Einzige Waffe: Auflegen. Sofort!

 

NIEDERRHEIN. Sagen wir es mal so: Wenn gleich jemand anriefe und sagte, er sei Herbert Grönemeyer und müsse mal kurz auf meinen Computer – ich wäre misstrauisch. Spätestens dann, wenn Herbert mich nach den Bankdaten fragen täte.

Es muss ja nicht gleich Gröni sein

Aber es muss ja nicht gleich der Grönemeyerherbert sein. Wie wäre es denn mit einem freundlichen Mitarbeiter von Microsoft, der – man sieht es ja im Display – aus München anruft und Hilfe anbietet? Hilfe? Warum? Nun ja, sagt der freundliche Herr (der natürlich auch eine Dame sein könnte), der Rechner sei von einem hartnäckigen Virus befallen. Der Puls geht hoch, aber man beruhigt mich: Hilfe naht. Man muss ja nur mal eben eine Fernwartungssoftware insta …..

Sofort auflegen!

Stop!!! Sofortiges Beenden des Telefonates ist jetzt die einzige und letzte Hilfe. Norbert Franzke ist bei der Kreispolizeibehörde Kleve unter anderem für Einbruchschutzberatung zuständig. Einbruch – das wird jetzt klar – ist das passende Stichwort, denn die freundlichen NICHT-Microsoftmitarbeiter wollen am Ende nur das Beste: Kohle. Norbert Franzke: „Irgendwann in einem solchen Gespräch, das Stunden dauern kann, kommt dann die Sprache auf die Bezahlung für die Rettung des Rechners.“ Über das Fernwartungsprogramm werden die Aktionen auf dem Rechner längst mitgelesen.

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Klingt gar nicht gut

Der Mann am anderen Ende der Leitung ist fast am Ziel. „Es geht in erster Linie um das Ausspähen Ihrer Bankdaten und Passwörter. Manchmal kann es aber auch passieren, dass man sie bittet, über die Computer- oder Laptopkamera ein Foto zu machen. Das wird dann von den Tätern genutzt, um in Ihrem Namen ein Konto zu eröffnen, auf das dann mittels der geraubten Daten Geld, Ihr Geld, überwiesen wird. Der Haken ist nur: Da Sie das Konto nicht eröffnet haben, bekommen Sie auch keinen Zugriff und noch dazu sieht es so aus, als hätten Sie sich selbst Geld überwiesen.“ Klingt nicht gut. Gar nicht gut.

Telefonbetrug

Auf der Internetseite www.polizei-beratung.de klingt es zum Thema Telefonbetrug wie folgt: „Die Masche ist immer die gleiche: Die angeblichen Microsoft-Mitarbeiter behaupten, dass der Rechner oder Laptop der angerufenen Person Fehler aufweise, von Viren befallen oder gehackt worden sei oder ein neues Sicherheitszertifikat benötige. Sie bieten ihre Hilfe an. Dazu sollen die Opfer auf ihren Geräten eine Fernwartungssoftware installieren, mit der die angeblichen Probleme gelöst werden können.“ Jetzt gilt: So-fort auflegen! „Seriöse Unternehmen wie Microsoft nehmen nicht unaufgefordert Kontakt zu ihren Kunden auf. Sollte sich ein Servicemitarbeiter bei Ihnen melden, ohne dass Sie darum gebeten haben: Legen Sie einfach den Hörer auf. Geben Sie auf keinen Fall private Daten wie beispielsweise Bankkonto- oder Kreditkartendaten oder Zugangsdaten zu Kundenkonten (zum Beispiel PayPal) heraus. Gewähren Sie einem unbekannten Anrufer niemals Zugriff auf Ihren Rechner beispielsweise mit der Installation einer Fernwartungssoftware.“

Passwörter ändern

Nach dem Auflegen sollte unverzüglich Kontakt zur Polizei aufgenommen und Anzeige erstattet werden. Ist man Opfer geworden, gilt: Rechner vom Netz trennen und herunterfahren. Danach über einen nicht infizierten Rechner unverzügliche die betroffenen Passwörter ändern. Die Fernwartungssoftware deinstallieren und Kontakt zu den Zahlungsdiensten und Unternehmen aufnehmen, deren Zugangsdaten in den Besitz der Täter gelangt sind. Bei der Bank nachfragen, ob getätigte Überweisungen ‚zurückgeholt‘ werden können. Franzke: „Melden Sie den Betrug zusätzlich unter www.microsoft.com/de-DE/concern/scam.“

Oder so …

Wer nicht gleich auflegen möchte, kann – ein bisschen Zeit vorausgesetzt – dem freundlichen Mensch am anderen Ende der Leitung sagen: “Ich muss jetzt erst mal meinen Rechner starten.” Dann einfach den Hörer hinlegen und 30 Minuten warten. Wahrscheinlich hat sich das Problem dann auch erledigt.

Die Polizei informiert