NIEDERRHEIN. Blues, Nilo und Luca brauchen erstmal eine Pause. Alle vier Pfoten von sich gestreckt, schließen sie die Augen und wirken zufrieden. Die drei Border Collies haben nämlich ein ausgefallenes Hobby: Sie tanzen. Na gut. Ganz allein machen sie das nicht. Ihre Tanzpartner sind ihre „Frauchen“ – und auch die kommen beim Training durchaus ins Schwitzen. Denn was so einfach und spielerisch aussieht, ist mit viel Disziplin, Arbeit und regelmäßigem Training verbunden. „Dafür macht es aber auch total viel Spaß – und zwar allen Beteiligten“, sagt Claudia Lamers. Die Kalkarerin ist amtierende FCI Vizeweltmeisterin in der Heelwork To Music (HTM) Mannschaftswertung und hat sich am vergangenen Wochenende im Westerwald ein Ticket für die Europameisterschaft gesichert. Im Oktober geht es nach St. Petersburg.

Im Slalom durch die Beine – passend zur Musik.

Beinslalom, Rückwärts gehen, Seitengänge, Drehungen und ganz viel rhythmische Bein- und Pfotenarbeit stehen für Claudia Lamers und ihren Blues auf dem Trainingsprogramm, während Trainingspartnerin Monika Gehrke und ihr Luca mit Sprüngen, Drehungen in der Luft und weiteren akrobatischen Einlagen aktuell eher im Bereich Freestyle zuhause sind. „Man muss sehen, was der Hund mitbringt und anbietet“, wissen die beiden erfahrenen Dogdancer. Zweimal in der Woche trainieren sie zusammen in Uedem in der Halle von Birgit Paas‘ Hundeschule „Rhythm­4dogs“. Die bietet, wie der Name schon vermuten lässt, neben Welpenstunde und klassischer Hundeerziehung auch spezielle Tanzkurse für Hund und Halter an. Außerdem finden hier regelmäßig kleinere Turniere statt.

Teamarbeit steht an erster Stelle

„Der Hund wird durch kleinste Körpersignale und möglichst leise Kommandos gelenkt“, erklärt Monika Gehrke, worauf es, zumindest später im Wettkampf, ankommt. Als offizielle FCI-Richterin muss sie es wissen. Die Fédération Cynologique Internationale mit Sitz im belgischen Thuin ist der Dachverband, in dem der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) Mitglied ist. Dem VDH angeschlossen sind zahlreiche Hundezucht- und Hundesport-Verbände – darunter auch der Verein Dogdance Deutschland. Sowohl im Turnier als auch beim Training steht Teamarbeit an erster Stelle. Und: Motivation ist (fast) alles. Mit Quietschtieren, Spielzeug und Wurststückchen sichern sich die Beiden die volle Aufmerksamkeit ihrer Vierbeiner. „Im Training läuft ganz viel über Belohnungen“, erklärt Lamers. Im Wettkampf sind „Leckerchen“ natürlich nicht erlaubt. Da geht es dann darum, mit einer gewissen Leichtigkeit möglichst synchron und fehlerfrei die einstudierte Choreographie zu präsentieren. Während der Hund seinen menschlichen Begleiter beim HTM nicht aus den Augen lassen darf, geht es beim Freestyle auch mal ohne ständigen Körperkontakt. Nur ohne Musik geht es nicht. Das macht für die beiden Dogdancer auch den Unterschied zu anderen Hundesportarten aus. „Wir tanzen und bewegen uns gern“, sagen sie. Die Harmonie zwischen Mensch und Tier – die hat es ihnen angetan.

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Ein starkes Team trainiert auch auf Augenhöhe.

Seit 2014 ist Claudia Lamers „Hunde-Tänzerin“. Damals hat sie sich von ihrer Freundin Monika anstecken lassen, die schon seit über 20 Jahren von dieser Sportart begeistert ist. „Vor Corona“ ist die Sonsbeckerin mit ihrem mittlerweile verstorbenen Border Collie Gigolo Jan sogar Weltmeisterin in der HTM Mannschaftswertung mit dem Team Germany geworden. Mit ihrem Nachwuchs-Tänzer hofft Gehrke, an ihre Erfolge anknüpfen zu können. Im November wird sie mit dem dann dreijährigen Luca in Stuttgart antreten, um sich zum ersten Mal mit ihm für das deutsche Team zu qualifizieren, das im April nächsten Jahres zur WM nach Paris fährt. Claudia Lamers und Blues sind dann natürlich auch mit von der Partie. Sie könnten sich dort zum dritten Mal einen Platz im deutschen Kader sichern.

Mehr Hundefreunde für den Sport begeistern

„Wir würden uns freuen, wenn sich auch am Niederrhein mehr Menschen für diesen Sport begeistern ließen“, rühren Lamers und Gehrke fleißig die Werbetrommel für die noch nicht so bekannte Hundesportart. Wer Fragen hat, kann sich gerne per Mail an claudia-kalkar@web.de wenden. Übrigens: Es muss nicht unbedingt ein dynamischer Border Collie sein. Willkommen sind alle Zwei- und Vierbeiner, die gemeinsam aufs Parkett möchten. Es gibt auch Dackel oder Berner Sennen-Hunde, die auf internationaler Ebene durchaus eine gute Figur machen.