oktoberfest plante das Team pro Abend mit bis zu 4000 Besuchern. An den insgesamt acht Veranstaltungsabenden braucht das FZX auch zumindest annähernd so viele Besucher pro Abend im Festzelt, um das Konzept finanziell stemmen zu können. „Wir leben als Veranstalter vor allem auch vom Konsum im Zelt. Wenn von den verkauften Ticketinhabern aber eine Vielzahl aufgrund einer Quarantäneanordnung nicht kommen kann, ist das für uns bereits ein Verlustgeschäft“, sagt Ingenlath. Auch diese kaufmännischen Überlegungen hätten letztlich zur diesjährigen Absage geführt.

Personalmangel

Die aktuelle Entwicklung auf dem Personalmarkt bereiteten den Organisatoren ebenfalls große Sorgen. Das FZX kämpft bereits seit Saisonbeginn mit einem Fachkräftemangel, der bis heute nicht ausgeglichen werden konnte. „Die verbliebenen, personellen Kapazitäten wurden aufgrund der hohen Nachfrage bei Freizeit-, Bade- und Wassersportangeboten weitgehend aufgezehrt. Auch bei den Dienstleistern für die Veranstaltung zeichnet sich eine große Personalknappheit ab“, sagt Ingenlath. Einen Spielraum für „Backup-Lösungen“ habe es demnach gar nicht mehr gegeben. „Wir müssen in unsere Planungen allerdings auch mögliche Quarantänefälle unter Mitarbeitenden miteinkalkulieren. Zehn bis 20 Prozent pro Abend sind da sicherlich nicht zu hoch gegriffen“, sagt Ingenlath. Diese Mitarbeitenden hätte man aber nicht ersetzen kann, wodurch es zwangsläufig zu längeren Wartezeiten im Bereich der Gastronomie gekommen wäre. An dieser Stelle wollte man auch den guten Ruf des Oktoberfestes in den Vorjahren nicht beschädigen. Entweder ganz oder gar nicht habe die Devise gelautet.

Als dritten und letzten Punkt führten die Geschäftsführer und der FZX-Leiter die Energie- und Kostenentwicklung an. Die Kosten seien zum Teil nicht mehr kalkulierbar gewesen. Angesichts der drohenden Gas-Knappheit im Winter, wäre es zudem ein schlechtes Zeichen gewesen, die Veranstaltung im Oktober durchzuführen. „Als ein Unternehmen in kommunaler Trägerschaft muss sich das Freizeitzentrum Xanten seiner Vorbildfunktion und den allseitigen Forderungen nach Energieeinsparungen etwa für Beleuchtung oder Beheizung stellen, die an öffentliche und private Bereiche appelliert werden“, argumentiert Thomas Görtz.

Die Organisatoren zeigten sich allerdings optimistisch, dass das 22. Xantener Oktoberfest nun im nächsten Jahr stattfinden kann. „Wir werden dann zuvor etwas pessimistischer planen und uns auf die Lage einstellen“, kündigt Ingenlath an. Axel Hoppe vom RVR glaubt allerdings, dass sich die Lage 2023 zumindest wieder etwas entspannen wird. „Die Corona-Situation wird irgendwann zu Ende sein. Die steigenden Energiepreise sind momentan sehr akut. Zurzeit geht es darum, wie wir durch den Winter kommen. Man wird sich überlegen müssen, wie wir die Unabhängigkeit vom Aggressor (Russlands Präsident Wladimir Putin; Anm. d. Red.) schaffen. Dann wird es auch wieder besser werden“, sagt Hoppe.

Die Termine 2023

Der Vorverkauf für die Veranstaltungen vom 30. September bis zum 23. Oktober hatte bereits gestartet verlief gut, wie Ingenlath berichtete. Karteninhaber können nun ihre Eintrittskarten kostenlos zurückgeben oder gegen einen neuen Termin im nächsten Jahr umtauschen. Das Xantener Oktoberfest 2023 soll vom 29. September bis zum 21. Oktober stattfinden. Erneut sind insgesamt acht Veranstaltungen an jeweils vier Freitagen und Samstagen geplant. Alle Ticketkäufer werden über die Verschiebung und die bestehenden Möglichkeiten in den nächsten Tagen direkt informiert. Diese Informationen werden auch online unter www.oktoberfest-xanten.de zur Verfügung gestellt.