Bruno Jöbkes, Vera van de Loo, Patricia Gerlings-Hellmann (per Video dazu geschaltet), Jessica Kruchem und Thorsten Rupp (v.l.) stellten ihren gemeinsamen Landratskandidaten Stefan Welberts (3.v.l) vor. NN-Foto: SP

KREIS KLEVE. Nach etwa sechs Wochen haben die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die Vereinigten Wählergemeinschaft Kreis Kleve ihren gemeinsamen Kandidaten für das Amt des neuen Landrates im Kreis Kleve gefunden: Stefan Welberts, seit 2003 Mitglied der SPD, setzte sich gegen mehrere Bewerber durch und geht damit für alle drei Parteien am 27. November ins Rennen. Der Bezirksschornsteinfeger möchte sich vor allem im Bereich Klimaschutz und Fachkräftesicherung einbringen.
Welberts ist politisch kein Unbekannter: Von 2006 bis 2020 war er Mitglied des Rates der Stadt Kleve. Bei der vergangenen Kommunalwahl wechselte er in den Kreistag und ist seitdem stellvertretender Vorsitzender des Aufsitzrates der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve. Zudem wurde er vom Kreistag zum ersten stellvertretenden Landrat gewählt. Als solcher nahm er in den vergangenen Jahren einige repräsentative Termine für Landrätin Silke Gorißen war. „Dieses Amt übe ich nicht erst seit der überraschenden Vakanz des Landratsamtes mit Ernsthaftigkeit und Präsenz aus“, sagt Welberts. Die Juristin Gorißen ist seit Juli Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, weshalb die Neuwahl eines Landrates notwendig wurde.
„Stefan Welberts hat ein gutes Profil und bringt Komponenten mit, die in der Kommunalpolitik einmalig sind“, sagt Bruno Jöbkes von den Grünen. Der 40-Jährige selbstständige Schornsteinfegermeister habe nicht nur hinreichende betriebliche Erfahrungen als Existenzgründer, sondern auch eine Verwaltungs-Vergangenheit. Vor seiner Ausbildung zum Schornsteinfeger absolvierte Welberts bei der Kreisverwaltung Kleve eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation. Nach seiner zweiten Ausbildung schloss er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach mit den Schwerpunkten kommunale Wirtschaftsförderung und Personalmanagement ab. Seine Diplomarbeit behandelte das Thema „Technologie- und Wissenstransfer zwischen Hochschule und Standortregion am Beispiel der Hochschule Rhein-Waal“.
Seit 2017 ist Welberts geschäftsführender Gesellschafter eines Schornsteinfeger-Betriebes, den er im Falle einer Wahl zum Landrat des Kreises Kleve „schweren Herzens“ aufgeben müsse. Für das Amt des Landrates würde der verheirate Vater eines Sohnes und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr dieses Opfer jedoch bringen. Seit fast 20 Jahren betreibe er schließlich Kommunalpolitik mit Leidenschaft. „Ich möchte den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis Kleve eine Alternative anbieten. Sie sollen einen Kandidaten wählen können, der Berufs- und Lebenserfahrung in der Wirtschaft, in der Verwaltung und bei den Menschen vor Ort mitbringt. Ich bin ein Mensch, der bei den Menschen an der Basis ist“, sagt Welberts. Die besonderen Herausforderungen in den nächsten Jahren sehe er im Klimaschutz, dem Katastrophen- und Zivilschutz, der Transformation der Wirtschaft im Kreis Kleve sowie dem Erhalt eines sozialen Gleichgewichts. Ein ausführlicheres Kandidatur-Programm in diesen Bereichen wolle er in den nächsten Wochen noch ausarbeiten.

Verlässlich, engagiert und teamfähig

Bruno Jöbkes lobte indes besonders Welberts Ansicht im Bereich Klimaschutz, welche seine Partei teilen würde. „Stefan ist ein Mensch, der unheimlich verlässlich, engagiert und teamfähig ist. Er versucht immer Menschen zusammenzuführen und bringt damit alles mit, was wir brauchen“, sagt Thorsten Rupp von der SPD. Anders sieht das wohl bei der FDP aus. Die Liberalen befinden sich zwar mit der SPD, den Grünen und der Vereinigten Wählergemeinschaft im Kreistag in einer Listenverbindung, unterstützen den Kandidaten jedoch nicht. Zu den Gründen wollten sich die SPD, Grüne und die Vereinigte Wählergemeinschaft nicht äußern. Sie wollen Stefan Welberts auf ihren Aufstellungsversammlungen am 13. August (Grüne und Vereinigte Wählergemeinschaft) sowie am 27. August (SPD) jedoch offiziell aufstellen. Anders als Peter Driessen bei der Landratswahl 2020 wird Welberts damit nicht nur von den Parteien unterstützt, sondern offiziell aufgestellt. Die Parteien sind damit auch auf den Wahlzetteln und auf den Plakaten zu sehen. Auf die Listenverbindung habe der Alleingang der FDP jedoch keine Auswirkung.

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Weitere Kandidaten

Neben Stefan Welberts stellen sich am 27. November ebenfalls Christoph Gerwers (CDU, amtierender Bürgermeister der Stadt Rees) sowie der unabhängige Kandidat Guido Winkmann zur Wahl. Die FDP möchte noch einen eigenen Kandidaten aufstellen. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, würde diese zwei Wochen später stattfinden.
Sabrina Peters