Freundeskreis Nigeria: Besser lernen mit Xantener Hilfe

Der Freundeskreis Nigeria finanziert eine Schule in Westafrika / Der Bau hat bereits begonnen

XANTEN. In einer lange Halle mit offenen, kurzen Mauern sitzen die Schüler dicht an dicht auf dem Boden oder an Tischen mit Holzbänken. Wind oder Regen bekommen sie und ihre Lehrer beim Unterricht stark zu spüren. Auf den ersten Blick erinnert nur wenig an eine Schule. Doch für die wissbegierigen Kinder in Nigeria ist das Alltag. „Seit Ende des Biafra-Krieges 1970 wurde das Bildungssystem im südlichen Teil Nigerias stark vernachlässigt“, erzählt Klaus Wolfertz vom Freundeskreis Nigeria der der Eine-Welt-Gruppe Xanten. Die Schulgebäude sind mittlerweile stark verwahrlost. Mike Chukwuma, der gebürtig aus Nigeria stammt und mit dem Wolfertz eine tiefe Freundschaft verbindet, hat einen Hilferuf nach Xanten gesendet.

Mithilfe von Spenden und einer finanziellen Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen kann die Initiative nun eine Primarschule (vergleichbar mit einer Grundschule in Deutschland) finanzieren; 14.000 Euro kommen vom Land und weitere 2.400 Euro von privaten Spendern des Freundeskreises Nigeria. Die Arbeiten in Afrika sind bereits gestartet.

Freundeskreis Nigeria
Grundschüler in Nigeria in ihrer typischen Schuluniform. Foto: privat

Das neueste Projekt des Freundeskreises Nigeria ist schnell in Gang gekommen: Erst Anfang Januar dieses Jahres erreichte Wolfertz die Anfrage von Chukwuma. Den damaligen Theologie-Studenten, der heute in Österreich am Bodensee wohnt, lernte Wolfertz‘ Frau Ursula 1982 bei einem Pfarrfest in Xanten kennen. In den Folgejahren entstand nicht nur eine Freundschaft fürs Leben, sondern 1988 auch der Freundeskreis Nigeria, um im westafrikanischen Staat wertvolle Hilfe leisten zu können.  „Mike berichtete uns damals von den hoffnungslosen Lebensumständen. Trotzdem strahlte er so viel Optimismus aus, dass wir uns entschlossen, sein Engagement für seine Heimat zu unterstützen“, blickt Wolfertz zurück. 

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Die erste Handlung betraf damals die medizinische Versorgung. „Mike erzählte uns damals von den katastrophalen medizinischen Verhältnissen. In seinem Heimatdorf Ugbawka gab es gar keine medizinische Versorgung, obwohl in den nigerianischen Dörfern bis zu 40.000 Einwohner leben“, berichtet Wolfertz. 

Mobiles Hospital

Freundeskreis Nigeria
Ein Blick in eine Schulklasse einer Grundschule im Süden Nigerias. Foto: privat

Im Frühjahr 1989 schickte der Freundeskreis Nigeria den ersten Rettungswagen nach Nigeria. Ihn hatte der Kreis Wesel, bei dem Wolfertz beschäftigt ist, ausgesondert. „Für nigerianische Verhältnisse war er aber immer noch optimal“, sagt der Xantener. Am Krankenhaus in Nsukka wurde er schließlich als mobiles Spital eingesetzt. „Einmal wöchentlich konnte er in die Dörfer fahren, um dort zu helfen“, sagt Wolfertz. In den Folgejahren folgten weitere Lieferungen von Rettungswagen, einem Landrover, Kleinlaster und einem Kleinbus. Diese waren zudem zum Beispiel mit mechanischen Nähmaschinen reich bestückt.

Seit 1995 hat der Freundeskreis Nigeria mit dem lokalen Partner Development projects coordination Enugu (DPC) diverse Projekte gestemmt. Unter anderem wurden Reisschälanlagen angeschafft oder zuletzt eine Anschubfinanzierung für eine Dorffrauengruppe geleistet. Öffentliche Zuwendungen haben diese Vorhaben stets unterstützt. „Die Anträge zu stellen ist allerdings mit sehr viel Arbeit verbunden“, weiß Wolfertz. Im Fall der Primarschule war die Bewilligung des Landes jedoch innerhalb weniger Wochen da, sodass die Arbeiten an der Primarschule in Onu Orie bereits starten konnten. 

Freundeskreis Nigeria
Eine verfallene Latrine in Onu Orie. Foto: Privat

Der frühe Baubeginn war auch wichtig. „Die Grabarbeiten für die Latrine (ein behelfsmäßiges Plumpsklo; Anm. d. Red.) müssen bereits vor Beginn der Regenzeit fertiggestellt werden. Sie laufen daher schon“, berichtet Wolfertz. Da es in den meisten Dörfern im südlichen Teil Nigerias keinen Strom und kein fließendes Wasser gebe, müssten solche Latrinen gebaut werden.

Start im September

Zum neuen Schuljahr im September sollen die 250 Schüler aufgeteilt auf sechs Jahrgänge in der neuen Primarschule in Onu Orie unterrichtet werden. Genug Lehrpersonal dafür sei vorhanden. „Die meisten Lehrpersonen sind allerdings Frauen, da der Verdienst sehr gering ist. Zudem wohnen sie etwa 30 Kilometer von der Schule entfernt. Sie werden mit einem afrikanischen Sammeltaxi-System zur Schule gebracht“, berichtet Wolfertz. Das Lehrpersonal käme deshalb oft sehr spät zum Unterricht.