Niederrhein-Vielfalt für Entdecker

Der fünfte Teil der NN-Sommerserie mit Tipps: Historisches, Sehenswürdigkeiten und vieles mehr machen die Region intereressant

Der im Norden des St. Viktor Doms Xanten gelegene Kreuzgang mit seinen sehenswerten Spitzbogen­arkaden entstand um 1445. NN-Foto: Theo Leie

NIEDERRHEIN. Der Nieder­rhein hat nicht nur eine unglaubliche Natur-Vielfalt zu bieten; die Region ist mit ihren historischen Zeugnissen und Sehenswürdigkeiten geradezu ein Eldorado für alle, die in die interessante Geschichte eintauchen wollen.

Planetenweg

Als älteste Stadt am Unteren Niederrhein versteht es sich, dass Rees und seine Ortsteile in Sachen Sehenswürdigkeiten viel zu bieten haben. Der Skulpturenpark mit begehbarer Bodensonnenuhr an der Stadtmauer ist Ausgangspunkt des einzigen Planetenweges am Niederrhein. Aber auch die Rheinpromenade mit Pegel-, Zoll- und Mühlenturm sowie Bronzeskulpturen wie „Zwiegespräch“ und „Freundschaft verbindet“, die unterirdischen Festungsanlagen, der jüdische Friedhof am Froschteich, der Battenbergturm und die Klosteranlage von Haus Aspel sind sehenswert. Viele der Sehenswürdigkeiten sind im Rahmen von Themen- und Gästeführungen zu erkunden.

„Golden Gate“

Wer über Emmerich spricht, denkt zwangsläufig an die bekannte Rheinbrücke, die längste Hängebrücke Deutschlands und aufgrund ihrer Bauweise und Farbgebung auch die „Golden Gate des Niederrheins“ genannt. Auch die neue, mehr als einen Kilometer lange Rheinpromenade hat sich nach ihrem Umbau zum Wahrzeichen der Hansestadt entwickelt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Schlösschen Borghees, das zu einer kulturellen Stätte für Ausstellungen und Konzerte geworden ist, der Drususbrunnen Hochelten im Ortsteil Elten sowie die verschiedenen Kirchen in der Hansestadt und ihren Ortschaften. Diverse Gäste- und Themenführungen bringen diese Sehenswürdigkeiten und ihre Geschichte den Besuchern Emmerichs näher.

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Schwanenburg

Schon von weitem sieht man die wohl markanteste Sehenswürdigkeit der Stadt Kleve: die Schwanenburg. Sie wurde 1020 erstmals in den Klosterrather Annalen erwähnt. Der um 1170 errichtete Rittersaal stand dort, wo sich heute der von Linden umsäumte Parkplatz im äußeren Burghof befindet. Ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand an der ehemaligen Burgmauer die doppelsitzige Toilettenanlage (mit Wasserspülung!), die im 15. Jahrhundert in den Bau des Spiegelturms integriert wurde. Bekannt ist die Schwanenstadt auch für die Historischen Gartenanlagen. Besonderer Blickfang ist bis heute das Amphitheater am Springenberg. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Park durch die Entdeckung einer Heilquelle zum Kurpark. In der Blütezeit von „Bad Cleve“ wurde 1872 das Kurhaus mit Kurhotel und Wandelhalle gebaut, das heutige Museum Kurhaus Kleve. Die Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt beeindruckt heute vor allem mit ihren mächtigen Trachytpfeilern. Vor der Nordseite der Kirche befindet sich das Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege von Ewald Mataré, das einen gefallenen Soldaten darstellt.

