Das wunderbare Zwischendurch

Ab heute, 26. März, zeigt das Klever Museum Kurhaus den 14. “Salon der Künstler”. Ausstellungseröffnungen sind nicht jedermans Sache, aber niemand, der seine sieben Sinne noch beieinander hat, sollte die Ausstellung verpassen, die bis zum 19. Juni zu sehen sein wird.
Sammelausstellungen sind immer Fluch und Segen: Der Fluch liegt in der Besprechung. Man kann nicht allen gerecht werden. Der Segen: Es ist immer für jeden etwas Sehenswertes dabei. Das klingt so, als sei, was man zu sehen bekommt, so lala … Es ist ganz anders: Durch das Kurhaus weht der Weltenatem. Irgendwie scheint alles mit Energie aufgeladen. Es ist die Energie derer, für die eine Ausstellung im Museum etwas Besonderes ist.

Firuz

160 Bewerbungen hatte es im Vorfeld gegeben – 22 Künstler haben es in die Ausstellung geschafft. Was auf drei Etagen angeboten wird, ist an vielen Stellen grandios. Es gibt Räume zu Spontanverlieben – Räume, in denen einfach alles passt – Räume, die mit Energie aufgeladen sind: Aruzo Firuz ist die Herrscherin in der großen Wandelhalle. Was soll man sagen? Mehr geht nicht. Einen solchen Raum zu bespielen, ist keine Kleinigkeit. Es erfordert Mut und braucht eine Aussage. Einen großen Raum mit Großformaten zu besetzen … kann – muss aber nicht. Firuz setzt auf das Große und das Kleine und beherrscht das Areal, das sie besetzt. Die Wandehalle: ein Ausrufzeichen aus Farben, Formen, Kleinem, Großem und einem hinreißenden Rhythmus.

Ein Raum wie eine Kirche

Und dann wäre da der Raum 1. Gleich von der Kasse aus: rechtsrechts. Drei Arbeiten. Drei Künstler. Ein Wahnsinn. Damaris Kerkhoff, Eugen Schilke und Annette Wesseling – drei, die im Leben nicht zusammen gehören und nun zu einer Einheit verschweißt sind: ein Raum wie eine Kirche. Ein Raum als Paradies des Sehens. Ein Raum, der nicht nur von der Kunst erzählt, sondern irgendwie auch von der Kraft des Kuratierens.

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Wunderwerk des Übergreifens

Es braucht Geschick und ein Gespür für den Rhythmus des Zeigens, um die Werke von 22 Künstler so in einem Haus zu verteilen, dass am Ende ein Ganzes entsteht – dass da nicht Kunstwerke aleatorisch nebeneinanderherhängen. So gesehen ist der 14. Salon der Künstler ein Wunderwerk des Übergreifens. Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Stoffbilder – alles ist zu einem Cocktail vermischt, der irgendwie süchtig macht. Man sollte, denkt man, am Ende alles ins nächste Museum tragen und dort zum Sprechen bringen. Schon scheitert der Gedanke – so schön er auch sein mag, denn was man sieht, ist und bleibt eine Maßanfertigung der Marke Kurhaus.

Lähmungserfahrung

In seinem Kommentar zum 14. Salon der Künstler schreibt Kurhausdirektor Harald Kunde etwas von der „globalen Lähmungserfahrung der Pandemie, die das Leben jedes einzelnen mehr oder weniger grundlegend verändert hat und die Wiederaufnahme alter Normalität als völlig illusorisch erscheinen lässt“. Kunde schreibt auch von einem großen Bedürfnis [der Künstler] teilzuhaben und öffentlich wahrgenommen zu werden“. Museen sind Orte verschärfter Wahrnehmung. Sie sind Zielorte, Sehnsuchtsorte – Orte, die die Kontaktaufnahme quasi über Bande ermöglichen. Was im 14. Salon der Künstler zu sehen ist, erzählt glücklicherweise nicht die Geschichte eines Lähmungserfahrung – die Ausstellung erzählt Geschichten vom Ausdemschattentreten, Geschichten vom Gesehenwerden – Geschichten vom Ein- und Ausatmen und vom Wunderbaren des Großenganzen.

Dialoge

Man muss nicht durch die Räume gehen und Vergleiche ziehen. Man sucht nach Verbündeten – nach Dialogen. Auf den drei Etagen warten reichlich Belohnungen. Museen sind Adressen im Herzen und oft Ablaufstellen für ein wunderbares Zwischendurch. Der „Salon“ ist ein wunderbarer Aufenthaltsort und einige der Namen aus dem Abspann sollte man auf dem Zettel haben. Zumindest wünscht man sich, von ihnen zu hörensehen.

Arbeit von Brigitte Dams. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die Künstler des 14. Salons: Gaby Baltha, Britta Bogers, Monika Buchen, Brigitte Dams, Inessa Emmer, Aruzo Firuz, Janusz Grünspek, Casper ter Heerdt, Brigitta Heidtmann, Stefanie Hohls, Damaris Kerkhoff, Jungwoon Kim, Bart Koning, Malte Lambert, Zhenia Couso Martell, Songnyeo Lyoo, Miyuki Okuyama, Annette Piscator, Eugen Schilke, Rob Voerman, Annette Wesseling.

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