GELDERLAND. Parka, Minirock und Schlaghosen. Lavalampe und Bonanzarad. Videospiele-Konsolen, Sesamstraße und Tatort. Aber auch Anti-Atomkraft-Bewegung und autofreier Sonntag. Die 1970er Jahre waren „eine Zeit des Umbruchs“, blickt die 1. Schriftführerin Johanna Klümpen-Hegmans zurück bei der Vorstellung der 116. Veröffentlichung und aktuellen Jahresgabe des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend: „Die Siebzigerjahre im Kreis Geldern und in Rheurdt.“

Rund dreieinhalb Jahre hat das Redaktionsteam mit Heinz Dieter Bonnekamp, Bernhard Keuck, Johanna Klümpen-Hegmans, Gerd Koppers, Jürgen Kwiatkowski und Peter Wagener tausende Fotos gesichtet, sowohl analog als auch digital. Diese fand das sechsköpfige Team überwiegend in kommunalen Archiven und in Privatsammlungen, aber auch in Beständen von Vereinen sowie bei den Fotografen Ulrich Engelmann und Heinz Bosch wurde man fündig. Einige Fotos stammen auch von Schülerinnen einer Foto-AG des damaligen Mädchengymnasiums. „Es sind typische, ‚natürliche‘ Straßenszenen“, sagt Klümpen-Hegmans, „hier wird nicht posiert.“ Ausgewählt wurden am Ende etwa 350 Bilder, „98 Prozent davon sind bislang noch nicht erschienen“, berichtet Klümpen-Hegmans.

Nach den 1950er und 1960er Jahren widmet sich der neue Fotoband den 1970er Jahren. „Altes traf auf Neues“, sagt Klümpen-Hegmans. So belegen die Fotos, dass man im gesellschaftlichen Leben an Bewährtem wie Schützenfesten, Umzügen, Prozessionen, Karneval und Kirmes festhielt. Gleichzeitig war es eine Zeit der Veränderung und des Umbruchs: Modische und musikalische Trends wurden geboren, das Ende der Kleiderordnung in Schulen „zeugt von einem veränderten Lebensgefühl“, sagt Klümpen-Hegmans. In Kalkar wurde gegen den Bau des „Schnellen Brüters“ demonstriert.

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Das Ende des Kreises Geldern

Eine wesentliche Veränderung folgte Mitte der 1970er Jahre: das Ende des Kreises Geldern. Es entstand der Kreis Kleve mit der Hauptverwaltung in Kleve. Währenddessen veränderte sich in vielen Kommunen durch Sanierungsmaßnahmen – etwa Fassadenmodernisierungen – das Stadtbild. „Zahlreiche Luftbilder, vor allem aus dem Gelderner Archiv, zeigen außerdem, wie sich die Landschaft veränderte, zum Beispiel durch die Entstehung neuer Gewerbegebiete“, sagt Heinz Dieter Bonnekamp. Diese Luftbilder sind ein wesentlicher Unterschied zu den beiden vorherigen Fotobänden.

Der Band beginnt mit einer 18-seitigen Einleitung mit kurzen Texten zu den sieben Kommunen des Kreises Geldern und Rheurdt. „Dazu haben wir die Texte genommen, mit denen sich die Gemeinden im Einwohner-Adressbuch von 1973 präsentiert haben“, erläutert Bonnekamp. „Das haben wir schon bei den 1950er- und 1960er-Bänden so gemacht.“

Bei der Auswahl der Fotos entschied das Redaktionsteam am Ende gemeinsam – größere Diskussionen gab es jedoch nur um das Coverbild. „Weil Heinz Dieter nicht auf das Titelfoto wollte“, verrät Klümpen-Hegmans lachend. Zu sehen ist die Klass 13b des Gelderner Mädchengymnasiums bei der Abiturfeier 1973 – mit ihrem Lehrer Bonnekamp.

Bleibt die Frage: Folgt nun der 1980-Jahre-Band? „Könnte sein“, sagt Bonnekamp. „Allerdings wird es immer schwieriger, einfach weil die Bilderflut immer größer wird – und wir ja viel Wert darauflegen, dass die Bilder noch nicht veröffentlicht wurden­.“

Das Buch
Titel: „Die Siebziegerjahre im Kreis Geldern und in Rheurdt“
Herausgeber: Historischer Verein für Geldern und Umgegend, unterstützt von der Sparkasse Krefeld
Umfang: 216 Seiten mit rund 350 Abbildungen
Preis: 19 Euro
ISBN: 978-3-921760-61-1
Verkaufsstellen: Geschäftsstelle des Historischen Vereins an der Hartstraße, Buchhandlungen Keuck und Bücherkoffer in Gel­dern, Gemeindearchiv Kerken
Auflage: 1.800 Stück (etwa 1.400 als Jahresgabe für die Mitglieder des Historischen Vereins)