NIEDERRHEIN. Der 30-jährige Robin Bergener aus Elten nahm am vergangenen Wochenende am Finale des Wettbewerbs „Mr. Gay Germany“ teil. Als einer von sieben Finalisten belegte er in Köln den dritten Platz. Im Interview mit NN-Redakteur Michael Bühs spricht er über seine Erlebnisse beim Wettbewerb und was er daraus für sich mitnimmt.

Herr Bergener, herzlichen Glückwunsch zu Platz drei bei „Mr. Gay Germany 2021“. Überwiegt bei Ihnen nach dem Wettbewerb die Freude über das Ergebnis, oder schwingt auch ein wenig Enttäuschung mit, dass es am Ende nicht doch zum Sieg gereicht hat?

Robin Bergener: Vielen lieben Dank! Ich könnte gar nicht stolzer und zufriedener mit dem dritten Platz sein. Man geht da ja auch realistisch heran und überlegt, ob es für den Sieg reichen könnte. Abgesehen davon habe ich mir sehr gewünscht, dass Max gewinnt. Da es dazu jetzt auch gekommen ist, dass mit Marvin zudem ein toller Zweiter gewählt wurde und ich auch noch den dritten Platz gemacht habe, stimmt mich nur noch glücklicher.

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Wie war es für Sie, ohne große Vorerfahrung, auf einmal so im Rampenlicht zu stehen?

Bergener: Ich war schon immer eine Person, die gerne auf der Bühne stand – sei es in der Schule bei Theaterauftritten oder bei Reden, die gehalten wurden. Von daher konnte ich damit gut umgehen. Der erste Walk auf der Bühne war noch mit viel Aufregung verbunden, aber danach überwog dann die Vorfreude.

Wie haben Sie die Siegerehrung am Samstagabend auf der „Heavenue“ sowie die Interviews und weiteren Fotoshootings am Sonntag erlebt?

Bergener: Surreal. So richtig fassen, konnte ich es erst am Sonntagabend beziehungsweise am Montag, als ich wieder zu Hause war. Vor allem die Shootings am Sonntag haben sehr viel Spaß gemacht, da unfassbar viel von einem abgefallen ist. Das schönste Erlebnis war eindeutig, als ich meine Mutter in der Mitte der Show im Publikum gesehen habe. Ich wusste davon überhaupt nichts und musste echt mit den Tränen kämpfen. Backstage habe ich mit einem Kandidaten dann noch einige Freudentränen vergossen.

Was bleibt Ihnen von den Wettbewerbsrunden besonders in Erinnerung?

Bergener: Ich habe gemerkt, dass ich mich selbst aus der Komfortzone gepusht habe und bin daran definitiv gewachsen – alleine schon, dass die Fotoshootings mir nachher sehr viel Spaß bereitet haben, ist eine Erfahrung, mit der ich niemals gerechnet hätte.
Zusätzlich habe ich die Podcast-Challenge im Finale gewonnen. Das war eine der Challenges, auf die ich mich am meisten gefreut habe – diese dann auch zu gewinnen, hat mir unfassbar viel gegeben. Außerdem muss ich den letzten Walk noch erwähnen. Hier ging es um ein Red-Carpet-Outfit, bei dem ich mich dazu entschieden hatte, in High Heels zu laufen. Ein Teil der Jury hat mir später gesagt, dass ich gerade bei dem Walk überzeugen konnte.

Wie hat Ihr Umfeld – Familie, Freunde, Arbeitskollegen, aber auch die Schüler im Berufskolleg – auf Ihr erfolgreiches Abschneiden reagiert?

Bergener: Unfassbar positiv. Ich habe unglaublich viel Support von allen Beteiligten bekommen. Meine Familie hat mich überall unterstützt, wo sie nur konnte und auch meine Klassen haben total mitgefiebert und sämtliche Bekannten überzeugt, mir Stimmen beim Onlinevoting zu geben. Damit hätte ich niemals gerechnet, muss ich zugeben.
Am Montag bin ich beispielsweise mit meiner Schärpe in die Schule gegangen und wurde vom Kollegium und den Klassen sehr gefeiert. Diesen kleinen Scherz, aber auch großen Stolz, wollte ich mir nicht nehmen.

Haben Sie das Gefühl, über „Mr. Gay Germany“ Ihrer Kampagne zum Thema toxische Männlichkeit einen Schub gegeben zu haben?

Bergener: Ich denke schon. Allein in unserer Schule bewegt sich bereits etwas. Es wird darüber nachgedacht, mich als Queer-Beauftragten zu installieren. Allein, dass queere Themen jetzt angesprochen wurden, hat schon einiges gebracht. Zudem sind manche Klassen und auch Bekannte bereits jetzt etwas sensibler geworden, was beispielsweise das Thema Männlichkeit oder Genderrollen angeht. Jede einzelne Person, die darüber mal etwas nachdenkt, ist ein kleiner Schritt in eine sehr positive Richtung.

Was nehmen Sie für sich aus dem Wettbewerb und den Erfahrungen mit?

Bergener: Auf jeden Fall die anderen Kandidierenden. Ich habe unfassbar viele tolle Menschen kennengelernt und bin sehr glücklich darüber und freue mich riesig darauf, diese irgendwann wieder zu treffen. Generell ist es so, dass mir diese Erfahrung jetzt niemand mehr nehmen kann.
Abschließend hat der Wettbewerb mir einfach gezeigt, dass ich mich noch viel  mehr für LGBTIQA*-Themen einsetzen möchte. Das werden auch die nächsten Schritte sein – sei es im Zusammenhang mit meiner Kampagne oder auch allgemeiner, dass ich mich dafür einsetzen werde, dass queere Themen sichtbarer im Bildungsbereich werden.