NIEDERRHEIN/WESEL. Das LVR-Niederrheinmuseum Wesel lädt bis Sonntag, 27. März, zu einer Sonderausstellung ein. Mit dem Projekt „Wo ist die Grenze?“ widmen sich die beiden Fotokünstler Chris Keulen aus den Niederlanden und Karsten Enderlein aus Deutschland dem Thema der Grenze zwischen NRW und den Niederlanden. Dabei nehmen sie mit ihren 14 Bildern verschiedenen Aspekte unter die Lupe.

Ziel ist es, sowohl Erfolge als auch noch immer bestehende Schwierigkeiten in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu visualisieren. Dabei haben die zehn Themen der Kunstwerke einen direkten Einfluss auf das tägliche Leben in der Grenzregion: Landschaft, Wasser, Mundarten, Sport und Jugendkultur, der Niedergang der Grenze, Kultur, Religion, Venlo als Grenzstadt, öffentliche Verkehrsmittel und auch Corona als Sichtbarmacher einer Grenze.

Ein Roll-up-Banner mit einer Karte des Grenzgebiets zwischen NRW und den Niederlanden und den Entstehungsorten der Fotos begleitet die Ausstellung. Zudem gibt es ein zweisprachiges Video, in dem beide Fotografen ihre Arbeitsmethoden und die entstandenen Kunstwerke kommentieren.

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„Fotokunst bringt die Menschen nicht nur mit dem, was sie zeigt, zusammen, sondern auch in dem Entstehungsprozess“, sagt Corinna Endlich, Direktorin des Niederrheinmuseums. Anlässlich der Bedeutung des Themas ließ es sich Peter Schuurman, niederländischer Generalkonsul in Düsseldorf, ebenfalls nicht nehmen, die Ausstellung zu besuchen. Zuletzt war er im November zur Ausstellungeröffnung „Ein Strom, der uns verbindet“ zu Gast.

„Ich bin zutiefst vom Wert der Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland überzeugt“, sagt er. Insbesondere im Grenzgebiet. Das gemeinsame Ziel sei eine wirksame Politik und nachhaltige Entwicklung. Er selbst habe noch die typischen Grenzen mit Beamten und Barrieren gekannt. Mittlerweile habe sich aber eine starke Partnerschaft entwickelt, mit der man die nicht immer sichtbare, aber noch immer vorhandene Grenze überwinden wolle. „Das aktuelle Projekt symbolisiert diese Situation im Grenzgebiet.“ Hier sehe man die Spannungen zwischen bisherigen Erfolgen und den – durchaus wichtigen – Eigenheiten der Länder. „Das führt zu spannenden Fragen und Diskussionen.“ So könne man die erfolgreiche Zusammenarbeit weiter stärken.

Mit gutem Beispiel voran

Schon die beiden Fotografen sind ein Beispiel, wie gut die grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktionieren kann. Nicht nur haben sie sich – coronabedingt digital – schnell angefreundet, sondern auch die Themen ohne Diskussionen schnell unter sich aufgeteilt, um anschließend selbst immer wieder die Grenze zu überschreiten. Allein für Keulen kamen so 2.500 Kilometer zusammen.

Neben eigenen Lieblingsthemen haben die beiden ihren eigenen Stil einfließen lassen – und teils eigene Grenzen überschritten. Über seine Konzeption sagt Enderlein: „Alles hat zwei Seiten“, oft sei es eine Frage des Standpunktes. Gezeigt habe sich das auch im Gespräch mit den Menschen. Für das Projekt hat er daher zu einer Technik gegriffen, die eigentlich nicht sein Ding ist: die Montage. Im Hintergrund die schwarz-weiße Kulisse, im Vordergrund die Begegnung der Menschen. Etwa in Xanten am römischen Hafentempel. Wo sich die Gastronomie und Verkäufer über Touristen aus dem Nachbarland freuen, ist das bei den Anwohnern nicht immer der Fall.

Bei der Arbeit sei Enderlein bewusst geworden, wie sehr die Menschen dazu neigen, Mauern in ihren Köpfen aufzubauen. „Wir sind prädestiniert, uns abzugrenzen.“ Umso dankbarer ist er für die Möglichkeit, am Projekt zu arbeiten. „Wir sollten solche Dinge immer neu hinterfragen. Wo ist meine Grenze? Wo lasse ich jene der anderen zu?“ Er ist sich sicher: „Die Werke stoßen die Besucher dazu an, das Thema selbst weiterzudenken.“ Das Projekt soll sie für die besondere Situation im Grenzgebiet sensibilisieren.

Keulen dagegen hat nach eigener Aussage kein konkretes Konzept. Die erste Reaktion ist für ihn das Wichtigste. Und interessant werde es erst, wenn mehrere Bedeutungen hinzukämen. „Es ist nie eindeutig, was du siehst.“ Für die Ausstellung schoss er unter anderem ein Bild von Radfahrern, die in der Pilgerstadt Kevelaer Kerzen anzünden. „Das ist eine katholische Tradition.“ Er gebrauche diese jedoch, um daraus etwas anderes zu machen. Keulen gibt zwar zu, dass er sich beim Foto Gedanken gemacht habe. „Aber die sind nicht wichtig. Die Bilder sind nicht eindeutig.“ In diesem Sinne weiß er auch nicht, ob die Frage, die die Ausstellung stelle, überhaupt beantwortet werden könne.

Jeden ersten Freitag freier Eintritt

Der Eintritt beträgt 4,50 für Erwachsene, ermäßigt 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Generell kostenlos ist der Eintritt an jedem ersten Freitag im Monat. Das Museum öffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Mehr Informationen gibt es online unter www.niederrheinmuseum-wesel.lvr.de.

Das Projekt wurde als Interreg-Projekt aus dem „people to people“-Budget der Euregio Rhein-Waal eingereicht und genehmigt. Zu den Sponsoren zählen: Interreg, der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und internationale Angelegenheiten des Landes NRW, das LVR-Niederrheinmuseum Wesel/Landschaftsverband Rheinland sowie die Provinzen Overijssel, Gelderland und Limburg.