NIEDERRHEIN. Die Bundesnetzagentur (BNA) hat die Bundesfachplanung für den Planungsabschnitt D der Gleichstromverbindung A-Nord abgeschlossen. Damit steht jetzt im Bereich zwischen dem Kreis Borken und dem Netzverknüpfungspunkt Meerbusch-Osterath der 102 Kilometer lange Korridor für den Trassenverlauf fest. Anstelle den Rhein bei Wallach zu queren, geht es über Rees (West).

Damit hat sich die BNA unter den Vorschlägen von Amprion für den auch vom Unternehmen favorisierten Verlauf entschieden. Amprion ist für den Bau und späteren Betrieb der Leitung verantwortlich. „Die Entscheidung hat uns gefreut, denn eine andere hätte Komplikationen und erhöhte Aufwendungen in der Bauumsetzung bedeutet“, sagt Projektleiter Dr. Jörn Koch und bezieht sich dabei vor allem auf einen höheren Zeitaufwand.

Über Rees gebe es nun weniger Siedlungen einzuplanen. „Der Grad der Bebauung ist viel enger im Bereich der Korridoralternative über Voerde oder Wallach“, sagt Koch. Das mache die Sache auch mit Blick auf die Planfeststellung leichter. Die Leitungskreuzung mit der Zeelink ist ein weiterer Punkt. „Bei einer Korridorführung über Wallach wäre es zu einer Vielzahl von Kreuzungen gekommen, nicht nur, aber vor allem mit Zeelink. Das in Kombination mit der dichteren Siedlungsstruktur hätte die Umsetzung erschwert.“

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Ein Nachteil sei bei der aktuellen Planung allerdings die um 2,8 Prozent längere Leitung. Trotzdem würden die Vorteile den Nachteil definitiv überwiegen. „Das führt dazu, dass wir technisch effizient und wirtschaftlich bauen können“, sagt Projektsprecher Jonas Knoop.

Der Korridorverlauf

Auf Abschnitt D von A-Nord beginnt der festgelegte, 1.000 Meter breite Korridor auf dem Gebiet der Stadt Borken. Nach seinem Verlauf vorbei an Hamminkeln geht es weiter südwestlich, um nach Querung der A3 auf Reeser Stadtgebiet Richtung Süden abzuknicken. Der Korridor umgeht das Wasserschutzgebiet Wittenhorst und verläuft danach weiter zum Hagener Meer, das er quert. Dasselbe gilt für die Bundeswasserstraße Rhein bei Haffen.

Linksrheinisch quert er Xanten-Obermörmter, um dann in Kalkar-Appeldorn südlich bis zur Querung der B57 weiterzulaufen. Der Korridor umgeht dann den Uedemer Hochwald, trifft auf Sonsbeck, wonach Gebiete bei Kevelaer, Kapellen und Hamb, Issum, Hartefeld, Sevelen und Kerken folgen, ehe es in den Kreis Viersen geht. Bei der Streckenplanung achtet Amprion nach eigener Aussage darauf, schützenswerte Gebiete wie Wälder so gut es geht zu umgehen.

Schutzstreifen für die Kabel

Der jetzt bestimmte Korridor ist jedoch nur das Suchgebiet, innerhalb dessen schließlich in einem 24 Meter breiten Schutzstreifen zwei Systeme beziehungsweise Kabeltrassen mit jeweils 1.000 Megawatt Leistung gelegt werden. Das entspricht dem Bedarf von zwei Millionen Menschen. Der Schutzstreifen bleibt danach unbebaut, um einen später vielleicht nötigen Zugriff zu gewährleisten. Eigentümer oder gegebenenfalls Pächter bekommen aber eine Entschädigung für die Einschränkung ihrer (Nutz)Fläche. Noch dieses Jahr sollen von den Plänen Betroffene angeschrieben werden. Die genaue Linienführung innerhalb des Korridors wird nach Anträgen von Amprion in einem weiteren Verfahren von der BNA abgewogen und entschieden. „Mit dem Bau wollen wir schnellstmöglich beginnen, sobald wir die Planfeststellungsbeschlüsse haben“, sagt Knoop.

Im Laufe des Jahres 2021 soll zunächst die gesamte Bundesfachplanung für A-Nord abgeschlossen werden, „anschließend beginnt unmittelbar der Antrag auf Planfeststellung“, sagt Knoop. Für dieses Planfeststellungsverfahren rechnet Amprion mit einer Dauer von zwei Jahren. Wenn die Beschlüsse dann voraussichtlich Ende 2023 oder Anfang 24 vorhanden sind, kann der Bau beginnen. Dafür rechnet das Unternehmen mit drei weiteren Jahren.

Die rund 300 Kilometer lange Gleichstromverbindung A-Nord wird im Rahmen der Energiewende verlegt und transportiert Windstrom aus dem Norden Niedersachsens bis nach Nord­rhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Kosten belaufen sich dabei auf rund zwei Milliarden Euro.