Lieblingsbilder
Ulrich Hürkens ist einer von neun Ausstellern. NN-Foto: Thomas Langer

RHEINBERG. Das gut gefüllte Foyer des Rheinberger Bürgerhauses ließ gut erahnen, wie hungrig die Menschen nach Unternehmungen nach einer langen Zeit der Einschränkungen sind. Und in diesem Fall gibt es einige spektakuläre Anblicke zu bestaunen: Die neun Künstler des Forums Fotografie der Volkshochschule unter der Leitung von Dr. Wolfgang Fischöder stellen aktuell unter dem Thema „Lieblingsbilder“ ihre persönlichen Highlights aus dem eigenen Schaffen vor. Noch bis zum 26. November werden die Bilder im Foyer hängen.

Wie der Leiter der VHS-Rheinberg, Dr. Jens Korfkamp, in der Einführung erwähnte, hebt sich diese Ausstellung durch das sehr offene Thema von den meisten anderen ab. Auch Fischöder betont: „Die Ausstellung zeigt Bilder der Teilnehmer, an denen ihr Herz besonders hängt.“

Üblicherweise trifft sich die AG alle vier Wochen in der Grundschule in Sonsbeck, um ein Thema über das gesamte Jahr zu bearbeiten. 2020 wirbelten die Lockdowns die Pläne erheblich durcheinander, die geplante Ausstellung war so nicht möglich. Also kamen die Fotografen ins Grübeln. „Jeder hat seine Bilder, die er immer schon mal zeigen wollte, wozu es aber keine Gelegenheit gab“, sagt Fischöder. Bis jetzt. Hinter den Bildern stünden besondere Situationen, Motive, die den Fotografen wichtig seien oder Erfolgserlebnisse mit neuen Techniken. „Hier findet man eine sehr individuelle, unübliche Ausstellung“, die dennoch harmonisch und rund ausgefallen sei.

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Die Aussteller

Das zeigt auch ein Überblick der Künstler und ihrer Werke: „Haiku“ ist zwar eine japanische Gedichtsform, Ekkehard Below hat sich mit seiner Fotografie aber an sie angelehnt: Auf seinen Bildern gibt es einen Schärfepunkt und der restliche Hintergrund bleibt unscharf, wodurch er viel Raum zur Interpretation lässt. „Das Besondere bei dieser Fotografie ist, diese Ruhe und Stimmung einzufangen, die während des Fotografierens entsteht“, erläutert Fischöder. Karl-Heinz Antweiler erzählt mit einer Collage von seiner abenteuerlichen Wanderung im Matterhorn-Gebiet. Zusätzlich versucht er sich aktuell an der Astro-Fotografie. Zu sehen ist unter anderem die „Milchstraße mit Perseiden“.

Manfred Hoffmann, begeistert vom Niederrhein, lichtete mit viel Herzblut unter anderem die Halde in Neukirchen-Vluyn und die Zeche Zollverein ab. Ernst Heien präsentiert drei Gruppen von Bildern: eine davon zeigen persönlich geprägte Bilder einer Klosterpforte im Schwarzwald. „Durch diese Pforte muss man gehen, man weiß aber nicht, wo der eigene Weg hinführt. Geht er aufwärts, geht er abwärts, was kommt auf mich zu?“, zitiert Fischöder ihn. Renate Zapf-Wittmann hingegen zeigt Bilder, die man mindestens zweimal anschauen muss, denn sie enthalten Details, die man zunächst wohl übersieht. Zum Beispiel, dass einer von zwei Hunden aus Porzellan besteht.

Lieblingsbilder aus dem Leben

Christian Fischöder stellt analoge Schwarzweiß-Bilder aus, die aber digital gedruckt wurden. Eine Fotogruppe beschäftigt sich mit dem Thema naturbelassene Wälder, hier fotografierte er vor allem die (Licht)Stimmungen. Zusätzlich hat er aber auch seine Bekannte Meli abgelichtet. Eine junge Frau, die seit einem Schicksalsschlag im Rollstuhl sitzt. „Er stellt dar, dass sie ihre Fröhlichkeit und Lebensfreude trotzdem erhalten hat“, sagt Wolfgang Fischöder. Er selbst fotografiert ebenfalls analog und hat zum ersten Mal die Abzüge digital drucken lassen. Auch hier liegt der Fokus auf schwarz-weiß: darunter ein Stillleben eines Gartens und zwei Bilder aus Dänemark. Das vierte Bild zeigt seinen Freund Wolfgang, der im Haus Sanaa der Zeche Zollverein als Bergmann aus dem Fenster schaut.

Heidi Bartsch hat als Rheinbergerin die weniger typischen Ecken der Stadt fotografiert. „Es sind keine Postkartenmotive, sondern die Ecken, über die man sonst eher schweigt.“ Genauer gesagt die Reichelsiedlung bei Nacht. Die Lichtstimmung lässt diese allerdings in einer ganz eigenen Schönheit erstrahlen.

Ulrich Hürkens machte die Fotografie 2012 zu seinem Hobby, seit 2017 folgt er ihm jedoch analog, inklusive eigener Dunkelkammer. Das hat vor allem mit seinem Job in der IT-Branche zu tun, weshalb er nicht auch noch abends vor dem Bildschirm Fotos bearbeiten möchte.

Hürkens Motive stammen aus Norwegen, das er regelmäßig besucht. Durch seine enge Beziehung zum Land hat er noch gut in Erinnerung, wie windig es war, als er den Leuchtturm fotografiert hat, eines seiner Lieblingsmotive. „Jedes Mal, wenn ich dort bin, muss ich ihn einfach fotografieren.“ An diesem probiert auch immer wieder neue Techniken aus. Auch wenn er zum einen normale Schwarzweißbilder auf regulärem Barytpapier ausstellt, nutzte er bei anderen ein Verfahren, das nur mit altem Barytpapier funktioniert. In diesem Fall ist es rund 40 Jahre altes Aquapapier. Hieran werde der Vorrat allerdings langsam knapp. „Es ist ein spezielles Entwicklungsverfahren, bei dem das Bild erst in einem Zeitraum von zehn bis 20 Minuten anfängt, sich aufzubauen. Am Ende geht es dann ganz schnell.“ Das Problem sei, man warte lange und müsse dann schnell entscheiden, ob das Bild gut sei, ehe es völlig schwarz werde.

Fest steht schon jetzt, dass am 7. November 2022 das für 2020 geplante Thema ausgestellt werden soll. Über den Titel schweigt sich Fischöder allerdings weiterhin aus. Thomas Langer