Kempkens’ Seniorenresidenz

KLEVE. „‚Die Namen der Gecken stehn an allen Ecken‘, sagt meine Frau.“ Sagt Udo Kempkens – und wenn auch sein Name noch nicht an allen Ecken steht: Ein bisschen geck ist er schon. Gut geck.

Seniorenresidenz

Kempkens macht in Immobilien – manche baut er auch selbst. Ja und dann wäre da noch der Herzblutteil: die Seniorenresidenz an der Krohnestraße. Die Bewohner: allesamt Privatpatienten in gutem Zustand. Mindestaufnahmealter: 30 Jahre. Gehhilfen werden nicht gebraucht.
Wer es durch das große Rolltor in die Rezeption schafft, hat gleich diesen ganz speziellen Duft in der Nase. Schluss mit lustig – Butter bei die Reifen: Kempkens sammelt Oldtimer. Was er in den letzten 15 Jahren zusammengesammelt hat, kann sich sehen lassen.

Leider …

Apropos Sehen: „Wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre, hätten wir das hier schon im letzten Jahr eröffnet. Jetzt wissen wir leider nicht, wann es endlich losgehen kann.“ Wir – das sind Udo, sein Sohn Robin und Wachhund Spencer. Und was, bitte, soll eröffnet werden? Kempkens möchte seine Schätzchen auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. „Das hier soll eine Art privates Museum sein – geöffnet an zwei oder drei Tagen pro Woche.“ Und wie sieht‘s mit dem Eintritt aus? „Ich stell `ne Spendendose auf“, sagt Kempkens, der sich freut, wenn jemand Spaß hat an dem, was er zusammengetragen hat.

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Erst mal tanken

Von Mofa über Moped, Motorrad und Autos bis hin zu Lastwagen gibt es einiges zu sehen, das Oldtimerfanherzen höher schlagen lassen dürfte. Sind die denn auch alle fahrbereit? „Na klar. Das gehört dazu“, sagt Kempkens. Vor dem Losfahren allerdings müsste wahrscheinlich erst mal getankt werden.

Die Fahrt zum Standesamt

Das eine oder andere der guten Stücke – so Kempkens‘ zweite Idee – soll auch vermietet werden. „Zum Beispiel der hier“, sagt er und baut sich vor einem feuerrotsuperschönen Porsche 356 auf. „Der ist jetzt für eine Hochzeit gebucht.“ Mist, denke ich: Ich bin schon verheiratet. Und die Silberne ist auch noch nicht so lange her. Vielleicht den Nachwuchs unter die Haube bringen und dann die Braut zum Standesamt fahren …

NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Amis

Kempkens‘ Herz schlägt vor allem für die Jeeps. Und mein Sohn ist eher für die Amis. Ist das nicht irgendwie dasselbe? Naja – das eine sind halt Jeeps, das andere eher „Schlitten“.
Natürlich gibt es zu jedem Gefährt eine Geschichte. „Die Florett da hinten“, sagt Kempkens und deutet auf ein Moped, „die habe ich von meinem Vater.“ Auch ein Schmuckstück ersten Ranges: Der Renault 4 CV. [Das “CV” ist die übrigens  die Bezeichnung für die französischen Steuer-PS, die nach einer bestimmten Formel berechnet werden.”]

Daneben die legendäre „Ente“: Citroen 2 CV. Was war denn Kempkens‘ erstes Auto: „Das war ein R4.“
Irgendwie erinnert sich fast jeder an „das Erste“, denke ich. Ich hatte einen Lada. Der meist gehörte Kommentar damals: KGB.
Das Besondere am Renault 4 CV: die „Selbstmordtüren“. Die vorderen Türen sind quasi gegen die Fahrtrichtung angeschlagen; Klinke vorn. Öffnet man in voller Fahrt, dürften die Türen dem Druck nicht standhalten und irgendwie nach hinten wegfliegen. Andererseits: Damals wurde „volle Fahrt“ noch anders buchstabiert. Versuchen sollte man das Öffnen während der Fahrt trotzdem besser nicht. Und dann steht da gleich die nächste Legende. Die BMW Isetta. Einstieg an der Frontseite. Eine Tür. Fertig aus.

Schrauber?

Stimmt es eigentlich, dass Oldtimer-Fans geniale Schrauber sind? „Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist“, sagt Kempkens, „ich würde nicht mal einen Anlasser erkennen.“ Mit anderen Worten: Fahren ja – Schrauben nein. Rund 35 Senioren hat Kempkens gesammelt, aber wer ein echter Sammler ist, hört natürlich nicht auf. Kempkens hat noch eine ausführliche Wunschliste.
Übrigens: „Alt“ ist nicht nur bei Autos sein Hauptinteresse. Der chronische Fan deutschen Schlagerliedguts setzt auch beim Wohnen auf Älteres: „Ich mag alte Sachen.“