RHEINBERG. Es war ein herber Schlag für die Auskiesungsgegner: In Rheinberg und Neukirchen-Vluyn herrscht Unmut gegenüber dem beschlossenen Entwurf des Regionalplans. Obwohl das Moratorium nun vom Tisch ist, planen die beiden Städte gemeinsam ihr weiteres Vorgehen, damit der Niederrhein auch zukünftigen Generationen ohne immense Schäden erhalten bleibt. Dazu gehört, prominente Gesichter für das Unterfangen zu gewinnen: Isabell Werth, Olympiasiegerin im Dressurreiten, ist bereits dabei.

Die Dimensionen sind einfach zu groß geworden. „2.700 Fußballfelder nur am linken Niederrhein. Zusätzlich zu dem, was wir schon haben. Das kann einfach nicht sein“, sagt Rheinbergs Bürgermeister Dietmar Heyde und ergänzt: „Es braucht aus unserer Sicht einen Wandel im Denken der Landesregierung.“

Prominente Gesichter

Die zunehmende Ausweisung neuer Abbauflächen sei nicht nur ein Problem für die niederrheinische Landschaft, sondern sorge auch dafür, dass die Gesellschaft im ländlichen Raum weiter auseinanderdrifte, zitiert er eine Aussage des Moratoriums. Zudem sei die niederrheinische Kulturlandschaft bereits durch den Salzbergbau und den Kohleabbau gebeutelt. Die Eingriffe in die landwirtschaftlichen Flächen und damit auch in die Nahrungsversorgung seien sehr problematisch.

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Die Idee, prominente Befürworter für den Kampf gegen die ansteigende Auskiesung zu gewinnen, kam von Neukirchen-Vluyns Bürgermeister Ralf Köpke. „Und Frau Werth sagte sofort zu“, erzählt er. „Es ist wichtig, dass der Protest weitergeht.“ Da die Offenlage jetzt beschlossen ist und voraussichtlich im Januar beginnt, ist von da an etwa drei Monate Zeit. „Das Ziel ist, dass möglichst viele Bürger dagegen Einspruch erheben.“ Dabei möchte man die Bürger auch unterstützen. In diesem Rahmen steht man zudem in Kontakt mit verschiedenen Bürgerinitiativen.

Werths Anliegen besteht vor allem darin, die Fakten zu erklären. „Ich bin neben einem Baggerloch geboren“, erzählt sie. Damals sei es so ziemlich das Einzige weit und breit gewesen. Jetzt: Inflation. „Dabei muss man die Frage nach der Notwendigkeit stellen.“ Und eines ist ihrer Ansicht nach klar: notwendig ist es nicht, das Auskiesungsverfahren von 20 auf 25 Jahre zu verlängern und im Zuge dessen die Ausbauflächen zu vergrößern. So gebe es bereits jetzt Recyclingmaterialien, die sich als Ausgleich zum Kies anbieten würden. Darunter Holz oder Bambus.

Es gehe nicht darum, die Auskiesung sofort auf Null zu bringen, sondern die vorhandenen Ressourcen möglichst lange zu nutzen. Und Alternativen für die Zeit nach dem Abbauzeitraum zu finden. „Das ist für mich das Hauptthema. Es geht um unser aller Wohl. Die nächste Katastrophe passiert vielleicht hier. Wir werden uns zunehmend mit Unwettern und den klimatischen Veränderungen auseinandersetzen müssen.“ Man dürfe durch die Fortführung der Auskiesung nicht weiter dazu beitragen, dass solche Veränderungen zu Katastrophen wie in Erftstadt führen. Umso weniger kann sie nachvollziehen, wieso die Argumente so sehr ignoriert und die Kommunen nicht einbezogen werden.

Nicht Aufgeben

Bezogen auf die Landtagswahl sehe man Geschlossenheit bei diesem Thema, betont Heyde. „Aufgeben ist die letzte Option.“ Offen steht nun unter anderem ein Klageverfahren. „Eine erste Einschätzung zeigt Chancen von 50/50.“ Außerdem müssten die neuen Flächen erst noch von der Kiesindustrie erworben werden.

Ein wenig Hoffnung spenden bereits erste Gespräche zwischen Köpke und Grundbesitzern, die erklärten, nicht verkaufen zu wolleKn. Sicherheit bringt das aber keine, schließlich biete die Industrie teils gute Preise und je nach persönlicher Situation könne die Entscheidung auch anders ausfallen, sagt Köpke. Daher kann er durchaus Verständnis aufbringen: „So etwas kann ich moralisch auch nicht verurteilen.“

Wenn die Möglichkeiten geprüft sind, möchten die Kommunen in dieser Hinsicht trotzdem nach einer Prüfung möglicherweise als Konkurrenten zur Industrie auftreten. „Es gibt unter Umständen steuerliche Aspekte, die einen Verkauf an die öffentliche Hand ähnlich attraktiv machen“, sagt Heyde.