Ein Jahr Verspätung: Dvoraks Stabat Mater in der Versöhnungskirche

KLEVE. Ein ‚Stabat Mater‘ sei nicht notwendigerweise Musik, die man nur in der Passionszeit aufführen könne, sagt Kantor Thomas Tesche und weist auf ein Konzert am Sonntag, 7. November, 18 Uhr, in der Versöhnungskirche in Kleve hin. Einziger Programmpunkt: Das Stabat Mater op. 58 von Dvorak in einer Bearbeitung für Soli, Chor und Kammerorchester.
„Im Stabat Mater geht es in erster Linie um eine Mutter, die um ihr Kind trauert“, sagt Tesche, „und das hat einen direkten Bezug zu Dvoraks Leben, denn er schrieb das Stück, als eines seiner Kinder starb.“ Dass – nur am Rande bemerkt – Dvoraks Stabat Mater über weite Strecken in Dur stattfindet, der Tonart also, von der es oft heißt, sie sei – im Gegensatz zum vermeintlich traurigen Moll – lustiger Natur, ist schon in sich als Gegenthese zum Dur-Moll-Rollenmodell zu sehen.

Drei Möglichkeiten

Eigentlich wollten Tesche und sein Vokalensemble der Evangelischen Kirchengemeinde das Stabat Mater bereits im vergangenen Jahr (ebenfalls im November) aufführen. Dann kam der Lockdown. „Für uns gab es dann drei Möglichkeiten: Verschieben, ausfallen lassen oder eine gestreamte Aufführung ohne Zuschauer.“ Nach intensiven Gesprächen beschloss man die Verschiebung. „Der Chor hat auch während des Lockdowns geprobt“, sagt Tesche. „Wir haben entweder im Freien geprobt oder per Zoom-Konferenz und am Schluss in kleinsten Gruppen mit den erforderlichen Abständen.“ Tesche ist sicher: „Noch einmal schieben – das geht nicht.“

Fast ohne Blech

Für die Aufführung greifen Tesche und das Ensemble auf eine Bearbeitung von Joachim Linckelmann zurück. „Es gibt sehr viele Bearbeitungen dieses Werkes“, erklärt Tesche, „nicht alle sind wirklich gut.“ Linckelmanns Bearbeitung für Kammerorchester komme dem mit rund 40 Stimmen besetzten Vokalensemble entgegen. „Die Version von Linckelmann verzichtet (Ausnahme ist das Horn) auf die Blechblasinstrumente und nutzt lediglich Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Pauke und Streicher“, erklärt Tesche. Mit der Originalbesetzung, für die Englischhorn, Trompeten, Posaunen und Tuba gebraucht werden, müsste man der klanglichen Ausgewogenheit wegen den Chor aufstocken. Beim Konzert am 7. November spielt das „Rheinische Oratorienorchester“ (Konzertmeisterin: Gabi Ziebell). Als Solisten sind zu hören: Mirjam Hardenberg (Sopran), Christa Menke (Alt), Daniel Wagner (Tenor) und Thomas Peters (Bass).

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Mirjam Hardenberg

Spende am Ende

Das Konzert in der Versöhnungskirche wird nach dem Drei-G-Standard durchgeführt. Platzreservierungen sind erforderlich und können entweder telefonisch (Thomas Tesche, 02821/28159) oder per Mail (thomas.tesche@online,de) durchgeführt werden.
Der Eintritt zum circa 90-minütigen Konzert ist frei, am Ende wird um eine Spende gebeten.