Susmühle und Steintor

Historie, Kultur und Modernes verbinden sich in Goch. Die Innenstadt kann man auf einem 3,5 Kilometer langen Rundgang kennen lernen. Unter anderem Teile der alten Stadtmauer, das Arnold-Janssen-Haus, das Langenberg-Haus und das Rathaus liegen auf dem Weg. Das Steintor, das Wahrzeichen der Weberstadt, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das „Haus zu den fünf Ringen“ ist Goch schönstes Bürgerhaus aus der Zeit um 1600. Mit ihrem roten Mühlrad ist die Susmühle an der Niers, die einzig erhaltene Wassermühle in Goch, ein weiteres beliebtes Fotomotiv. Kleine Besucher können übrigens ab sofort mit dem Löwen Leonhardus auf Entdeckungstour gehen. Kindgerecht aufbereitet, wird beim ersten Gocher Stadtquiz Geschichtliches vermittelt. Die kostenlose Broschüre gibt es im Rathaus, Markt 2.

Stadtmodell

Die Viehhirtin ist das Symbol für die Veepoort bei den Bronzeplastiken in Uedem.
NN-Foto: Archiv/Rüdiger Dehnen

Schöne Landschaft, Sehenswürdigkeiten und viel Geschichte – die Schustergemeinde Uedem hat einiges zu bieten. Unbedingt sehenswert ist der historische Ortskern, mit seinen Bronzeplastiken an der Vieh-, Mühlen-, Loh – und Mosterstraße, die auf die alten Stadttore aus dem Mittelalter hinweisen.
Auf dem Markt bildet der Seemann-Brunnen das Uedemer Motto „Wej träkke all an een tauw“ (Alle ziehen an einem Strang) ab. Zudem wurde kürzlich das Bronzemodell des historischen Uedemer Stadtkerns um 1700 auf dem Marktplatz aufgestellt.
Das Modell kann auch ertastet werden und stellt für den Kreis Kleve das erste historische Freiluft-Tastmodell eines geschlossenen Ortes dar.

Basilika

Viele Gläubige entzünden bei ihrem Besuch in Kevelaer am Kapellenplatz Kerzen.
NN-Foto: Gerhard Seybert

Kevelaer ist der größte Marien-Wallfahrtsort Nordwesteuropas. Seine historische Innenstadt ist alljährlich (ausgenommen in der Corona-Pandemie) das Ziel hundertausender Pilger. Geistliches Zentrum der Wallfahrtsstadt Kevelaer ist der Kapellenplatz, der optisch dominiert wird von der imposanten Marienbasilika.
Im Inneren dominieren farbenprächtige Ausmalung des bekannten Künstlers Friedrich Stummel und seiner Schüler. Die Orgel ist mit ihren 135 Registern die größte deutsch-romantische Orgel der Welt. Vis à vis der Marienbasilika steht die achteckige Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild der Trösterin der Betrübten. Das historische Ensemble auf dem Kapellenplatz wird ergänzt durch die aus dem Jahr 1645 stammende Kerzenkapelle.

Festungsstadt

Rheinberg, die ehemalige Zoll- und Festungsstadt mit ihrem his­torischen Flair in der Innenstadt erhielt schon 1233 die Stadt- und Befestigungsrechte durch den Kölner Erzbischof. Eine Zeitzeugin von damals ist die katholische St. Peter Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Rund um den Marktplatz entdecken die Besucher Bürgerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Orsoy ist heute ein Stadtteil von Rheinberg. Die alte Festungs- und Handelsstadt liegt direkt am Rhein. Bei Stadtführungen kann man Rheinberg und Orsoy besser kennen lernen (Informationen unter Telefon 02843/171114).

Spätgotische Architektur

Xanten hat eine historische Innenstadt. Wer vom Marktplatz durchs Michaelstor geht, betritt die Immunität. Der mächtige Viktorsdom ragt empor, rundum sind die alten Häuser der Kanoniker und der Ziegelhof, wo einst die Bischofsburg stand. Direkt am Marktplatz steht das Gotische Haus, das 1540 erbaut wurde und zu den wenigen gut erhaltenen Beispielen für die spätgotische Architektur am Niederrhein zählt. Von der alten Stadtbefestigung sind noch einige Türme erhalten. Vom Klever Tor aus sieht man die Kriemhildmühle. Sie wurde auf einen der ehemaligen Wehrtürme der Stadtmauer gebaut und Anfang des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen.

