Island strahlt eine Magie aus, wie sie nur schwer zu beschreiben ist. Die Bilder der vielseitigen Landschaft regen die Fantasie an, erst recht, wenn neue, ungewohnte Perspektiven hinzukommen. Mal sieht ein Foto aus wie ein mehr oder weniger abstraktes Gemälde, dann wieder wie etwas Fremdartiges und doch Vertrautes, als hätte man es aus einer Fantasy-Geschichte entnommen. Joachim Schulz aus Kerken gehört zu den Menschen, die dem Zauber Islands erlegen sind. Diese Leidenschaft kombiniert er mit jener zur Fotografie, um auch seine Mitmenschen an den Wundern des Inselstaats teilhaben zu lassen.

Seit seinem 18. Lebensjahr fotografiert der Vermögensberater für sein Leben gern. Regelmäßig besucht er die Seminare von Prof. Harald Mante in Dortmund, der ihn und seine Arbeit nachhaltig prägte. Nicht nur Kalender brachte Schulz schon heraus, auch an Ausstellungen war er bereits beteiligt. „Es macht einfach Spaß“, sagt der 66-Jährige, der viel in Serien denkt. Sei es ein feurig-spektakuläres Thema wie „Vulkane“ oder ein – nur augenscheinlich trockenes – wie „Brücken“.

Seine Fotografien halten nicht nur ganz besondere Momente in Schulz‘ Leben fest, sondern beherbergen auch sein Erstaunen über und eine ungebrochene Neugier auf die Wunder dieser Welt, wie nicht wenige Erwachsene sie nach ihrer Kindheit verlieren.

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Im Gegensatz zur Fotografie selbst entfachte seine Liebe zu Island erst sehr viel später. Da er zuvor viel in Kanada unterwegs war, wollte er zur Abwechslung ein Ziel wählen, das näher liegt. Da kam Island mit seinem etwa Drei-Stunden-Flug gerade recht. „Das erste Mal war es eine schöne Reise, aber da war das Thema für mich erst einmal erledigt.“ Auf der zweiten Reise zwei Jahre später, „da hat es mich dann richtig gepackt.“ Und auch bis heute nicht mehr losgelassen

Die Luft wie eine Droge

Seit 2010 hat es ihn mittlerweile neun Mal nach Island verschlagen. Aber was macht die Faszination Island eigentlich aus? „Die Natur, Gletscher, Steinwüste, Vulkane und das Meer: das alles liegt unmittelbar beieinander.“ Selbst die erfrischende Luft sei ein Erlebnis für sich. „Du steigst aus dem Flugzeug und der erste Atemzug ist schon wie eine Droge“, erzählt er.

Das Interessante an Island sei aber vor allem das Licht – welches für ihn als Fotografen noch wichtiger als gutes Wetter sei. „Ich reise mit dem Licht“, führt er sein Vorgehen aus. Die besten Bilder gelingen ihm, wenn er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Um sich diesbezüglich zu informieren und seine Reise – teils spontan – zu planen, bedient er sich Wettervorhersagen. Eine gehörige Portion Glück gehört daher ebenfalls dazu. Das beweist übrigens auch das Bild eines Lavastroms von oben, der die Form eines Drachens bildete. Die vielen Menschen davor liefern den entsprechenden Größenvergleich.

Sicher ans Ziel bringt ihn und seine Frau Elfie, die ebenfalls oft einige Wochen dabei ist, ein offroad-fähiger VW-Bus. Eine gute Ausrüstung ist zwar wichtig, aber auch der Zufall gehört zweifellos dazu, wenn es um eindrucksvolle Erlebnisse geht. Gleich zwei außergewöhnliche Erfahrungen erlebte Schulz zuletzt während seines zweimonatigen Aufenthalts 2021.

Unvergessliche Erinnerungen

Vulkanismus ist ein auf der Insel weit verbreitetes Merk mal. „Kein Land auf der Welt hat so viele Vulkane wie Island“, sagt Schulz. 2015 hatte er bereits auf dem erkalteten Lavafeld des Bardarbunga gestanden und die gewaltige Dimension und Kraft des Vulkans erleben können. Aber einen aktiven Vulkan zu sehen, ihm bis auf 800 Meter nahe zu kommen, dazu kam er erst im letzten Jahr durch den Ausbruch des Fagradalsfjall im Gebiet der Reykjanes Peninsula.

