WESEL. Die Stadt Wesel feierte am Wochenende die diesjährigen Interkulturellen Tage. „Wesel ist eine bunte Stadt“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Das spiegeln zum einen die dort lebenden Menschen wider: Aus über einhundert Nationen kommen sie. Ein anderer Beweis für die Vielfalt zeigt sich in den Bildern von Cihan Sarica, Vorsitzender des Integrationsrats. Unter dem Titel „Migrantinnen und Migranten entdecken Wesel“ zeigt seine Ausstellung im Rathaus die Stadt von vielen Seiten – bekannten, wie auch weniger bekannten.

„Es hat bereits Tradition, dass wir vor dem Neubürgerempfang eine Ausstellung eröffnen, die thematisch gut zu unseren Interkulturellen Tagen passt“, sagt Westkamp in ihrer Eröffnungsrede. Wie die neu eingebürgerten Menschen es jetzt tun, hat auch Sarica Wesel nach und nach entdeckt – und seine Erlebnisse noch dazu als Hobby mit der Kamera festgehalten. Seit mehr als fünf Jahren tut er das bereits, mehr als 4.000 Aufnahmen von Landschaften, Pflanzen und Gebäuden kamen nach Schätzung des Landschaftsmenschen, wie er sich selbst beschreibt, zusammen. „Ich möchte zeigen, was es hier Schönes gibt. Deshalb nehme ich spontan auf, was ich sehe.“ Das machte die Auswahl der rund 20 Bilder für die Ausstellung keinesfalls leichter.

Kleine Ecken ganz groß

Cihan Sarica
Die Fotos zeigen mal bekannte, mal weniger bekannte Ecken der Stadt. Gerne spielt Sarica dabei mit Farben.

Besucher sehen nicht nur bekannte Wahrzeichen und Orte wie die Rheinbrücke, den Wasserturm oder das Schwarze Wasser. Sarica hat auch ein Auge für Kleinigkeiten. Plätze, die profan wirken, eher beiläufig passiert werden und in denen die meisten deshalb eher wenig Fotoqualität erkennen würden, hat Sarica mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre eingefangen. „Kleine Ecken mache ich groß“, sagt er mit einem Lächeln. Zum Beispiel die alte, mit Graffiti versehene und vielleicht ein wenig schmuddelig wirkende Unterführung zwischen Friedensstraße und Busbahnhof. So können auch alte Hasen noch Neues entdecken oder aus anderen Perspektiven neu erleben. „Vielfältig, bunt, interessant und sie machen Lust auf mehr“, fasst Westkamp die Bilder zusammen.

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Cihan SaricaSaricas Beweggründe, neben der Freude an der Sache selbst, lassen sich mit denen eines Historikers vergleichen. „Ich möchte Geschichte hinterlassen.“ So sollen seine Nachfahren irgendwann die Möglichkeit haben zu sehen, wie Wesel früher einmal war.

Farbe bekennen

Ein Merkmal seiner Werke ist das Spiel mit Perspektiven und Farben. „Farbe macht glücklich“, führt er aus. Mit ihr möchte er Interesse wecken und dabei zeige sie zudem die Vielfalt, wie es sie auch unter den Menschen in Wesel gebe. In den Sozialen Netzwerken, wo er seine Bilder bereits früher mit anderen teilte, erntete sein Fokus auf Farben auch Kritik. Aber die nimmt er gelassen, lernte mit ihr umzugehen und findet sie sogar unabdinglich. So könne er schließlich seine Fähigkeiten verbessern. „Das treibt mich an“, sagt Sarica. Ganz nebenbei seien durch solchen Kontakt auch Freundschaften entstanden.

Und so kam es auch zur aktuellen Ausstellung, seiner ersten. Neben Kritik erhielt er nämlich auch Anregungen, seine Werke für andere öffentlich auszustellen. Und irgendwann wurde solch ein Vorschlag auch im Integrationsrat vorgebracht. „Dann habe ich herzlich gerne angenommen. Ich bin allen dankbar, die das unterstützt haben. Das macht mich stolz und glücklich.“

Für die künstlerische Zukunft hat Cihan Sarica keine besonderen Pläne, aber er möchte spontan bleiben. „Ich bin offen für Neues“, sagt er. Die Ausstellung befindet sich im Flur vor dem Büro der Bürgermeisterin.