Plaggenhütte

Sehenswert in Alpen-Bönninghardt ist die Plaggenhütte. Die ersten Siedler kamen um 1770 auf die Bönninghardt. Sie und ihre Nachfahren lebten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in sehr armseligen Verhältnissen. Alte Ackergeräte und Innenausstattung zeigen das frühere Leben auf der Bönninghardt.

Gomman‘sche Mühle

In der Ortsmitte von Sonsbeck erhebt sich die sogenannte Gomman‘sche Mühle. Es handelt sich hier um eine Turmwindmühle vom Typ Bovenkruyver. Die erste Inbetriebnahme erfolgte wahrscheinlich ab 1840. Heute wird das Gebäude für Austellungen genutzt. Am Geologischen Wanderweg liegt die Gerebernus-Kapelle (Wallfahrtskapelle). Die einstige Hofkapelle in der Keimzelle des „alten Sonsbeck“ stammt aus römischer Zeit. Entlang der römischen Heerstraße Xanten-Geldern-Venlo gab (und gibt es noch immer) in heutiger Nachbarschaft zur Kapelle, einen befestigten Wachtposten – den Römerturm .

Kloster

St. Bernardin in Sonsbeck-Hamb (St.-Bernardin-Straße 65) ist ein ehemaliges, denkmalgeschütztes Kloster, das seit 1993 zur Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein gehört. Die Wohnanlage ist von einem weitläufigen Park mit altem Baumbestand umgeben, der zahlreiche Besonderheiten bietet (unter anderem Laubengang, Streuobstwiese, Streichelzoo, Kneippbecken, Minigolfplatz, Spielplatz). Er ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ortskern ist ein Denkmal

Mit seinen 120 denkmalgeschützten Häusern steht der gesamte historische Ortskern der Gemeinde Wachtendonk unter Denkmalschutz mit übergeordneter Bedeutung. Den Besuchern zeigt sich ein historisch geschlossenes und malerisches Stadtbild aus der Zeit vergangener Jahrhunderte wie kaum anderswo am Niederrhein. Die architektonische und zum Teil auch die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt Wachtendonk vom Mittelalter bis heute ist am historischen Ortskern ablesbar und nachvollziehbar. Hierfür sorgt zum einen der unveränderte Stadtgrundriss mit der seit 1560 verbürgten Straßenführung. Die geschlossene Stadtsiedlung des 17. und 18. Jahrhunderts ist nahezu vollständig erhalten.
Zahlreiche herausragende Gebäude stammen noch aus der Zeit vor dem letzten großen Stadtbrand 1708. Geschichtliche Hintergründe finden die Besucher an den Gebäuden. Zudem kann man sich beim Stadtrundgang mit dem Smartphone über QR-Codes die Informationen anzeigen lassen. Einen gedruckten „Rundgang durch den historischen Ortskern Wachtendonk“ gibt es in der Touristeninformation Haus Püllen. Hier können auch geführte Stadtrundgänge gebucht werden. Ein kleiner Abstecher lohnt sich auch zur Burgruine Wachtendonk, die am linken Niersufer am südlichen Ortsrand liegt. In den 1960er Jahren wurden die Fundamente der Burganlage bei Ausgrabungen freigelegt und zum Teil wieder aufgemauert. Die Ruine ist heute jederzeit frei zugänglich.

Sommerserie
Endlich Ferien! Für eine abwechslungsreiche und spannende Ferienzeit am Niederrhein bieten die NN in den kommenden Wochen viele Tipps und Ideen. Der Niederrhein bietet für jeden etwas – langweilig wird es hier in den Ferien ganz sicher nicht.