Im März war der Vulkan nach 700 Jahren erwacht und blieb bis September aktiv. „Der längste Ausbruch in Island seit 50 Jahren.“ Einem aktiven Vulkan so nahe zu kommen, „das ist ein ganz seltenes Geschenk.“ Keine Absperrungen untersagten Schulz und seiner Frau den Zugang zum Gebiet. Nur genug Kondition musste man mitbringen. Also machten sich die beiden gleich am ersten Tag ihrer Zeit in Island auf den Weg hinauf zum Vulkan.
„Der Aufstieg zum Viewpoint war sehr ruppig und zum Teil sehr steil. Zwei Stunden brauchten wir, um uns diesem einmaligen Phänomen zu nähern. Wir waren überwältigt von diesem – wie sagte ein junger Kanadier – ‚once in a lifetime event‘. Aber ich habe es sogar noch ein zweites Mal erleben dürfen.“

Island
Joachim Schulz aus Nieukerk besuchte am 15. September 2021 eine Vulkanlandschaft.

An seinem 66. Geburtstag stand der zweite Aufstieg an. Tagelang zog ein Sturm über Island, aber am 15. September hatte der Wetterdienst für den Vormittag Windstille und gutes Licht vorhergesagt. Er startete zusammen mit seinem Freund Norbert um 6 Uhr, gegen 8 Uhr erreichten sie ihr Ziel.

„Der Vulkan zischte und dröhnte, wir waren dem Eingang ins Erdinnere ganz nah. Mit meiner Drohne sind mir einmalige Fotos und Videos gelungen. Es war eine gespenstische Atmosphäre“, sagt Schulz. Einmal flog er sie ganz dicht an den Kegel, beim zweiten Flug wurde es der Drohne allerdings zu heiß. Daher brach sie den Flug ab und kehrte automatisch zu ihm zurück. Viele Drohnen schmolzen im Krater, manchmal, weil einige Besucher sie bis in den Schlund selbst fliegen ließen, um das ultimative Video aufzunehmen. So waghalsig ist Schulz zwar nicht, für den Notfall hatte er dennoch eine zweite Drohne im Gepäck.

Nach zwei Stunden brach dann plötzlich unter den anwesenden Besuchern Hektik aus, als gerade einmal dreihundert Meter von den beiden entfernt ein neuer Lavastrom ausbrach. „Der größte in der ganzen Zeit seit Beginn im März. Ein gewaltiger Strom 1.000 Grad heißen Magmas floss direkt an uns vorbei. Es war unglaublich heiß“, erinnert er sich. Zusätzlich wehte ihnen der Wind die ungesunden Gase direkt in die Nasen. Die Gasmaske, die er sicherheitshalber im Gepäck hatte, brauchte er dann aber doch nicht.

Die Behörden sperrten das Gebiet schließlich umgehend, da sie nicht einschätzen konnten, welchen Weg der Lavastrom einschlagen würde. Die Hubschrauber kreisten und, zurück am Parkplatz, war das gesamte Gebiet gesperrt. „Aber wir hatten unser ultimatives Naturerlebnis. Und das an meinem 66. Geburtstag!“, erzählt Schulz mit Begeisterung.

Unverschämtes Glück

Was seine Reisen angeht, scheint Schulz zu jenen zu gehören, denen das Glück auf Schritt und Tritt folgt. Diesen Verdacht erhärtet zumindest ein weiteres Erlebnis, bei dem er mit seiner Drohne eine Schlucht von oben fotografierte. An diesem Tag herrschten stürmische Winde, daher war auch der Himmel zumeist in schwarze Wolken gehüllt – außer eben an der Stelle, an der sich Schulz und sein Freund aufhielten. „Wir hatten über uns ein blaues Loch im Himmel. Solche Situationen habe ich schon öfter erleben dürfen“, erzählt er mit einem breiten Lächeln. Seine Drohne hätte er dennoch beinahe verloren. Dafür sorgte fast der teils mit 100 Kilometern pro Stunde wehende Wind. Auch wenn das Schlimmste nicht eintrat, verhinderte der Sturm dennoch, dass die Drohne die Position einnehmen konnte, die notwendig gewesen wäre, um die Schlucht vollständig mit beiden Seitenwänden aufzunehmen.

