Ein aktuell kursierendes Video zeigt keinen Randalierer in Regensburg – es stammt aus Russland

In Sozialen Netzwerken verbreiten sich Aufnahmen, die angeblich einen antirussischen Vorfall in Regensburg zeigen. Doch die Aufnahmen sind weder aktuell, noch stammen sie aus Deutschland.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nehmen laut Medienberichten Anfeindungen gegen Russen und russischstämmige Menschen in Deutschland zu. In diesem Kontext kursierte Mitte März in Sozialen Netzwerken ein Video , in dem angeblich ein Mann in einem Supermarkt mit russischen Waren in Regensburg randaliert. Das Video stammt jedoch gar nicht aus Deutschland, sondern aus Russland.

Was das Video zeigt

-Anzeige-

Der Clip dauert 23 Sekunden und ist verschwommen, dadurch sind Details im Video schwer zu erkennen. Zunächst filmt die Kamera eine Regalreihe in einem Supermarkt, auf dem Boden liegen Produkte und zerbrochenes Glas. Dann schwenkt die Kamera in einen anderen Gang — dort steht ein Mann, der Dosen aus einem Regal auf den Boden wirft. Ein anderer Mann kommt dazu und prügelt dann auf ihn ein. Am Ende des Videos scheint der randalierende Mann benommen auf den Boden zu fallen.

Dem Video wurde Text hinzugefügt

„Mix Markt Regensburg” steht darauf. Mix Markt ist eine Supermarktkette, die unter anderem Lebensmittel aus Russland verkauft. In Regensburg gibt es laut Google Maps davon zwei Filialen — doch mit dem verschwommenen Video, das im Netz kursiert, lässt sich das kaum vergleichen.

Der Supermarkt im Video ist in Russland — und es entstand 2019

Da diese Spur nicht weiterführt, haben wir ein Foto der ersten Sequenz des Videos gemacht und per Bilderrückvvärtssuche in der russischen Suchmaschine Yandex gesucht. Die Suche lieferte Ergebnisse aus dem Jahr 2019, unter anderem von einer russischen Nachrichtenseite.

Laut dem Beitrag ereignete sich der Vorfall, der im Video zu sehen ist, am 25. März 2019 in einer Filiale der Einzelhandelskette „Magnit” in der russischen Stadt Uljanowsk. Das bestätigen weitere russische Berichte. Auch auf Youtube wurde das Video schon 2019 hochgeladen.

Einige der kursierenden Beiträge suggerieren, der angebliche Fall sei ein Beispiel für Russenfeindlichkeit in Deutschland. Ein Twitter Nutzer verwendet den Hashtag „Russophobia” im Zusammenhang mit der Aufnahme. Die Aufnahme zeigt aber gar keinen aktuellen Vorfall in Regensburg.

FAKTEN FÜR DIE DEMOKRATIE
Durch eine Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), dem rund 200 Verlage mit einer wöchentlichen Auflage von ca. 49 Mio. Zeitungen angehören, erscheint in den Anzeigenblättern regelmäßig ein Faktencheck des unabhängigen und gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV. Die vielfach ausgezeichnete Redaktion deckt systematische Missstände auf und überprüft irreführende Behauptungen. Wie Falschmeldungen unsere Wahrnehmung beeinflussen und wie Sie sich vor gezielten Falschnachrichten schützen können, erfahren Sie unter correctiv.org/faktencheck