River-Boat

KLEVE. Jan-Welm van Baal ist Kapitän. Okay – eigentlich ist er Bootsführer: mit Lizenz. Sein Kahn schippert immerhin auf einer Bundeswasserstraße. Da darf nicht einfach jeder mal eben so ein Boot zu Wasser lassen und sich auf den Weg machen. Ordnung muss sein.
Jan-Welm van Baal ist also Bootsführer. Van Baal arbeitet für die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK). Er hat noch 90 Tage bis zum Ruhestand.

Taschentücher

„Meine Frau hat schon Taschentücher gekauft“, sagt van Baal. Freudentränen oder Abschiedstränen? Der Käptn schweigt.
Es war vor zwei Jahren – da machten Karsten Koppetsch, seines Zeichens Vorstand der USK und Michael Offenberg, Betriebsleiter der Stadtentwässerung, Bekanntschaft mit „Truxor“. Truxor ist ein Boot – eben jenes, mit und auf dem Jan-Welm van Baal von April bis September jeweils montags, mittwochs und freitags (bei Bedarf auch zusätzlich) zum ‚Fischen‘ ausläuft. Was allerdings in der Schaufel des Bootes landet, ist nicht etwas Essbares mit Schuppen sondern – wie soll man sagen: Müll aus dem Fluss. Das ist natürlich eine unzulässige Übertreibung, denn bei 95 Prozent dessen, was van Baal ‚auf die Schippe‘ nimmt, handelt es sich um organisches Material. Der Rest: Fahrräder, Einkaufswagen, Rollerteile, Flaschen – was Menschen halt so in den Fluss werfen.

Das Revier

Van Baals Revier erstreckt sich auf dem Kermisdahl vom Wendehammer an der Mensa der Hochschule Rhein-Waal bis zum Ruderclub. Und was ist mit dem Rest der Wasserstraße? Karsten Koppetsch: „Auf Höhe des ehemaligen Hallenbades beginnt das Naturschutzgebiet. Da dürfen wir nicht ohne Ansage einfach reinfahren.“ Okay – das kann man nachvollziehen. „Was ansonsten im Wasser landet, treibt ja später zwangsläufig auch in das Gebiet, in dem unser Boot unterwegs ist“, sagt Michael Offenberg. Apropos Boot: Gibt es einen Namen? Man erfährt, dass Firmenname und Bootsname irgendwie identisch sind. Alle nennen das Boot Truxor. Die Bootskennung: DUR-G 789.

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Mini-Bagger

38 PS hat der Dieselmotor des Truxor. „Der Motor, der das Boot antreibt, wird sonst in Mini-Baggern verbaut“, erklärt der Bootsführer. Seit dem Frühjahr 2019 ist er mit ‚seinem‘ Truxor im Einsatz und der Chef sagt: „Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Es gab ja, bevor wir das Boot in den Einsatz gebracht haben, durchaus auch Beschwerden über die Verschmutzung im Kermisdahl. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.“ Und der Bootsführer ergänzt: „Es ist schon toll, wenn ich mit dem Boot unterwegs bin. Die Leute grüßen freundlich. Das macht richtig Spaß.“ Also dann doch Abschmiedsschmerztränentaschentücher am letzten Arbeitstag?

Zu riskant

Liegt der Truxor eigentlich im Wasser, wenn er nicht gebraucht wird? Karsten Koppetsch zeigt auf einen Wagen mit Hänger. „Wenn die Arbeit fertig ist, wird das Boot auf den Hänger geladen und abtransportiert.“ Es einfach irgendwo am Ufer zu vertäuen wäre denn doch zu riskant.
Hat eigentlich schon mal jemand van Baals Bootsführerschein kontrolliert? Michael Offenberg: „Bis jetzt nicht. Aber darum geht es am Ende nicht. Es geht darum, dass alle, die mit dem Boot arbeiten, ohne den Bootsführerschein keinen Versicherungsschutz hätten.“ Zwei bis drei Monate dauert die Ausbildung: Theorie und Praxis. Gibt es eigentlich den Truxor auch in einer elektrischen Version? Karsten Koppetsch: „Wenn Sie sich vorstellen, was das Boot an Leistung bringen muss, dann wäre am Ende eine Batterie wahrscheinlich so groß und schwer, dass man nur noch unter Wasser arbeiten könnte.“ Nun ja – im Fernsehen machen sie Werbung für Autos mit mehr als 200 PS und Elektromotor. Okay: Man muss mit denen nicht über Wasser bleiben.

Einsitzer

Ach ja: Das Boot ist ein Einsitzer. Van Baal: „Natürlich könnte sich jemand neben mich stellen, aber das würde dann das Boot aus der Waage bringen. Dann würde die Schaufel nicht richtig im Wasser liegen.“ Übrigens kann das Boot nicht nur Dinge aufsammeln. „Wir können damit auch mähen“, erklärt van Baal.
Googelt man „Truxor“, erscheint unter anderem folgende Beschreibung: „Die Schwimmfähigkeit, kombiniert mit dem geringen Bodendruck und der sehr guten Steuerbarkeit zeichnet diese funktionale Maschine aus. Mit Schilf-, Tiefenmesser, Fangkorb und Sammelrechen ist der Truxor die perfekte Maschine für die Gewässerpflege.“ Na denn. Ahoi.

Michael Offenberg, Jan-Welm van Baal und Karsten Koppetsch (v.l.n.r.). NN-Foto: Rüdiger Dehnen