Pech gehabt

Ganz ohne unglückliche Zwischenfälle kommt aber auch ein Glückspilz wie Schulz nicht aus. Letztes Jahr blieb er einmal mit dem Bus in einem Fluss liegen, als er auf eine Steinplatte auffuhr. Zwei Stunden stand er dort, bis die offizielle Rettung mit zwei Superjeeps ihn aus dem Fluss zog. Im Hochland auf 600 Metern Höhe blieb er ein weiteres Mal im Schnee stecken. Auch dieses Mal musste ein Retter gerufen werden.

Bei letztgenanntem zeigte sich auch ein Merkmal der Isländer: „Mit ihnen kommt man nur schwer in Kontakt.“ Da der Retter in der Not das Abschleppseil an der falschen Stelle befestigte, beschädigte er sein eigenes Auto. Da er Schulz jedoch zur Hilfe geeilt war, kam dieser für den Schaden auf und brachte das Geld dem Mann zuhause vorbei. An der Haustür ging die Übergabe dann recht distanziert über die Bühne. „Ich wollte nicht in sein Haus eingeladen werden, aber man erkennt daran ganz gut, dass man sich das Vertrauen der Menschen dort erst erarbeiten muss.“

Tipps für den Besuch

Wenn Schulz nicht gerade mit seiner Frau oder Freunden unterwegs ist, erlebt er die Landschaft auch gerne allein. „Wenn du im Fotomodus bist, schaltest du einfach ab“, erläutert er die entspannende Wirkung.

Schöne Ecken gibt es zur Genüge in Island. Fragt man Schulz, welche er Besuchern, die das erste Mal dorthin kommen, empfehlen würde, muss er zunächst einmal überlegen. „Askja“ antwortet er dann. „Das ist definitiv eines der Highlights, ein Vulkangebiet vom Allerfeinsten.“ Als er im August 2021 dorthin fuhr, sorgte eine Warmfront für 28,5 Grad Celsius – trotz der mit den Alpen vergleichbaren Höhenlage von 3.500 Metern. Er war mit Freunden aus Frankfurt unterwegs, die den gleichen VW-Bus hatten. Zu viert mit zwei Bussen im Hochland unterwegs, gemeinsam durch Furten fahren, Lavaflächen im Schritttempo durchqueren, durch schwarzen Sand fahren (anhalten sollte man da besser nicht) – das ist Abenteuer pur. Und meistens geht alles gut.

„Aber eigentlich reiht sich ein Highlight an das andere.“ So nennt er Grettislaug im Norden der Insel als weiteres Beispiel. Die hier und auch auf ganz Island zu findenden „Hotpots“, kleine heiße Quellen zum Baden, haben es ihm derart angetan, dass er sich einen eigenen Hotpool zu Hause eingerichtet hat. Große Islandbilder rahmen den Pool ein und geben ihm immer das Gefühl in Island zu baden.

Darüber hinaus richten sich seine Tipps an die Vorlieben der Besucher: Im Juni und Juli habe man den Vorteil, dass es kaum dunkel werde. Ab August hingegen kann man schon Polarlichter sehen. Um das Wetter bestmöglich einzuordnen, empfiehlt er die Wetterapp „Veður“.

Auch wenn man meinen könnte, ein Island-Experte wie Schulz hätte mittlerweile alles abgedeckt, irrt man: Er kann es zwar noch nicht konkret sagen, hält sich aber die Option offen, im Januar ein weiteres Mal in den Flieger zu steigen. Denn das Januar-Licht, das hat er noch nie eingefangen. „Man hat vier Stunden lang an jeder Stelle in Island Sonnenaufgangsstimmung.“ Ansonsten steht im Frühjahr Portugal auf seiner To-Do-Liste.
Wer sich gerne einmal von der Heimat aus gedanklich nach Island begeben möchte, kann in Zukunft die Multivision besuchen – eine Art Diashow inklusive Videos – an der Schulz arbeitet. So möchte er Island der Öffentlichkeit näherbringen und seine Fotografien vorstellen. Weitere Bilder von ihm kann man auf seiner Internetseite www.geld2.de anschauen.

Auch eine weitere Ausstellung würde er gerne angehen. 2013 stellte Schulz bereits in Kloster Kamp seine Islandbilder aus. Da die Resonanz positiv ausgefallen war, lud ihn der Leiter Dr. Peter Hahnen dazu ein, gerne wiederzukommen. „Ich glaube, ich werde ihn demnächst noch einmal ansprechen“, sagt Schulz über seine Pläne und ergänzt: „Das ist die ideale Ausstellungsfläche für jemanden wie mich. Das Ambiente dort ist wirklich toll.“