Die Bienen von Ranzow

KLEVE. Peter Oster ist Reiseleiter. Seinen Kunden muss er keine Flugtickets verkaufen: sie fliegen selber. Butter bei die Fische: Oster ist Imker. Im Nebenberuf. Eigentlich ist er Schreiner. Er arbeitet als Hausmeister bei der evangelischen Stiftung in Kleve.

Eine Anfrage

Neulich bekam Oster eine Anfrage: Ob er sich vorstellen könne, das eine oder andere Volk auf dem Gelände des Seniorenhauses Burg Ranzow in Materborn zu „stationieren“. Das war am 15. Juni. Osters Bienen waren noch „im Raps“ – hatten woanders zu tun. Circa zwei Wochen später rückte Oster mit zwei Völkchen an. „Ein großes Volk kann schon mal bis zu 60.000 Bienen haben.“ Plus Weisel – so nennt man die Königin.

Ranzow-Völkchen

Die Ranzow-Völkchen – für Bienenverhältnisse überschaubar: circa 20.000 Bienen.
Für Jutta Manz geht es bei der Aktion vor allem darum, Aufmerksamkeit für Bienen und Imker herzustellen. Das freut Peter Oster, der aber auch erklärt: „Wenn heute vom Bienensterben die Rede ist, das sind in erster Linie die Wildbienen gemeint.“ Trotzdem hat er seine Völker gern „zur Burg“ gebracht. „Die werden jetzt auf Dauer hier bleiben“, sagt er. Oster ist – wie wahrscheinlich die meisten Imker – auch einer, der viel zu erzählen hat.
Auf die Frage, ob denn die Bienen auf dem Gelände überhaupt genügend Blüten finden, sagt er: „Der Wohlfühlradius für eine Biene beträgt circa zwei Kilometer. Wenn Sie dann mal einen Kreis um den Standort ziehen, kommen Sie ziemlich weit. In diesem Umkreis gibt es reichlich Blüten.“ Die wichtigste Nahrungsquelle für Bienen seien Bäume und nicht so sehr Blumen. „Stellen Sie sich einfach mal vor, wie viele Blüten ein einziger Baum trägt, dann verstehen Sie, was ich meine.“ Klar: Viel Bäume, viel Essen.

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Schleudertrauma

Übrigens geht das Bienenjahr dem Ende zu. „Spätestens in zwei Wochen werde ich die Waben aus den Kästen nehmen. Dann wird Honig geschleudert.“ Wir merken uns: Für Bienen hat das Wort Schleudertrauma wahrscheinlich eine andere Bedeutung. Eigentlich gemein. Da haben die fleißigen Bienen geackert und dann kommt jemand und klaut ihnen den Honig. „Sobald ich die Waben aus den Kästen nehme, werden die Bienen mit Ersatznahrung versorgt.“ Ein Tauschgeschäft also.
Was passiert am Ende des Bienenjahres? Werden die Kästen dann abgeholt? „Die Kästen bleiben hier.“ Halten Bienen eigentlich Winterschlaf? „Nein, aber sie halten Winterruhe. Wenn die Temperaturen unterhalb von vier Grad Celsius sind, werden Sie draußen keine Biene mehr fliegen sehen.“

Bienenhotel

Wird es denn den Honig auch im Speisesaal geben? Oster kann sich vorstellen, dass er in Ranzow auch ein bisschen Honig zum Verkauf hinstellt. „Honig verkaufen geht immer – die Produktion ist aber an die Bienen gebunden und im Winter wird nun mal kein Honig gesammelt.“ Jutta Manz wiederum kann sich vorstellen, dass Oster im kommenden Jahr für die Bewohner auch mal einen Vortrag zum Thema Bienen und Honigproduktion hält.
Noch mal zurück zu den Wildbienen. Was kann man tun, wenn man die Wildbienen unterstützen möchte? „Schaffen Sie sich ein Bienenhotel an. Wichtig ist beim Installieren: Ausrichtung strikt gen Süden. Das ist sehr wichtig. Alles andere ergibt sich dann.“
So – schnell noch ein Foto. Am besten Bienen und Imker. Oster öffnet vorsichtig einen der beiden Bienenkästen. „Eigentlich ist das so kurz vor dem Ende des Bienenjahres keine gute Idee. Die Waben sind jetzt fast alle randvoll. Da kann es passieren, dass die Tiere nervös werden.“ Am Ende passt alles perfekt. Oster und die Bienen: die Ruhe selbst. Ruhe ist überhaupt ein Stichwort – falsch: Unruhe ist ein Stichwort. „Wenn Sie mit Bienen zu tun haben, dann sollten sie ruhige, langsame Bewegungen machen. Die Tiere merken es, wenn jemand nervös ist und Angst hat.“ Kennen denn die Bienen „das Herrchen“? Oster denkt, das sei nicht so.

Stichwort Unruhe

Abschlussfrage: Warum tragen Imker eigentlich weiße Kleidung? Nun ja – dunkel ist der Braunbär, der ansonsten den Honig klaut. „Eisbären nehmen den Bienen nicht den Honig weg.“ Was lernen wir: Die Bienen sind nicht nur Flug- und Tanztalente. Sie kennen sich auch mit Braun- und Eisbären aus. „Bienen und Wespen reagieren in Nestnähe auf dunkle und flauschige Flächen recht nervös“, heißt es im Internet. Dunkel plus flauschig gleich Braunbär.
Mit dem Lernen allerdings sieht es eher finster aus, denn die Tiere sollten irgendwann schon merken, dass Weiß den Honig klaut.