GOCH. Darin waren sich alle Beteiligten im Vorfeld einig: Die Stringtime NiederRhein, die renommierte Gocher Streicherakademie, sollte nicht auch noch ein drittes Jahr in Folge wegen Corona ersatzlos ausfallen müssen. Gemeinsam mit der neuen künstlerischen Leiterin Ariane Mathäus – sie ist schon seit circa 20 Jahren als Dozentin mit dabei – und der Kultourbühne Goch, die die Stringtime federführend organisiert, wurde eine praktikable Lösung gefunden: Nun steht die Streicherakademie unter dem Motto „Stringtime Intermezzo“.

An zwei Wochenenden werden jeweils 20 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Vom 23. bis zum 26. Juni sind dies junge Musiker aus den Niederlanden und Deutschland; vom 29. September bis 2. Oktober aus Polen und Deutschland. „Ich freue mich sehr, dass die Stringtime überhaupt möglich ist“, bekräftigt Ariane Mathäus, beim Pressegespräch online aus dem Italien-Urlaub zugeschaltet, „mit dem Intermezzo ist eine gute Lösung gefunden worden.“ Denn man müsse auch schauen, dass die (musikalische) Pause nicht zu lang werde. Dr. Stephan Mann, Fachbereichsleiter Kultur und Integration, unterstreicht zusätzlich den wichtigen Aspekt der Verständigung: „Die Geschichte der letzten Monate lehrt uns, dass man jegliche Form des Austauschs immer weiter fördern muss.“ Man dürfe nichts als gegeben hinnehmen. Dieser Austausch war, neben der musikalischen Ausbildung, immer ein großes Anliegen der Stringtime. In den vergangenen Jahren – vor der Pandemie – waren die Kinder und Jugendlichen bei Gocher Gastfamilien untergebracht, erlebten deren Alltag mit. Dieses Konzept funktioniert nun nicht mehr in gewohnter Form, wie Inga van Beek von der Kultourbühne Goch erläutert: „Das ist natürlich auch der Pandemie geschuldet.“ So sind im Juni Kinder, deren Anreise zu lang ist, auf eigene Kosten mit einem Elternteil in Ferienwohnungen in der Umgebung untergebracht. „Im Herbst brauchen wir allerdings für zehn polnische Kinder wieder Gastfamilien“, so Inga van Beek. Im kommenden Jahr, wenn wieder eine Stringtime in gewohnter Form in den Osterferien möglich ist, fungiert die Gaesdonck als Gastgeber. „Wir werden mit allen Teilnehmern dort untergebracht sein,“ erklärt Dr. Mann, „so entsteht quasi ein Stringtime-Campus, der das Gemeinschaftsgefühl stärkt.“ Die Gocher Innenstadt und das Kastell bleiben jedoch die zentrale Bühne für das musikalische Geschehen. So ist es auch am verlängerten Juni-Wochenende. Die Teilnehmer treffen am Donnerstag ein und setzen ihre Probenarbeit fort – Ariane Mathäus und das Dozenten-Team haben die Kinder zum Teil schon in digitalen Formaten vorbereitet.

Konzerte

Das erste Konzert „Cello Speciale“ wird dann am Freitagabend, 24. Juni, ab 17.30 Uhr, im Kastell, zu hören sein. Der Cellist Wassily Gerassimez, selber einmal Stringtime-Teilnehmer und nun neu als Dozent dabei, zeigt die große Bandbreite des Instruments, die über Klassik und Jazz bis zur Improvisation reicht. „Das spricht ein breites Publikum an“, ist sich Ariane Mathäus sicher, „es wird etwas Frisches und Neues für die Stringtime sein.“ Am Samstag, 25. Juni, ab 17 Uhr, gibt es ein öffentliches Vorspielen auf der Kastell-Bühne. Dem schließt sich eine Podiums-Diskussion zum Thema „Musik und Unterricht digital“ an. Das Abschlusskonzert der Teilnehmer am Sonntag, 26. Juni, ab 11 Uhr, im Kastell, setzt den Schlusspunkt unter den ersten Teil des Intermezzos. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei, Spenden werden gerne entgegengenommen. In diesem Zusammenhang bedankt sich Dr. Mann bei allen Sponsoren und Unterstützern, die die Stringtime immer wieder möglich machen: die Volksbank an der Niers, das Klavierhaus Nienhuys, der Rotary Club Kleve und nun auch die Gaesdonck.
Ariane Mathäus, die die Nachfolge von Professor Gotthard Popp angetreten hat, will in den nächsten Jahren noch weitere neue Impulse setzen: „So ein Kurs ist etwas Lebendiges und ich möchte, dass wir in Goch weiterhin präsent bleiben.“

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Großes Foto: Die jungen Musiker zeigen auf der Kastell-Bühne, was sie gelernt haben. NN-Fotos: Archiv/Rüdiger Dehnen