RHEURDT. Rheurdter Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren hatten an zwei Tagen Gelegenheit, auf besonders coole Weise in die Ferien zu starten. Beim Skate-Workshop bekamen Anfänger wie auch erfahrene Skater nicht nur Abwechslung vom Corona-Alltag, sondern lernten unter Anleitung neue Tricks und viele neue Leute kennen. Die Gemeinde stellte die Örtlichkeiten, während Westenergie den Workshop und die dazugehörigen Dreingaben sponsorte. Für die fachgerechte Umsetzung und Begleitung vor Ort war die Organisation „Skate-Aid“ dabei.

Eigentlich sollte das Skatevergnügen im Freien auf dem Bürgermeister-Beelen-Platz stattfinden. Das unbeständige Wetter zwang die Organisatoren jedoch zu einer Umsiedlung in die Turnhalle am Schulweg. Den Spaß verhagelte das aber niemandem.

Rund 40 von 50 möglichen Anmeldungen lagen am ersten Tag bereits vor. Ein Ergebnis, das sich nach Meinung von Bürgermeister Dirk Ketelaers durchaus sehen lassen kann. „Für unsere Kommunengröße finde ich diese Zahl gar nicht schlecht.“ Ein „perfekter Fereienstart“ sei der Workshop ebenso.

-Anzeige-

Westenergie arbeitet schon seit fünf Jahren mit „Skate-Aid“ zusammen. „Aber wir brauchen auch Kommunen, die es vor Ort umsetzen“, erklärt Frithjof Gerst­ner, Kommunalmanager bei Westenergie. Die jungen Menschen würden sich durch den Workshop nicht nur bewegen, sondern auch viel lernen. „Zum Beispiel innere Stärke und Selbstbewusstsein.“ Neben vielen spannenden Tricks gehört auch das Fallen zum Skaten dazu. Richtig zu fallen, das lernten die Teilnehmer hier auch. Und dazu gehört immer wieder das Aufstehen – wie im echten Leben.

Eigenes Board basteln

„Skaten erlebt wieder einen Boom, auch dank Corona“,sagt Jonas Steinert, Workshop-Koordinator von Skate-Aid. „Und mittlerweile hat man sich auch an die neue Normalität gewöhnt.“ Man wisse nun, wie man mit der Lage umzugehen habe. Im Falle von Rheurdt und wegen der Verlegung nach drinnen kamen die Teilnehmer dieses Mal jedoch nicht an der Maske vorbei.

Während die einen ihr eigenes Skateboard zusammenschraubten – welches sie zusätzlich zu einem T-Shirt auch behalten durften – legten die anderen zunächst mit Leihboards los, um dann später selbst Hand anzulegen. „Das hilft, eine persönliche Beziehung zum Board herzustellen“ sagt Steinert.

Das drei Coaches umfassende Team stellte sich individuell auf die Kinder ein. „Wir lassen sie erst einmal rollen.“ Bei Fragen oder Unsicherheiten waren sie dann zur Stelle.
Das Verhältnis von Anfängern und erfahrenen Skatern sei gut gemischt, wie Steinert erklärt. Zum Lernprogramm gehört, vor allem für die Anfänger, unter anderem der typische erste Sprung: der „Ollie“. Er ist die Grundlage für viele weitere Tricks, das Gleichgewicht zu halten ist hier das entscheidende.

Nicht nur für Jungs

Als „bewegungsorientierte Gesinnungsgenossenschaft“ bezeichnet Steinert das Skaten. Auch viele Mädchen begeistern sich dafür, in Rheurdt waren rund ein Drittel der Teilnehmer weiblich. Wie Steinert erzählt, hätten Frauen sogar einen Vorteil. „Sie haben einen tieferen Schwerpunkt. Sie haben einen besseren Bezug zum Gleichgewichtssinn.“

Interessant ist auch die Geschichte zum ersten internationalen Projekt des Vereins, als dieser 2004 einen Skatepark in Afghanistan baute. „Viele Mädchen dort dürfen keinen Sport treiben“, erzählt er. Da Skaten jedoch nicht als solcher zähle, sei die weibliche Skater-Szene dort viel größer als die männliche. Mittlerweile ist der Verein in 18 Ländern aktiv, das nächste Projekt findet in Nepal statt. „Wir machen Kinder stark“, zitiert Steinert den Slogan des Vereins. Und nicht zu vergessen: „Skaten macht auch unheimlich viel Spaß.“

Die Titus Dittmann-Stiftung brachte 2009 „Skate-Aid“ auf den Weg und hält die Rechte an der eingetragenen Marke.