KREIS WESEL. Egal ob Enkel, Anwalt oder Polizist: Trickbetrüger hüllen sich in viele Verkleidungen, um arglose Menschen mit ihren Tricks um das Ersparte zu bringen. Ziel sind vor allem ältere Menschen. Um weiter gegen die gut vorbereiteten Organisationen vorzugehen, verteilt die Volksbank Niederrhein in Zusammenarbeit mit der Polizei des Kreises Wesel nun mit Fragen bedruckte Umschläge. Beantwortet man zwei davon mit ja: sofort die Polizei verständigen. Ausgegeben werden die Umschläge bei Verdacht, wenn Kunden ungewöhnlich hohe Geldbeträge abheben.

Verbrecherorganisationen machen keine Ferien, daher kann Guido Lohmann vom Vorstand der Volksbank von einem frischen Fall aus einer der Geschäftsstellen erzählen.
So wollte vor kurzem ein nervös wirkendes, älteres Ehepaar 25.000 Euro abheben. „Das ist relativ ungewöhnlich und meist kündigen die Kunden das an“, sagt Lohmann. Die Bänkerin, der die Nervosität aufgefallen war, fragte nach dem Zweck. „Das ist eine schwere Frage, schließlich ist die Diskretion zu wahren.“

Trotz des anfänglich abwehrenden Verhaltens erfuhr die Bänkerin, dass die Tochter des Paares in einen Verkehrsunfall mit tödlicher Folge verwickelt worden sein soll. Wie der vermeintliche Staatsanwalt dem Paar mit Nachdruck am Telefon sagte, sollte das Geld die Kaution für die Tochter sein. Anstelle zu zahlen, konnte die Angestellte das Paar jedoch überzeugen, sich an die Polizei zu wenden. „Der Schaden konnte so in letzter Sekunde abgewendet werden.“

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Wie Landrat Ingo Brohl erzählt, setze man für die Aufklärung an mehreren Stellen an, bei denen Kontakt zu älteren Menschen bestehe, zum Beispiel in Apotheken und Impfstellen. „Der letzte Punkt, wo wir es verhindern können, ist in den Geldinstituten.“

Kein Grund, sich zu schämen

Betrüger
Diese Fragen sollen Betroffenen helfen, sich vor Betrügern zu schützen.

Sowohl Brohl als auch der leitende Polizeidirektor Rüdiger Kunst können die Perfidie der Methoden der Betrüger gar nicht genug betonen. „Sie Ganoven zu nennen wäre noch zu harmlos“, sagt Kunst. Wie Frank Postfeld vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz sagt, würden die Betrüger Hilfsbereitschaft, aber auch die Arglosigkeit ausnutzen, vor allem auf emotionale Befangenheit setzen und so ihre Opfer über Stunden unter Zugzwang setzen. Dabei würden sie zudem Fehler ausnutzen, etwa durch geschickte Fragen, die ihnen dann Informationen liefern. „Die Täter sind hochprofessionell“, oft operierten sie aus Callcentern aus dem Ausland heraus, erklärt Kunst.

Deshalb gebe es auch als Opfer keinen Grund, sich zu schämen, wie Kunst und Brohl betonen. Da die Täter oft in einer Region aktiv sind, hilft der Polizei jede Meldung, um weitere Taten im Umkreis zu verhindern. 2020 gab es im Kreis Wesel rund 1.000 aktenkundige Sachverhalte, aber die Prävention greift: Nur 57 davon waren erfolgreich, 2019 lag diese Zahl noch bei rund 100, 2018 bei 160. Trotzdem, „das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Kunst über die Dunkelziffer.

Zielgruppe solcher Präventionsmaßnahmen sind aber nicht nur ältere Menschen, sondern auch deren Kinder und Enkel. Denn im Gespräch könnten diese ihre Eltern und Großeltern ebenfalls weiter sensibilisieren. Für die Verteilung der Umschläge laufen derzeit noch Gespräche mit anderen Instituten. „Die Bereitschaft ist sehr hoch“, sagt Brohl.

Grundlegende Tipps gegen Betrüger

Um den Betrügern das Leben schwer zu machen, hat Postfeld noch ein paar grundsätzliche Tipps: „Fordert jemand Geld, sofort auflegen.“ Dann gelte es, in der Familie oder bei der Polizei Hilfe zu suchen. Um dennoch für Notfälle in der Familie vorzusorgen, könne man Codewörter absprechen. Und wenn sich jemand als Polizist ausgibt: „Die Polizei ruft nie mit 110 an und sie fragt auch nicht nach sensiblen Daten.“

Aber trotz aller Vorsicht werden Verbrecher auch weiterhin Erfolg haben. Für Opfer gibt es daher auch Hilfestellungen beim Opferschutz der Polizei.