NIEDERRHEIN. Den Tod eines geliebten Menschen zu realisieren ist ein wichtiger Schritt, um die eigene Trauer zu verarbeiten. Die Verstorbenenversorgung wiederum bildet dafür einen bedeutenden Baustein. Weil sie dafür sorgt, dass der Verstorbene noch einmal so erscheint, wie er im Leben war, ist ein angemessener Abschied möglich. Andreas Großkopf von Bestattungen Großkopf/van Sommeren in Goch weiß, worauf es bei der Versorgung ankommt und welche Bedeutung sie hat.

„Die Abschiednahme hat eine positive Wirkung. Sie ist der Beginn der Trauerbewältigung.“ Die Versorgung des Verstorbenen sei ein Teil der offenen Aufbahrung. „Das letzte Bild des Verstorbenen bleibt für immer im Kopf.“ Memoriam Picture nennen das die Amerikaner. Aber längst nicht immer ist jenes Bild der letzten Begegnung von schöner Art, etwa aus dem Altenheim. So stelle sich für die Hinterbliebenen die Frage, welches letzte Bild man habe und ob man jenes durch ein schöneres austauschen wolle, das Trost spende. Bestatter, die die Verstorbenenversorgung durchführen, können je nach Wunsch einen letzten Anblick gewähren, der den Hinterbliebenen ein gutes Gefühl vermittelt. „Ein natürliches, entspanntes Bild“, erläutert Großkopf. „Wie im Schlaf.“

Auch die Umgebung spielt hierbei eine Rolle. Neben der Friedhofskapelle bieten auch Bestatter Räume mit angenehmer Atmosphäre, um Abschiede zu ermöglichen. Auf diese Weise hätten neben den engsten Familienmitgliedern zudem andere Menschen Gelegenheit zum Abschied. Auch Kindern ermöglicht das, sich dem Thema Tod auf angemessene Art zu nähern. „Es ist ja oft ein Tabuthema“, sagt Großkopf.

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Das oberste Gebot der Verstorbenenversorgung

Ein pietätvoller Umgang mit dem Verstorbenen mit Würde und Anstand ist laut Großkopf das oberste Gebot. Demnach gehe es um ein natürliches Erscheinungsbild des Menschen, wenn es keine besonderen Wünsche der Angehörigen oder des Verstorbenen gebe. Sich selbst vor dem Tod des eigenen Abschieds anzunehmen, ist nämlich ebenfalls möglich.

Großkopf spricht in diesem Kontext vom „standesgemäßen Bestatten“. Je nach Persönlichkeit und Interessen fällt die Versorgung des Verstorbenen anders aus. Hat man Zeit seines Lebens zum Beispiel keinen Wert auf Make-Up gelegt, wird die Person auf natürliche Weise hergerichtet. Im umgekehrten Fall könnte man verstärkt auf Schminke zurückgreifen.

Auch Beigaben sind üblich, nicht nur jene, wie sie Glaubensrichtungen vorschreiben. So kann ein Bogenschütze mit Pfeil und Bogen bestattet werden, oder eine Großmutter mit einer von ihr geliebten Uhr. „Ein überzeugter Motorradfahrer könnte auch in seiner Motorradkluft beerdigt werden“, ergänzt Großkopf. Hier müsse man aber immer zuerst die Friedhofssatzung beachten, die die Grenzen festlege. Geht es um die Versorgung selbst, können Angehörige auf Wunsch selbst daran teilhaben, etwa beim Waschen oder Ankleiden. „Meist haben diese Menschen aber eine Affinität dazu. Pfleger zum Beispiel.“

Der Versorgungsvorgang

Nach dem Gespräch mit den Angehörigen beginnt die Einbettung. Gemäß dem Standard – die Versorgung folgt wie andere Bestatter-Dienstleistungen einer DIN-Norm – werden folgende Schritte unternommen: Zunächst lösen die Bestatter die Leichenstarre. Allerdings ist dafür kein großer und grober Kraftaufwand nötig, wie viele glauben, „vielmehr geschieht das durch sanftes Bewegen der Gelenke.“

Nach der Entkleidung folgt die Desinfektion der Körperoberfläche. Danach waschen die Bestatter Körper und Haare, trocknen sie und schließen eine zweite Desinfektion an. Nachdem Augen und Mund verschlossen wurden, lassen sie eine Rasur folgen und schließen zudem mögliche Wunden, um zu verhindern, dass Flüssigkeit austritt. Auch die Nägel zu reinigen und zu feilen gehört zum Prozedere. Danach trocknen die Bestatter Körper und Haare ein weiteres Mal und widmen sich der wunschgemäßen Einkleidung. Wenn gewünscht, können auch die Haare frisiert und Kosmetika aufgetragen werden. Damit die Haut nicht austrocknet, tragen sie zumindest auf sichtbare Körperstellen noch eine Feuchtigkeitscreme auf.

Zuletzt wird der Verstorbene im Sarg in eine zur Aufbahrung oder Überführung geeignete Körperhaltung gebracht. So können die Hinterbliebenen Abschied nehmen und ein angemessenes „memorial picture“ des Verstorbenen gewinnen.

Auch auf Laien schwierig wirkende Fälle, wie nach Obduktionen oder stärkeren Körperschäden, können mittlerweile durch rekonstruktive Maßnahmen gut gelöst werden. Trotzdem gibt es auch jene Fälle, in denen es für die Experten eine große Herausforderung darstellt, die Verstorbenen so vorzubereiten, wie es ihnen und der Familie gebührt. Etwa nach sehr schweren Unfällen. „Dann kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben“, räumt Großkopf ein.

Ein seltener werdendes Ritual

„Die Abschiednahme am offenen Sarg wird immer weniger“, erklärt Großkopf. Die Kultur habe sich durch den demografischen Wandel verändert, viele Kinder würden mittlerweile aus der alten Heimat fortziehen. Er weiß auch, dass es einige Menschen gebe, die auf einen Abschied lieber verzichten möchten. Diejenigen, die sich auf Empfehlung doch dazu entscheiden würden, seien dann am Ende aber doch dankbar für die Gelegenheit und verbrächten oft über mehrere Tage Zeit beim Verstorbenen. „Es ist wichtig, der Trauer Zeit und Raum zu geben.“