KLEVE. „Wenn das mal gut geht“, sagt die Gattin. „Ich sach ma nix“, sage ich. Dann fahren wir los: Mae sitzt vorn. Autofahren ist ihre Sache nicht. „Wir sind ja gleich da“, sage ich. „Du wirst sehen, es macht Spaß.“ Man nennt so etwas auch Selbsthypnose, denke ich. Dann parken wir vor dem Tiergarten …

Der Chef kommt sofort

Mae ist eher skeptisch… (NN-Fotos: HF)

Wir stehen an der Kasse. Frauchen, Mae, der Reporter. Das Telefon schellt. „Ich melde mich, wenn er da ist“, sagt die Frau an der Kasse. „Ich bin da“, sage ich. „Sie sind also der Herr von den Niederrhein Nachrichten?“ „Genau.“ „Der Chef kommt sofort. Gehen Sie doch schon mal durch.“
Martin Polotzek kommt mit dem Dienstrad. „Ich dachte, Sie warten noch an der Kasse“, sagt er. „Ich wollte Ihnen doch die Tickets geben.“ Drei Stück. Eines für die Dame. Eines für den Schreiber. Eines für den Hund.

Seit dem 5. Juli lockt der Klever Tiergarten mit einem Hundemontag. „Wir hatten immer schon sehr viele Anfragen von Hundebesitzern“, sagt der Chef, „und da haben wir uns entschlossen, mal einen Hundetag anzubieten.“ Die Sache kommt gut an. Am ersten Hundemontag: 32 Vierbeiner nebst – zwingend erforderlicher – menschlicher Begleitung.

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Merkzettel

Für die Hundebesitzer ein Merkzettel: „Damit alle Zwei- und Vierbeiner einen entspannten Besuch erleben, bitte wir Sie, folgende Regeln zu beachten: Pro erwachsenem Besucher darf nur ein Hund mitgeführt werden. Insgesamt jedoch nicht mehr als drei Hunde pro Gruppe. Hunde dürfen nicht in begehbare Anlagen wie den Streichelzoo. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf unsere Tiere und achten Sie darauf, dass Ihr Hund sich ruhig verhält. Hunde müssen immer beaufsichtigt werden. Kotbeutel erhalten Sie kostenlos an der Kasse. Als Halter haften Sie für Schäden, die durch Ihren Hund entstanden sind. Bei Verstoß gegen die Verhaltensregeln kann Ihr Hund vom Tiergartenbesuch ausgeschlossen werden.“
Erwachsene zahlen 5 Euro Eintritt, Hunde die Hälfte. Genau gesagt zahlen ja die Hundehalter.

Hochkonzentriert

„Drehen wir eine Runde“, sagt Martin Polotzek. Mae geht mit Skepsis an die Sache. Man, pardon: Hund weiß ja nie. Schon sind erste Kollegen in Sicht. Sie wirken irgendwie alle hochkonzentriert, wie sie so an kurzer Leine Kontakt zum tierischen Personal aufnehmen. Martin Polotzek sieht es so: „Mit dem Hundetag bieten wir einerseits den Besuchern etwas Besonderes, aber für unsere Tiere ist das ja auch eine Abwechslung.“ Die Sache kommt an. „Sind Sie hier der Chef?“, fragt eine Dame mit Dackel. „Ja“, sagt Polotzek. Dann wird der Hundetag über den grünen Klee gelobt. Die Dame ist eigens aus Geldern angereist, um ihrem Dackel etwas zu bieten. „Eine super Idee.“

Hundejahreskarte?

Wie war denn der erste Hundemontag? Gab es Beißereien? Wie waren die Kontakte zwischen Hunden und dem tierischen Personal? „Es ist ganz ruhig zugegangen. Wissen Sie, es ist ja so: Menschen, die mit ihren Hunden zu uns kommen, sind doch tierlieb. Am letzten Montag haben wir viel Lob bekommen für diese Idee.“

Eine der Fragen: Wird es demnächst auch Jahreskarten für Hunde geben? Polotzek: „Noch sind wir ja in der Erprobungsphase.“ Noch ist also alles möglich. Warum eigentlich der Montag? „Wir haben den Montag gewählt, weil zum Wochenanfang das Besucheraufkommen nicht ganz so hoch ist. Samstage oder Sonntage wäre nicht so gut. Da ist zu viel los. Das würde schlimmstenfalls Stress für alle Beteiligten bedeuten.“

Polarfuchs

Mae hat sich mittlerweile mit dem Strauß bekannt gemacht. Reaktion: Sehr verhalten. Zu weit oben der Straußenhahn. Zu respekteinflößend wie er von ganz weit oben gefühlt unfreundlich nach unten schaut. Ziegen und Schafe? Eher uninteressant. Das hat man als Dorfhund alles schon gesehen. Aber ein Polarfuchs – das ist mal was anderes. Da drückt man sich ans Gitter. Riecht ja auch gut. Aus dem Käfig dringt, als Mae die Runde fortsetzen will, ein fast babyhaft klingendes Klagen. Eine Pflegerin taucht auf und fragt den Chef: „Was war das?“ Aha – bisher also war der Polarfuchs ein stummer Polarfuchs. „Ich hatte unseren Fuchs tatsächlich noch nie gehört“, sagt Polotzek. Na bitte: Wofür die tierische Interaktion so alles gut ist. Bei den Silberfüchsen ein ähnliches Spiel. Großes Interesse auf beiden Seiten.

Spalier stehen

Dann die Lamas. „Die sind sehr neugierig“, sagt der Chef. Und tatsächlich: Da stehen sie Spalier am Zaun. Fein aufgereiht. Auch der Dackel aus Geldern zeigt Interesse. „Nimm doch Mae mal auf den Arm“, bittet der Schreiber das Frauchen und das Lama schnuppert kurz mal an den Hundepfoten. Alles friedlich. Mae sieht etwas ängstlich aus. „Keine Angst. Das Lama beißt nicht. Es will nur spielen.“ So herum geht es also auch. Ein Ziegenbock randaliert am Zaun. Klar: Der Nachwuchs muss beschützt, Hunde müssen eingeschüchtert werden. Bei Mae funktioniert das – am besten fühlt es sich in Mamas Wind- und Sichtschatten an. Mae: Ehrfürchtig bis beeindruckt, aber auch sehr interessiert. Mein schönstes Ferienerlebnis, denke ich: Das wäre doch mal ein Aufsatzthema. Aber ich fürchte, Mae hat keine Lust auf Schreiben.

Trinkstationen

Nach einer Stunde: Ende des Rundgangs. Ach ja – überall im Gelände verteilt: Trinkstationen für die Hunde. Polotzek und seine Leute haben an alles gedacht. Am Ende: Hund und Halter zufrieden. Schade, dass es jetzt wieder los geht mit dem Autogejammer, denke ich, als ich Mae den Schlag öffne. Wir steigen ein. Kein Mucks vom Hund. Die Dame ist geschafft, denke ich. Da gibt‘s jetzt einiges zu verarbeiten. Später durchlebt Mae im Traum den Tiergartenbesuch. Es sieht nicht nach einem Albtraum aus. Am Ende: entspanntes Schnarchen.

Gespräch mit der Gattin. „War doch super, oder? …Ich sach ma nix.“ „Was macht der Hund?“ „Tiefenentspannt. Träumt. Schnarcht.“ „Kann man empfehlen.“ Ich interpretiere: Wir kommen wieder. Heiner Frost