KREIS WESEL. In den letzten Jahren hat das Thema Notfallambulanz organisatorisch wie auch medizinisch einen anderen Stellenwert bekommen. Das evangelische Krankenhaus in Wesel hat dem bereits vor zwei Jahren mit einem Umbau Rechnung getragen. In letzter Zeit hat es zudem einen weiteren Schritt vollzogen: die Erweiterung hin zur neuen Fachklinik für Akut- und Notfallmedizin, Rettungszentrum.

2019 kam bereits Prof. Jens Litmathe dazu, jetziger Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin und stellvertretender Ärztlicher Direktor. Seitdem seien viele Themen angegangen worden. „Uns ist sehr gelegen an einer guten Kontaktpflege mit dem Rettungsdienst, aber auch den niedergelassenen Ärzten, die unsere Zuweiser sind“, sagt Litmathe. Gemeinsam macht man im Team Fortbildungen, möchte die SOPs (Standard Operating Procedures) im Hause ständig verbessern und ab November ist das Krankenhaus akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg Essen. Und man entfernte sich vom Ambulanzwesen der einzelnen Fachabteilungen hin zu einer zentralisierten Notaufnahme.

Neu hinzu kam dieses Jahr die Aufnahmestation. „Wir versuchen, hohe Expertise in die Notfallambulanz zu bekommen, dort wo der Patient die Ersteinschätzung bekommt.“ Litmathe hat mittlerweile neben dem Pflegeteam ein eigenes Team aus Fachärzten: einen Facharzt der Allgemeinchirurgie, eine Neurologin, einen Chirurgen und ab Januar voraussichtlich einen Internisten. Litmathe selbst ist Facharzt für Herzchirurgie.

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Viel Raum

Die Notaufnahme erstreckt sich über knapp 1.000 Quadratmeter. „Wir haben insgesamt zehn Behandlungsräume und eine angeschlossene Aufnahmestation“, erzählt Litmathe. Auf letztgenannter entscheidet sich, ob ein Patient stationär aufgenommen wird oder eventuell nach Hause kann. „Hier treffen wir Entscheidungen, die ein wenig mehr Zeit brauchen, bis wir wissen, ob der Patient nach Hause gehen kann oder ins Krankenhaus muss. Zumindest an Werktagen ist sie rund um die Uhr in Betrieb.“

Praktisch und sicher: Infektionspatienten können in einen monitorisierten Raum gebracht werden, ohne mit ihm durch die Notaufnahme zu müssen. „Infektionen unter dem Personal konnten wir in der Notaufnahme gänzlich vermeiden.“ Vom Korridor aus können Mitarbeiter jedoch auch über eine Schleuse in den Raum gelangen. Sowohl aus dem Iso-Raum mit zwei Plätzen wie auch aus der Aufnahmestation mit ihren sechs Plätzen werden die Monitor-Daten an zentrale Arbeitsplätze geleitet. So behalten die Mitarbeiter den Zustand der Patienten im Blick.

Die weiteren Räume sind teils austauschbar und identisch, wodurch nach Standard behandelt werden kann. Teils haben die Räume aber auch gewisse Themen. Einer von ihnen ist der Schockraum und wartet mit einer gesonderten Ausstattung mit Beatmungsmöglichkeit, Reanimationsgeräten und einem eigenen Medikamentenschrank auf. Günstig sei, dass das CT direkt neben dem Schockraum liege. „Wir haben hier ganz kurze Wege, das wird der Notfallversorgung besonders gut gerecht“, sagt Geschäftsführer Heino ten Brink angesichts oft kurzer Zeitfenster für Maßnahmen.

Im Triage-Raum wiederum erfolgt die pflegerische Ersteinschätzung nach Leitsymptomen, also wie dringend der Fall des Patienten ist. Das passiert im Idealfall innerhalb von 10 Minuten. Ein Patient mit Atemnot zum Beispiel hat einen sofortigen Arzt-Kontakt.

Papierloses Arbeiten

An jedem Arbeitsplatz in der Notaufnahme gibt es eine EDV-Anbindung. „Wir sind praktisch papierlos“, sagt Litmathe. Alle Daten seien von überall her abrufbar. „Jeder Arzt und jede Schwester dokumentiert an jedem Ort, und zwar IT-geschützt.“

Gut 20.000 Patienten im Jahr werden in der Klinik behandelt. „Darunter sind auch viele ambulante Patienten, die nicht bei uns aufgenommen werden“, informiert ten Brink.