Kalender für das Klever Land und Heft 4 der Beiträge zur Klever Geschichte

KLEVERLAND. Da also liegt er: der ‚Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2022‘. 224 Seiten, Auflage 2.500 Exemplare, Stückpreis 14,90 Euro. Das Titelbild wie immer von Fritz Poorten. „Sie müssen das unbedingt erwähnen, denn wir haben es im Buch vergessen.“ Wird gemacht. Noch was?
Vielleicht. Die Landrätin: leider verhindert. „Wir haben da vorab ein Bild gemacht …“ „Danke, wir mach en ein eigenes.“ Natürlich wird erwähnt: Ohne die Unterstützung vom Kreis würde es nicht gehen. Danke. Aber jetzt zum Eigentlichen …

Zwischenmahlzeit

Die Kategorien: Musik, Kunst und Literatur; Geschichte; Natur und Landschaft; Religion; Erinnerungen; Gedichte; Mundart; Verschiedenes. Der Kalender: Nichts für das schnelle Lesen am Wochenende – eher schon ein Werk zum Stöbern (Zwischenmahlzeit) und … bei mancher Geschichte auch ein Werk zum Staunen und mit steilen Thesen. Beispiel gefällig?
Barbara Mühlenhoff – ihres Zeichens Mitglied im Autorenteam – fragt beim Thema ‚Monterburg, älteste Burg im Rheinland‘: „Höher als der Schwanenturm?“ Ja, geht denn das? Wer‘s wissen möchte, besorgt sich den Kalender. Spoilern ist anderswo, oder? Das vielleicht doch noch: Zu verorten ist die Monterburg in Kalkar. (Weiß ja auch nicht jeder.)

Nicht nur ‚Klever Sachen‘

Soll also keiner sagen, der Kalender enthielte nur ‚Klever Sachen‘. Wie wär‘s mit Kinogeschichte aus Goch, aufgeschrieben von Redaktionsmitglied Hans-Joachim (Hansi) Koepp? Anzubieten wäre ein Text mit dem Titel: „Lebendige Fotografien in Wanderkinos – Die Geschichte des Kinos in Goch“. Hier sei (einschränkend?) erwähnt, dass der geneigte Leser ein bisschen Geduld mitbringen sollte, denn was sich an Gocher Kinogeschichte im Kalender findet, hat ein offenes Ende: to be continued. Fortsetzung folgt. Was sich zur Geschichte des Kinos in Goch sagenschreibenerzählen lässt, musste aufgeteilt werden. Zu viel für einen Rutsch. Es sollen ja auch andere zu Wort kommen. Fest steht also schon jetzt, dass der Kalender auf das Jahr 2023 die cinematografischliterarische Fortsetzung der Kinogeschichte enthalten wird.

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Dürer in Emmerich

Wer sich durch die Titel des Inhaltsverzeichnisses arbeitet, bekommt – so viel steht fest – Lust auf Lektüre. Fest steht aber auch: Es muss nicht alles für jeden interessant sein. In der Kategorie „Musik, Kunst und Literatur“ schreibt Wim van Heutgen über „Albrecht Dürer und das Lobither Zollhaus“. Das merkt der Rezensent sich doch gleich mal vor. Oder wie wär‘s – Abteilung Geschichte – mit: „Wie der Privatwagen des Amtsinspektors Josef van den Berg die Gemüter erhitzte“. Skurril? Vielleicht.

Von oben

Ältere kennen diese Frage noch: Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Das gehörte zum HB-Männchen. In die Luft gegangen ist aber auch Markus van Offern. Eigentlich war es seine Drohne.
Gleich zu Beginn – beim Kalender für das Jahr 2023 – gibt es Luftbilder. Wie anders doch die Welt aussieht, wenn man sich von oben nähert. Die Frage „Darf‘s denn auch a bisserl mehr sein?‘ hätte man glatt mit ‚Ja‘ beantwortet.

Weltweit

24 Namen listet das Autorenverzeichnis auf. Und – bitte sehr: Auch Poortens Fritz findet sich hier ein. Ganz vergessen wurde der Gestalter des Titels also nicht.
Für den Herausgeber gilt: „Klevischer Verein proudly presents“. Eine ISB-Nummer gibt‘s natürlich auch: 978-3-402-22437-3. Das Buch ist also nicht nur in den Klever Buchhandlungen zu haben, sondern quasi weltweit bestellbar. Kaufempfehlung? AjF. Auf jeden Fall. Geeignet entweder zum ‚Selbstverzehr‘ oder aber als Geschenk. So weit der erste Teil – und jetzt weiter …

Der neue Band der „Beiträge zur klevischen Geschichte“ widmet sich der Geschichte der Klever Synagoge.

… zur klevischen Geschichte

Ebenfalls druckfrisch: ein neues Heft aus der Reihe ‚Beiträge zur klevischen Geschichte‘, herausgegeben vom Klevischen Verein für Kultur und Geschichte/Freunde der Schwanenburg e. V. und dem Klever Stadtarchiv. Nochmal geht es um ‚den Tempel auf einem der schönsten Punkte der Stadt Kleve‘ – die Synagoge also und die jüdische Gemeinde in Kleve. Die Autorin Helga Ullrich-Scheyda gehört zu den ausgewiesenen Expertinnen (nicht nur) auf diesem Gebiet. Zum Thema ‚Klever Synagoge‘ hat es in diesem Jahr bereits eine Ausstellung gegeben und kürzlich erschien eigens ein Podcast zum Thema.

Montagen

Wenn Ullrich-Scheyda über das Thema Synagoge in Kleve spricht, geht es immer wieder um die Quellen. „Sie wissen, dass ich in meine Texte immer gern Biografien einbaue“, sagt sie. Diese Form der ‚Montage‘ verlebendigt, was zu erzählen ist.

Geschichte erzählen

Geschichte, man kann es nicht oft genug sagen, wird über Geschichten transportiert und Ullrich-Scheydas 76-seitige Tauchfahrt in einen unverzichtbaren Teil klevischer Zeitgeschichte ist zudem reich(lich) bebildert. Geschichte wird sichtbar. Die Sache mit der Bebilderung ist komplizierter als man denkt. „Ich bin sehr froh, dass sich die Leiterin unseres Stadtarchivs, Katrin Bürgel, unter anderem um die Bildrechte gekümmert hat“, bedankt sich Ullrich-Scheyda.
Zur jüdischen Geschichte gehört, das ist Ullrich-Scheyda wichtig, auch die Nachkriegszeit. Dass die heutige Gedenkstätte im Schatten der Burg einst als Parkplatz genutzt wurde. „Am 8. November 2002 wurde die Gedenkstätte in der heutigen Form, allerdings noch ohne Plexiglasscheibe mit den Namenstäfelchen, die das Schicksal Klever Opfer der Judenvernichtung aufzeigen, eingeweiht“, heißt es im letzten Kapitel „Die heutige Situation“.

Fünf Euro

Natürlich gibt es auch hier eine ISB-Nummer: 978-3-936813-14-2. Fünf Euro kostet der sehen- und lesenswerte Band, der übrigens das ‚Heft 4‘ der ‚Beiträge zur klevischen Geschichte‘ ist. Mitglieder des Vereins erhalten das Heft als Jahresgabe. Fragt man Wiltrud Schnütgen nach dem ‚Heft 5‘ der Beiträge, ist die Antwort äußerst konkret. „Im nächsten Heft wird es um die Geschichte des Klever Landgerichts gehen‘, sagt sie.

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