Popcorn ist unser Gold

KLEVE. Das Hauptwort ist schnell gefunden. Es heißt: Zuversicht. Es geht um das Kino. Es geht um die Zukunft. Zuversicht. Auf dem Beipackzettel zur Zuversicht – ein anderer Begriff: Realismus.

Eine Zäsur wie nie zuvor

Reinhard Berens ist Chef der Tichelpark Kinos. Eigentlich weiß das längst jeder. Eigentlich. Aber: Es gibt ja auch die, die selten ins Kino gehen. Wie geht es dem Kino, Herr Berens? „Natürlich haben wir mit Corona eine Zäsur gehabt, wie es sie in der Geschichte der Kinos nie gegeben hat. Es wird nichts wieder werden wie es war.“ Womit der Realismus abgearbeitet wäre.
Jetzt zur Zuversicht. Jetzt zur Zukunft des Kinos, die ja die Zukunft der Kinos ist. Und noch eines: Zukunft ist nicht morgen: Sie findet jetzt statt. Die Übergänge sind fließend.
Vielleicht doch noch eine kleine Dosis Realismus. Was wird kommen, wenn das Gas knapp wird? Wie werden sich die Kinopreise entwickeln? „Schwer einzuschätzen“, sagt Reinhard Berens. Was hält eigentlich die Menschen davon ab, Kino so zu erleben wie es vor Corona war? „Ich denke, dass es für viele noch immer etwas mit Angst zu tun hat“, sagt Berens.
Zurück zur Zuversicht: „Ich glaube an die Zukunft des Kinos.“ Die Zukunft hat etwas mit Ideen zu tun.

Kino vs Streaming

Natürlich muss sich das Kino gegenüber den Streaming-Diensten behaupten. Auch eine dieser Zäsuren. „Früher hat Disney Filme ins Kino gebracht. Jetzt haben die ihre eigene Plattform und manchmal beträgt das Auswertungsfenster für uns gerade einmal sechs Wochen.“ Positiv klingt anders, oder? „Ich denke, wir müssen diese Situation als Chance verstehen.“ Klartext: Berührungsängste abbauen, Schranken einreißen. Wenn Filme von Streaming-Diensten für Oscars nominiert werden, dann sollten diese Filme auch im Kino zu sehen sein.“
Kinos sind – auch das muss man wissen – längst viel mehr als Orte, an denen man sich Filme anschaut. „Wir sind ein Ort der Begegnung“, sagt Berens. Wie wichtig sind Blockbuster? „Das ist für uns die Butter auf dem Brot“, sagt Berens. Und wo wir gerade beim Essen sind, erwähnt er auch das Salz in der Suppe: „Das ist der Verkauf von Popcorn und Co. Das ist tatsächlich unser Salz in der Suppe. Ohne das wäre Kinobetrieb nicht möglich.“ Im Klever Kino betreiben sie eine eigene Popcorn Küche. Das Motto: immer frisch. Berens: „Wir kaufen kein fertiges Popcorn. Wir machen es frisch. Und unser Popcorn ist nicht ohne Grund ein Renner. Das Popcorn ist unser Gold.“

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Kino-Sommer

Gibt es eigentlich ein Sommer-Kino? Die Fernsehanstalten strafen ja die Daheimgebliebenen mit endlosen Wiederholungen. Berens: „Sommerzeit im Kino ist vor allem Familienzeit. Früher gab es auch im Kino eine Art Sommerloch, aber die Verleiher haben längst begriffen, wir im Sommer eine Chance haben.“ Aber ein echter Blockbuster würde nicht im Juli starten, oder? „Da stimmt einerseits – aber andererseits ist es ja eine Frage der Definition, oder?“

Zurück ins Kino

Wir halten fest: Das Kino schläft nie. Und Blockbuster wie Maverick – Top Gun schaffen es, dass Menschen zurück ins Kino finden, die vielleicht länger nicht mehr da waren. Auch das ist eine Chance. Es ist unsere Chance, diesen Menschen zu zeigen, dass Kino sich als Erlebnisort entwickelt hat. Das ist enorm wichtig.“
Und dann wäre da noch der Film am Mittwoch. Berens: „Da haben wir einiges geändert. Es wird jetzt nicht mehr Monate im voraus ein Programm festgelegt. Wir können jetzt auch spontan – quasi auf Zuruf – Filme zeigen. Das eröffnet neue Möglichkeiten und es hat sich herausgestellt: Das kommt gut an.“
Wird es wieder ein Kino geben wie vor Corona? Berens: „Ja und nein. Das Ja bedeutet: Das Publikum wird zurückkommen. Das Nein bedeutet eigentlich auch etwas Positives: Wenn wir uns als Kino nicht verändern, werden wir es nicht schaffen. Herausforderungen sind immer auch Chancen. Ich glaube weiterhin an das Erlebnis Kino.“
Na denn – man sieht sich. Wo? Natürlich vor der großen Leinwand.