Trennung löst Krisen aus – Beraterinnen unterstützen

AWO-Beratungsstelle für Paare und Familien hilft Zukunft neu gestalten

RHEINBERG. Trennungen und Scheidungen tun weh. Sie stürzen Partner in Krisen, sie krempeln das ganze Leben um. Wenn Kinder mit betroffen sind, leiden sie meist besonders. Wie gut, dass es in solchen Situationen in der AWO Beratungsstelle für Paaare und Familien in Rheinberg kompetente Ansprechpartnerinnen gibt. Sie können helfen, Klarheit zu gewinnen, das Leben für alle Beteiligten harmonisch zu gestalten.

Gisela Török (l.) und Annemarie Schweighofer-Brauer (r.) unterstützen Paare und Familien in Krisensituationen, um ein Leben weiterzuführen, das das Kinderwohl im Fokus hat.
NN-Foto: Lorelies Christian

Natürlich sind Verletzungen, Untreue oder Liebesentzug nicht einfach wegzustecken. Doch bei allen Vorwürfen dürfen Paare nie vergessen, dass sie für ihre Kinder Eltern bleiben – lebenslang. Sie müssen lernen, weiter miteinander zu kommunizieren zum Wohl ihrer Kinder.

Gisela Török ist bereits seit 20 Jahren in der AWO Beratungsstelle tätig. Zunächst war die Stelle im Haus der Begegnung untergebracht, seit November 2019 in der alten Kellenerei. Sie berät Einzelne, Paare oder Familien bei Konfliktbewältigungen. Außerdem bietet sie seit 15 Jahren Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche, deren Eltern sich trennen oder geschieden sind. Sie weiß: „Besonders schlimm ist es, wenn Eltern quasi über ihre Kinder miteinander sprechen. Zum Beispiel, sag mal dem Papa, wenn du das nächste Mal bei ihm bist, soll er dir was Vernünftiges anziehen. Kinder belastet es, wenn sie zwischen den Eltern stehen. Sie fühlen sich schuldig an der Trennung. Wir vermitteln den Eltern, wie wichtig der Umgang miteinander gerade auch für die Kinder ist. In den Gruppen merken die Kinder, dass sie nicht alleine solche Situationen aushalten müssen und können darüber sprechen.“

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Die neue Mitarbeiterin

Annemarie Schweighofer-Brauer ist seit Januar als Beraterin in Rheinberg tätig – als Nachfolgerin von Anne Bell. Die gebürtige Österreicherin ist seit 2017 beim AWO Kreisverband Wesel beschäftigt. Zuletzt war sie im Psychosozialem Zentrum für Flüchtlinge in Moers tätig. Ihre Ausbildung absolvierte sie in psychologischer Beratung und Gestalttherapie, zurzeit erlernt sie zusätzlich Mediation.

Unterschiedliche Beratungangebote

Bei Paaren, die sich auf Anraten des Gerichts, des Jugendamtes oder aus eigenem Antrieb bei der AWO Beratungsstelle melden, finden die Beraterinnen im Erstgespräch heraus, welche Unterstützung die Hilfesuchenden brauchen. Annemarie Schweighofer-Brauer erklärt das so: „Bei der Beratung bringe ich mich bei dem Gespräch ein. Ich stelle Fragen, gebe Impulse, vermittle. Bei der Mediation gebe ich nur die Gesprächsstuktur vor, so dass die beiden Partner selbst Lösungen entwickeln können. Das ist ein friedliches Sich-Austauschen für Menschen, die sich in unlösbar scheinenenden Konflikten verheddert haben. In beiden Fällen sind die Gespräche immer freiwillig und ergebnisoffen. Es geht darum, dass getrennte oder geschiedene Eltern den Umgang, die Betreuung, das Sorgerecht und die Kommunkation so gestalten, dass die Kinder nicht leiden durch die Trennung der Eltern. Der Fokus liegt eindeutig auf das Kindeswohl.“
95 Prozent der Paare, die sich bei der AWO-Beratungsstelle Hilfe suchen, haben Kinder. Gut 300 Beratungen führen die beiden Mitarbeiterinnen im Jahr durch. Dabei sind sie teilzeitbeschäftigt (26 1/2 und 19 1/2 Stunden). Für Menschen aus dem Gebiet des Kreisjugendamtes Wesel und Rheinberg sind die Beratungen kostenfrei.
Corona hat die Arbeit erschwert und das Leiden
verstärkt

Corona hat die Arbeit auch in diesem Bereich erschwert.

war das Büro komplett geschlossen. Telefonische Beratung war aufgrund der familiären Situation oftmals schwierig, später gab es Online-Gespräche. Diese wurden gut angenommen, so dass sie als Alternative auch weiterhin im Angebot bleiben werden. Trotzdem ist der persönliche Kontakt aussagekräftiger und effektiver – auch wenn die Masken die Mimik teilweise verdecken.

Neues Angebot für junge Leute

Fest steht bereits, dass Corona das Leiden vieler Menschen verstärkt hat. Die Beraterinnen haben dabei auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren im Auge. „In dem Alter, wo man normalerweise die Welt für sich entdeckt und sich von den Eltern mehr löst, waren die jungen Leute ans Zuhause gebunden. Sie konnten sich kaum mit Gleichaltrigen treffen, nichts unternehmen. Bei dieser Isolierung sind sie auf der Strecke geblieben. Die Gesellschaft hat sie nur als Schüler wahrgenommen. Gerade dieser Zielgruppe möchten wir spezielle Gesprächsangebote machen.“, erklärt Gisela Török ein neues Angebot.
Beide Beraterinnen machen übereinstimmend die Erfahrung, dass es Menschen, die Verluste erleiden, trauern, Angst haben, gut tut, darüber zu sprechen. Sie öffnen sich, können sich im Gespräch entlasten.

AWO Beratungsstelle für Paare und Familien
AWO Beratungsstelle für Paare und Familien, Alte Kellnerei, Innenwall 104, 47495 Rheinberg; www.awo-kv-wesel.de: Terminvereinbarung erforderlich per mail an bpf@awo-kv-wesel.de oder telefonisch 02843 95 97 76 Die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht Die Angebote für Einzel-, Paar- oder Familiengespräche sind in der Regel kostenfrei