Innenstädte
Die FDP-Ortsverbände Emmerich und Kleve sprachen über die Herausforderungen und Zukunft der Innenstädte. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

EMMERICH/KLEVE. Allzu leicht hatten sie es länger nicht mehr, aber die Pandemie hat die schwierige Lage der Innenstädte noch weiter befeuert. Um die bestehenden Herausforderungen zu erörtern und darüber zu diskutieren, wie den Innenstädten nach der Krise neues Leben einzuhauchen ist, luden die FDP-Ortsverbände Kleve und Emmerich zu einer digitalen Konferenz ein. Input lieferten auch einige Gäste: Stephen Paul, Landtagsabgeordneter und Sprecher der FDP-Landtagsfraktion im Ausschuss für Heimat, Kommunales, Bauen und Wohnen, der Gelderner Wirtschaftsförderer Lucas van Stephoudt sowie die Emmericher Wirtschaftsförderin Sara Kreipe.

Das erste große Thema war der Leerstand in den Innenstädten. Der Stand am Abend: sieben verwaiste Lokale in Kleve, in Emmerich 19 und ebenso viele, wie Stephoudt zum Vergleich erzählte, in Geldern. 2018 seien es aber noch 24 gewesen. Denn es gibt auch Ideen, mit denen dieser Entwicklung entgegengewirkt wird und weiterhin werden soll.

So bietet Geldern zum Beispiel eine Online-Plattform für Händler mit Hilfen und Informationen, etwa zu Soforthilfen, Marketing und Digitalisierung. Die zunehmende Bedeutung der digitalen Welt ist auch den Verantwortlichen in Emmerich bewusst. Diese habe man laut Kreipe den Händlern nähergebracht, Workshops angeboten und bei Förderantragsstellungen geholfen. „Es gibt Händler, die den Nutzen gesehen haben.“ Aber wie weit das Umdenken wirklich stattgefunden hat, kann sie nicht sagen. „Ich denke, da haben wir noch eine Menge Arbeit.“

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Ein weiterer Ansatz sind die Stadtgutscheine, wie es sie schon in Geldern gibt. Auch wenn es in Kleve noch nicht umgesetzt werden konnte, seien diese in Emmerich geplant, wie Luca Kersjes, 1. Vorsitzender des Emmericher Ortsvereins, sagt. Kreipe erklärt jedoch, dass die Händler in der aktuellen Lage nicht genug davon profitieren könnten und der Start sich daher verzögere.

Förderungen als Chance für Innenstädte

In eine andere Richtung geht das Leerstands-Sofortprogramm, an dem die Stadt Geldern teilnimmt: Hierüber kann sie günstig Ladenlokale anbieten, wie Stephoudt erklärt. Die Kontakte dafür pflegt eine Citymanagerin. In solch einem Vorgehen sieht Stephoudt eine Win-Win-Situation, denn: „Jeder Leerstand führt zu noch mehr Leerstand.“ Angesichts der Online-Konkurrenz verweist er zudem auf die Möglichkeit, neben dem Einzelhandel auch Kultur- und Begegnungsstätten anzusiedeln.

Die Bedeutung der verschiedenen Förderungen betont auch Paul. „Die Region wird schon gut vom Land gefördert“, rund vier Millionen Euro würden schon für wichtige Maßnahmen in Kleve und Emmerich fließen. Andere Möglichkeiten böten zum Beispiel die Experimentierklausel in der Landesbauordnung, die baurechtliche Hürden senke sowie die verbesserte Förderung für Digitalcoaches.

Hürden für den Einzelhandel

Die Gewerbetreibenden, die teilnahmen, beschäftigt vor allem zwei für ihren Erfolg maßgebliche Faktoren: Erreichbarkeit und ausreichende, nahe Parkplätze. Ferdi Schumacher, Mitbetreiber des Unverpackt-Ladens in Kleve, sieht in schlechten Parksituationen und hohen Gebühren eine gefährliche Hürde. „Es wird teuer, wenn man in der Stadt einkaufen möchte, günstiger ist es in außenliegenden Supermärkten.“ Mitarbeiter ohne Wohnsitz in Kleve müssten zudem hohe Parkgebühren zahlen, ebenso wie Handwerker teils Strafzettel beim Be- und Entladen zu falschen Zeiten bekämen. Auch die Anlieferung von Waren gestalte sich unnötig kompliziert. „Ich stelle mir vor, dass junge Unternehmen im Zweifelsfall lieber woanders ansiedeln.“

Als weiteren Faktor nannten die Teilnehmer zudem die Bequemlichkeit der Menschen. Denn je weniger Parkplätze vor Ort, je schwieriger ein Geschäft ohne Auto zu erreichen und je weiter es weg sei, desto schwerer werde es für Gewerbetreibende.

Diese Sicht kennt Stephoudt auch aus Geldern. Parkplätze seien hier ein Reizthema, selbst wenn sie wegen Bauarbeiten nur zeitweilig wegfielen. „Ich verstehe das. Lange Fußgängerzonen sind auch nicht zwingend zuträglich für Händler. Je weiter Parkplätze entfernt sind, desto höher ist die Leerstandsquote.“

Für eine Veränderung der Verkehrslage spricht sich Paul aus. Er plädiert unter anderem für eine Öffnung von Nebenstraßen für den Verkehr, den teilweisen Rückbau von Fußgängerzonen und gezielte Abrisse, um neue Möglichkeiten zu schaffen, etwa für Begegnungsräume. Es gelte, „alte, nicht passende Zustände zu ändern. Wir sollten dafür sorgen, dass es Förderungen gibt und dass wir rechtliche Hürden senken oder beseitigen.“