KREIS KLEVE. „Notgeld“ – der Begriff weckt Assoziationen von Weltwirtschaftkrise, galoppierender Inflation und Schubkarren voller Scheine, mit denen ein einziger Laib Brot bezahlt werden musste. Tatsächlich hat die Corona-Pandemie Künstler, Theatermacher und Musiker ähnlich hart getroffen; ihnen in weiten Teilen quasi ein monatelanges Berufsverbot auferlegt.

Doch Kreativität lässt sich auf Dauer nicht ausbremsen, wie das Projekt „Notgeld“ beweist, an dem 13 Künstler aus der Region beteiligt sind. Linoldrucke in Form eines Geldscheins, die an Interessierte verkauft werden, sollen auf die Notlage der Künstler aufmerksam machen. Bereits im März wurde zum Tag der Druckgrafik deutschlandweit dazu aufgerufen, solche Drucke in Form eines Geldscheins anzufertigen, zu verkaufen und damit einen kleinen Teil der Lücke in der Auftragslage der Betroffenen zu füllen.

Eigendynamik

Die Mail eines Freundes brachte Martin Lersch vor knapp zwei Monaten dazu, diese Idee auch am Niederrhein umzusetzen. Er wandte sich daraufhin an die Gocher Druckwerkstatt Vir3. Diese hat sich mit ihrem Druckgrafikkalender, der auf dem Moyländer Weihnachtsmarkt verkauft wird, und ihren Exlibris (Bücherzeichen/Buchmarke) einen Namen gemacht. „Ich habe angerufen und es war so, als hätten wir uns schon immer gekannt“, erinnert sich Lersch an den Beginn der Zusammenarbeit. Dass es 13 Künstler werden würden, damit hatte Stefan Vüllings (Vir3) zunächst gar nicht gerechnet: „Ich dachte, es machen drei oder vier mit, aber dann hat sich nach den ersten Anrufen eine Eigendynamik entwickelt.“ Alle Künstler haben bereits an druckgrafischen Kalendern mitgewirkt.

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Im Museum Goch kann die Edition ab sofort besichtigt werden. NN-Foto: CDS

So sind 27 ganz unterschiedliche, individuell gestaltete Motive, die zwischen fünf und 25 Euro kos­ten, entstanden: Corona-Kohle, Sänger-Notgeld, Figürliches oder Katzengeld. Auch eine Hommage an den Beuys’schen Hasen ist dabei. „Die Unterschiedlichkeit der Motive ist sehr spannend“, so Martin Lersch. Die Platten für die Scheine wurden von Hand aus Linol geschnitzt und dann auf der Heidelberger Tiegelpresse bei Vir3 in Pfalzdorf gedruckt. Ein großes Lob für die Qualität des Notgeldes, das auf 90 Gramm-Olin-Papier gedruckt wurde, geht von allen Künstlern an Vir3. Die Drucke sind vom jeweiligen Künstler handsigniert. Jedes Motiv ist in einer Auflage von 150 Stück angefertigt worden. Das ganze Paket mit den 27 Motiven gibt es für 310 Euro.

„Fun Fact“ am Rande: Aus der Presse sind insgesamt 46.361,50 Euro Notgeld gekommen. Natürlich komplett legal und rein künstlerisch. „Es wäre aber nicht das erste Mal, dass Künstler mit ihrem Werk ein Essen bezahlen“, schmunzelt Museumsdirektor Dr. Stephan Mann und unterstreicht: „Für vergleichsweise wenig Geld gibt’s Kunstwerke.“ Im Gocher Museum kann die Edition ab sofort besichtigt werden. Den Museumschef begeistert die Solidarität, die mit dem Projekt zum Ausdruck kommt: „Der Vereinzelung wird eine Form von Gemeinschaft entgegen gehalten; es zeigt das Potenzial, das unsere Region hat, wo miteinander Ideen entwickelt werden.“ Es werde zugleich das Zeichen gesetzt „Wir sind da!“ Und mit dem Begriff „Notgeld“ zu arbeiten, findet Dr. Mann „absolut genial“. Den solidarischen Gedanken betont auch Anno Ixfeld (Vir3): „Es gibt einen gemeinsamen ,Pott’, der an die beteiligten Künstler ausgeschüttet wird.“ Die Einnahmen aus den öffentlichen Verkäufen wandern hier hinein und werden durch die Anzahl der Notgeld-Scheine des Künstlers geteilt. „Ich denke, dass die Aktion für uns auch noch nicht abgeschlossen ist“, so Ixfeld, „aus der 1. Edition kann noch etwas entstehen.“ Und als Arbeit hat Vir3 das Ganze sowieso nicht betrachtet: „Es macht uns ja Spaß“, sagt Stefan Vüllings.

Beteiligt sind neben Martin Lersch und Vir3 (Stefan Vüllings, Anno Ixfeld und Andreas Reimer) auch Elisabeth Schink, Simone Jänke, Brigitte Gmareich-Jünemann, Heiner Linne, Eva Sand, Gesine Lersch-van der Grinten, Maren Rombold, Marco Henkenjohann, Klaus Franken, Janna Nielen und Wilfried Porwol. Das Notgeld ist erhältlich bei den Künstlern persönlich (sie­he hierzu auch www.vir3.de), im Museum Goch, in der Buchhandlung Hintzen in Kleve und unter www.atelier-rombold.de