WESEL. Seit 2011 informierte ein entfaltbarer Flyer Touristen und Anwohner gleichermaßen über die Denk- und Ehrenmäler in Wesel. Dieser ist mittlerweile nicht nur vergriffen, nach Ansicht der Stadt war außerdem eine Überarbeitung überfällig. Nach intensiver Hintergrund-Recherche liegt das Ergebnis nun mit einer Erstauflage von 5.000 Stück vor: die 34-seitige Broschüre „Denk- und Ehrenmäler in Wesel“. Diese liefert Informationen zu 44 Erinnerungsstücken zu den verschiedensten Themen.

„Es ist eine deutliche Weiterentwicklung“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp im Vergleich zum alten Flyer, der noch 41 Denkmäler umfasste. Neben Neuzugängen lassen auch Profi-Fotografien von Stephan de Leuw und der Stadt die bekannten Denkmäler in neuem Licht erstrahlen. Die Informationen wurden sorgfältig überarbeitet und erzählen nicht nur zusammengefasst die Hintergrundgeschichte, sondern verorten die Werke auch auf einem großzügigen Kartenabschnitt. Wer mehr erfahren möchte, kann zudem einen Blick in das Quellenverzeichnis riskieren.

Der größte Teil der Sehenswürdigkeiten widmet sich den Kriegsopfern und Gefallenen. Da wäre zum Beispiel das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Foto). 1964 eingeweiht, erinnert es an die Zerstörung Wesels im zweiten Weltkrieg. 1945 wurden 97 Prozent des Stadtgebiets in Schutt und Asche gelegt. Da verwundert die Verzweiflung der Figur angesichts der Sinnlosigkeit des Krieges nicht. Der Künstler Hans van Breek, eigentlich Hans Breker, wollte sich mit der Namensänderung vom Werk seines in der NS-Zeit erfolgreichen Bruders Arno abgrenzen.

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Aber auch das Gedenken an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger findet sich in dieser Denkmal-Gruppe. Dazu zählt das Mahnmal am Willibrordi-Dom.

Die zweitgrößte Gruppe sind die Ehrenmäler für herausragende Persönlichkeiten der Stadt. 10 Werke widmen sich unter anderem Konrad Duden und Ida Noddack. Letztere entdeckte das chemische Element Rhenium.

Ältestes Denkmal der Stadt

Das älteste Denkmal Wesels geht auf das Jahr 1835 zurück. Der Preuße Karl-Friedrich Schinkel entwarf damals das Schilldenkmal, das an die auf Napoleons Befehl auf den Lippewiesen hingerichteten elf Offiziere erinnert, die sich dem Aufstand unter Major Schill anschlossen. Das Grabmal steht am Hinrichtungs- und Begräbnisort.

„Es ist ein großes Glück, ein Werk von Schinkel zu haben. Er war ein Allroundgenie des Klassizismus“, sagt Sarah Heidebroek, Kulturbeauftragte der Stadt Wesel. Der Aufbau orientiert sich an antiken Vorbildern, demnach nutzte der Künstler Merkmale griechischer Tempelarchitektur. Zu sehen sind unter anderem Personifikationen der trauernden Borussia und der geflügelten Viktoria an einem Altar mit einem „malleus“ (Beil) und einer „patera“ (Schale). Dadurch nahm der Künstler Bezug auf die Bildsprache im römischen Opferkult.
Das jüngste Denkmal wiederum ist die Fährmann-Stele in Bislich von 2019. Die Mundart-Gruppe erinnert an die jahrhundertealte Fährgeschichte und würdigt die gefährliche Arbeit über dem Rhein. Wie breit die thematische Vielfalt der Denkmäler ist, beweisen auch die Grabdenkmäler in Diersfordt, die Stiftertafel am Altenheim am Dom oder die Gedenksteine für verlorene Kirchen und Kapellen.

Für Westkamp ist die Broschüre auch für die Weseler Bürger interessant, um mehr über die eigene Stadtgeschichte zu erfahren: „Zwischen Sehen und bewusstem Wahrnehmen ist ein Unterschied“, weiß sie.

Die Broschüre soll in zukünftigen Auflagen weiter aktualisiert werden. Unter Umständen folgt sogar eine Übersetzung ins Englische. Exemplare liegen aus in der Stadtinformation, im Rathaus, im Centrum und im Stadtarchiv. Links zu einer Liste der Denkmäler und zur digitalen Broschüre unter wesel.de/rathaus-online/alle-aktuellen-meldungen/neue-broschuere-denk-und-ehrenmaeler-wesel.