Stellten den neuen Heimatkalender vor: (v.l.) Issums Bürgermeister Clemens Brüx, der 1. stellvertretende Landrat Stefan Welberts, Gerd Halmans (Vorsitzender Historischer Verein), Beatrix Meuskens (3. Vorsitzende) und Redakteur Jürgen Kwiatkowski. NN-Foto: Theo Leie

GELDERLAND. Wer sich für Heimatgeschichte interessiert, kann seinen Bücherschrank nun um ein weiteres Schmuckstück bereichern, denn der Geldrische Heimatkalender 2022 ist ab sofort erhältlich. Der Fokus der neuen Ausgabe liegt auf der Gemeinde Issum – im Ratssaal des Altbierdorfs fand daher auch die Präsentation statt. Darüber hinaus eröffnen die Autoren auf 295 Seiten neue Perspektiven auf die Heimat mit vielen informativen Beiträgen und noch mehr Bildern.

Zuletzt gab es 2020 keine Gelegenheit, den Heimatkalender offiziell vorzustellen. Dieses Jahr war die Lage besser, daher gab es nun am Donnerstag ein fast feierliches Zusammenkommen. „Es ist wichtig, dass Autoren und Mitarbeiter Gelegenheit haben, zusammenzukommen”, sagt Gerd Halmanns, Vorsitzender des Historischen Vereins. Es sei schließlich ein Gemeinschaftswerk, an dem dutzende Menschen mitgearbeitet hätten. Und tatsächlich kann sich die Bilanz mehr als sehen lassen: 295 Seiten, 41 Beiträge von ebenso vielen Autoren und etwa 300 Abbildungen. Die Themen sind wieder äußerst vielseitig, jeder Beitrag anschaulich bebildert. Auf die richtige Mischung zu achten, war den Verantwortlichen wichtig. „Für jeden Leser sollte etwas dabei sein”, sagt Halmanns. Dafür sorgen auch drei Gedichte von Heinz Velmans und Liss Steeger sowie vier Fotoserien. „Jeder Fotograf hat eine eigenen Handschrift.” Auf diese Weise kommen zum Beispiel viele schönen Ecken in Issum und Sevelen zur Geltung – auch aus ungewohnter Perspektive. Schon die Rückseite zeigt Sevelen von oben in Kugelperspektive, was beweist: „Sevelen ist der Mittelpunkt der Welt”, scherzt Halmanns. All das musste jedoch auch von dem fünfköpfigen Redaktionsteam redigiert werden. „Das war eine Menge Arbeit.”

Die ganze Bandbreite

-Anzeige-

Den inhaltlichen Anfang machen die Issumer Aspekte: Da auch die Gegenwart schnell Geschichte wird, leitet Michael Klatt die Beiträge durch „Perspektiven in und nach der Pandemie” ein. In diesem aktuellen Ortsporträt zieht er eine Bilanz des ersten Coronajahrs. Einen Sprung in die entfernte Vergangenheit gibt es hingegen mit den Aufzeichnungen des Jungbauern Tilmann Feltens, der 1870/71 am Feldzug gegen Frankreich teilnahm.

In der Rubrik „Aktuelles aus dem Gelderland” schaut Christel Terhorst zunächst auf 30 Jahre Kunstverein Gelderland zurück, inklusive einem Blick in die Zukunft. Wilfried Kleiböhmer hingegen verbindet Geschichte mit Moderne: „Geschichte sichtbar machen. Die Festungsstadt Geldern um 1750 als digitales Modell” heißt sein Beitrag. Hier geht es darum, wie neue Techniken ermöglichen, einen Rundgang durch das Geldern des 18. Jahrhunderts zu unternehmen. Grün wird es in der Kategorie „Aus Natur und Landschaft”. Hier stellt unter anderem Gerhard Milbert die Entwicklung und verschiedene Formen des Naturschutzes am Niederrhein dar. Die Naturwaldzelle im Staatsforst Littard steht dabei im Vordergrund. In der Rubrik „Erinnerungen” bringt Frieder Mirbach den Lesern die Post seines Onkels Karl Olie aus Kriegsdienst und Gefangenschaft in Russland nahe.

Die mit Abstand größte Kategorie ist „Aus Archäologie, Geschichte und Kunst”. Anhand mittelalterlicher Rechnungen zeigt Rien van den Brand etwa, wie in der Burg Geldern und im herzoglichen Umfeld gelebt wurde. Clemens Broeckmann widmet sich dem Ende des Pferdezuchtvereins Straelen und Umgebung. Persönlich wird es im Beitrag von Dennis Hartjes. Er zeigt das Schicksal von Anna Boland (1899-1943) auf und damit, dass sich auch eine Wettenerin unter den Euthanasie-Opfern von Obrawalde befand.

Einen begeisterten Leser hat der Kalender in Issums Bürgermeister Clemens Brüx gefunden. Ihn nimmt er stets mit auf eine „Lese- und Bilderreise. Ich kenne ihn schon aus meinem Elternhaus”, erzählt er. Er habe zudem bemerkt, dass das Interesse für Heimatgeschichte in den letzten Jahren stark zugenommen habe. „Die Menschen fragen danach, wie die eigenen Verwandten gelebt und wie sie den Alltag bewältigt haben.” Beeindruckt zeigte sich auch der erste stellvertretende Landrat Stefan Welberts. Schon die Autorenzahl sei „überwältigend”, schließlich habe auch das Ehrenamt schon länger mit Problemen zu kämpfen. „Das ist nicht selbstverständlich”, unterstreicht er das Engagement der Mitwirkenden.

Der Kalender kostet 10,90 Euro. Möglich ist dieser Preis dank der ehrenamtlichen Arbeit der Mitarbeiter sowie der Unterstützung durch Sponsoren: Zu ihnen gehören der Kreis Kleve, die Stiftung der Volksbank an der Niers und die Familie Bösken-Diebels. Zu kaufen gibt es das Jahrbuch unter anderem im Buchhandel, beim historischen Verein für Geldern und Umgegend, in den Archiven sowie bei den Gemeinden.