KREIS KLEVE/KREIS WESEL. Seit Montag läuft die bundesweite „Woche der Menschen mit Behinderung“ und beleuchtet dieses Thema noch bis Freitag, 3. Dezember. Auch im Kreis Kleve: Sie soll die Beschäftigungs-Situation in den Vordergrund rücken, vor allem angesichts des herrschenden Fachkräftemangels, verrät Stefan Schapfeld, Teamleiter Rehabilitanden und schwerbehinderte Menschen der Agentur für Arbeit Wesel. Es gebe zwar mittlerweile positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, Menschen mit Behinderung würden jedoch nicht so sehr von ihnen profitieren wie jene ohne Beeinträchtigung.

„Unser Ansatz ist es, die Beschäftigungsmöglichkeiten dieser Menschen zu verbessern“, sagt Schapfeld. Viele Arbeitgeber haben Vorbehalte, aber die Statistik der Bundesagentur für Arbeit liefert interessante Zahlen: Die Arbeitsagentur stellt heraus, dass arbeitslose Menschen mit einer Schwerbehinderung gut qualifiziert sind, anteilig gebe es hier sogar mehr Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung als bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen. Im Kreis Kleve gibt es aktuell 580 arbeitslos gemeldete Mensch mit einer Schwerbehinderung, das sind 7,1 Prozent und vier Prozent weniger als 2020. Der Rückgang bei den Arbeitslosen insgesamt beträgt hingegen 11,9 Prozent.

Chancen nutzen

Gerade Hotellerie und Gastronomie leiden unter dem Fachkräftemangel, erst recht in der Pandemie. Davon, wie schlecht die Situation ist, kann das Team des Nierswalder Landhauses in Goch erzählen. „Die momentane Situation schreckt einfach ab“, sagt Küchenchef und Ausbildungsleiter Peter Dittrich zur allgemeinen Situation. Aber auch die lange Zeit der Schließung habe vor allem in Berufszweigen wie der Hotellerie Spuren in Form von Wissenslücken bei der Ausbildung hinterlassen, die nur schwer aufzuholen seien. Wenn es denn überhaupt Azubis gibt. Geschäftsführerin Sigrid Dittrich führt aus: Abgesehen von Philipp Schmitz „haben wir 2020 keinen Azubi bekommen, nicht einmal eine Bewerbung. Die Ausbildung mit Corona ist einfach katastrophal.“

-Anzeige-

Aber an dieser Stelle zeigt sich eben auch, welches Potenzial die Integration (schwer)behinderter Menschen bietet, denn das Nierswalder Landhaus verharrte nicht in Schockstarre, sondern packte die Probleme mit der Anstellung von Schmitz an – unter Hilfenahme von Förderungen der Agentur für Arbeit. Der Pfalzdorfer wird im Betrieb derzeit trotz seiner psychischen Behinderung zum Vollkoch ausgebildet. Zuvor absolvierte der 24-Jährige bei dem Familienbetrieb die Praxisphasen einer geförderten zweijährigen Ausbildung zum Beikoch in einer Rehabilitationseinrichtung. „Wir kannten ihn ja bereits und er hatte die Chance definitiv verdient. Er ist sehr engagiert“, erzählt Dittrich. Sie ist sich sicher, dass Betriebe, um die Zukunft zu sichern, viele Mitarbeiter selbst ausbilden müssen, „und dabei auch Menschen wie Philipp mitnehmen.“ Auch Ausbilder Giuseppe Ramirez ist überzeugt: „Er macht sich wirklich sehr gut.“ Die Fördermaßnahmen kann er ebenfalls nur loben, schließlich hätten sie ermöglicht, Schmitz‘ Potenzial zu wecken.

Möglichkeiten zur Förderung

Ein Beispiel der Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit in der Region ist das Berufsbildungswerk in Moers. Hier kommt unter anderem die Gastronomie zum Zuge. „Es bildet sowohl im Service als auch in der Küche aus“, erläutert Schapfeld beispielhaft. Hier geschieht die Ausbildung unter etwas geschützteren Bedingungen – so haben die Azubis etwa mehr Zeit, gewisse Schritte zu üben, als in einem normalen Betrieb. Auf dieses Fundament können sie dann schließlich im Betrieb selbst weiter aufbauen. „Am Ende steht dann etwa der Abschluss als Koch und somit das weite Feld in den Restaurantbetrieben offen.“

Aber auch bei der (späteren) Arbeit vor Ort gibt es für Betriebe die Möglichkeit, weitere Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen: Ausbildungszuschüsse etwa, „wenn die Bereitschaft besteht, nach der Ausbildung den Azubi in den Vollberuf zu übernehmen.“ Ebenfalls gibt es Beratungsdienstleistungen oder ausbilungsbegleitenden Stütz- und Förderunterricht sowie weitere Hilfen am Arbeitsplatz. „Da gibt es Möglichkeiten, es wird aber individuell entschieden, was gefördert wird.“

Wenn sich Unternehmen für Bewerber mit Einschränkungen interessieren, können sie sich bei der Agentur für Arbeit melden: Jeanette Nowak ist für den Kreis Kleve unter Telefon 02821/714155 erreichbar, Martina Tück für den Kreis Wesel unter Telefon 0281/9620357. Während der Aktionswoche ist von 8 bis 16 Uhr (freitags bis 13 Uhr) unter Telefon 0281/9620357 zudem eine Hotline eingerichtet, um über die Möglichkeiten zu informieren. Anfragen per Mail gehen an Wesel.Arbeitgeber-Team142@arbeitsagentur.de.