Liebe gewinnt: Bundesweite 
Aktion für Liebe ohne Sünde

Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena segnet am 6. Mai alle Paare – auch gleichgeschlechtliche

GELDERN. Für die oberste Behörde der katholischen Kirche rund um Papst Franziskus ist gleichgeschlechtliche Liebe weiterhin eine Sünde, die in der katholischen Kirche nicht gesegnet werden soll. Die römische Glaubenskongregation sagte am 22. Februar einmal mehr „Nein“ zu den Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare – und erhielt dafür sogar Kritik aus den eigenen Reihen. Die Begründung des Vatikans („Wir segnen nicht die Sünde“) sei ein Schlag ins Gesicht für Menschen weltweit, die zum Teil ein Leben lang um ihre Art zu lieben ringen und dafür lange genug diskriminiert worden seien – auch von der Kirche, sagt Pastor Christian Olding von der Gelderner Pfarrei St. Maria Magdalena. 

Liebe gewinnt
Die Regenbogenfahne steht für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen. Pastor Christian Olding und Pastor Heiner Dresen (v.l.) wollen mit ihrer Aktion erreichen, dass sich auch die katholische Kirche für andere Lebensweisen öffnet. NN-Foto: Theo Leie

Das zur Pfarrei gehörende Innovationsprojekt „Vision von Hoffnung“ hat deshalb gemeinsam mit weiteren Initiatoren aus der katholischen Kirche eine bundesweite Kampagne mit dem Titel „Liebe gewinnt“ gestartet. Am Donnerstag, 6. Mai, soll in der Veerter St. Martin Kirche die Liebe gleichgeschlechtlicher Paare und Menschen, die sich nach einer Ehe neu verliebt haben, im Rahmen eines Gottesdienstes ab 19 Uhr mit einem Einzelsegen bekräftigt werden.

Liebe ist für alle da

Die Pfarrei St. Maria Magdalena möchte damit ein deutliches und vor allem öffentliches Zeichen setzen, dass Liebe für alle da ist. „Gott ist die Liebe. Er entscheidet. Deshalb ist es auch nicht theologisch begründbar, weshalb gleichgeschlechtliche Paare oder Menschen, die sich nach einer zerbrochenen Ehe neu verliebt haben, keinen Segen erhalten sollen“, sagt Olding. Von der Entscheidung des Vatikan sei er daher enttäuscht worden. „Es ist Ein Schlag ins Gesicht für alle Seelsorger und Theologen, die Menschen in entscheidenden Situationen ihres Lebens den Segen zusagen, den Gott allein schenkt“, sagt Olding. Die Meinung des Vatikan entspreche auch nicht mehr der heutigen Zeit, in der Menschen von der Gesellschaft ermutigt würden, so zu leben, wie sie es sich wünschen.

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“Ein Segen durch die Hintertür ist beschämend”

Zur Realität der Kirche gehöre bisher allerdings, dass eine Segensfeier für homosexuelle Paare und für Menschen, die sich nach einer zerbrochenen Ehe neu verlieben, meist heimlich passieren müsse. „Ein Segen durch die Hintertür ist jedoch beschämend – für die zu Segnenden und für die Kirche“, findet Olding. Die Pfarrei St. Maria Magdalena lebe deshalb etwas anderes vor. „Wir sprechen uns ganz klar dafür aus, den Segen Gottes für alle Liebenden zu erbitten“, sagt Olding. Dafür erhalte die Pfarrei viel Zuspruch aus der Gemeinde.

Vom Vatikan wünsche er sich, dass künftig mehr die Meinung der Basis der katholischen Kirche – nämlich der Pfarreien vor Ort – angehört werde. „Wir haben schließlich den engsten Kontakt zur Gemeinde“, sagt Olding. Kirche dürfe sich nämlich nicht von den Menschen vor Ort entfremden. Allerdings seien unterschiedliche Meinungen keine Seltenheit. „Die gibt es ebenso wie in der Politik auch in der Kirche“, sagt Olding. 

Bunte Vielfalt an Lebensentwürfen

Die Pfarreien wollen nun ihrer Meinung mit der bundesweiten Kampagne „Liebe gewinnt“ Aufmerksamkeit geben. Die Kampagne solle sichtbar machen, wie sehr viele Menschen in der Kirche die bunte Vielfalt der verschiedenen Lebensentwürfe und Liebesgeschichten von Menschen als Bereicherung und Segen empfinden. St. Maria Magdalena lädt deshalb am 6. Mai um 19 Uhr alle Liebenden in die Veerter St. Martin Kirche ein, um Gottessegen zu erhalten – ganz egal ob sie gleichgeschlechtlich oder nicht, verheiratet oder unverheiratet sind. Alle sollen an diesem Abend einen Segen ganz ohne Heimlichkeit erhalten. 

Neben der Feier, die zirka eine halbe Stunde dauern wird, möchte die Pfarrei im Anschluss Filmaufnahmen aufnehmen. Unter anderem sollen Segnungsmomente und Kussszenen der Paare aufgezeichnet werden. Die Aufnahmen sollen am 10. Mai – dem eigentlichen bundesweiten Aktionstag – auf dem YouTube-Channel „Vision von Hoffnung“ der Pfarrei St. Maria Magdalena veröffentlicht werden. Der 10. Mai ist dabei nicht zufällig ausgewählt worden: „Am 10.Mai ist laut ökumenischen Heiligenlexikon einer der Gedenktage des Noah. Er ist in der Bibel der Stammvater aller Geschlechter. Gott sandte ihm den Regenbogen als Zeichen seines Bundes. Der Name Noah bedeutet übersetzt: Der Ruhe Bringende, der Tröster.“

Um das ganze Projekt „Liebe gewinnt“ in der aktuellen Corona-Situation gut und verantwortungsbewusst planen zu können, bittet die Pfarrei alle Paare, die auch bereit sind, sich filmen zu lassen, um eine Anmeldung zur Feier per E-Mail an info@visionvonhoffnung.de.