Die Drei vom Klosterhügel

KLEVE. Die Tiere sind gut drauf. Schließlich sind die Menschen wieder da. Frühling im Klever Tiergarten – ein Rundgang.

Publikumslieblinge

Dona, Cuja und Thon zum Beispiel: Die Maras gehören zu den Publikumslieblingen. Körper wie ein Reh (nur viel kleiner), Kopf wie ein Hase – verwandt mit dem Meerschweinchen. Das ist doch mal eine Mischung. Die Tiere leben ursprünglich in Südamerika. „Große Maras werden auch Pampashasen genannt, weil sie im Sitzen und bei der Flucht ein wenig an Hasen erinnern. Doch tatsächlich haben sie mit Hasen gar nichts zu tun und sind eher mit Meerschweinchen verwandt“, erklärt Tiergartenleiter Martin Polotzek. „Maras können bei Gefahr bis zu 45 Stundenkilometer schnell laufen und hoppeln dabei teilweise so wie Hasen. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Südamerika sind die possierlichen Nager mittlerweile potenziell gefährdet, weil sie zunehmend von eingeschleppten Kaninchen oder immer größer werdenden Weideflächen für Rinder verdrängt werden.“

Die Mischung macht’s

Und wie kommen die drei zu ihren Namen? „Die Leute konnten Vorschläge machen. Da kamen Ideen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Am Ende wurde gelost.“, sagt Polotzek und fügt hinzu: „Bei mir hat es auch einen Moment gedauert, bis es Klick gemacht hat.“ Der Schreiber stutzt. Hatte Mann da was nicht mitbekommen? Polotzek: „Das sind doch Maras.“ Ja – und? „Setzen Sie‘s mal zusammen.“ Manche brauchen eben etwas länger. Tiergarten proudly presents: Maradona, Maracuja und Marathon. Wie gesagt, das Mara-Trio gehört zu den Lieblingen des Publikums. Lieblinge werden gebraucht. Natürlich. Aber am Ende kommt es auf die Mischung an, denn im Klever Tiergarten geht es auch um die Erhaltung und Züchtung gefährdeter Arten. Mit dem Züchten der Maras könnte es noch einen Moment dauern. Cuja, Dona und Thon leben derzeit in einer Männer-WG. Aber Martin Polotzek ist schon auf der Suche: Herzblatt im Tiergarten.

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Klosterhügel

Das Trio residiert übrigens auf dem Klosterhügel. „Der wurde so genannt, weil hier früher die Ziegenböcke ihr Gehege hatten. Die lebten dann praktisch enthaltsam und in Klausur.“
Apropos Enthaltsamkeit … – zu berichten wäre auch über Glen. Glen ist aus Erfurt zugezogen. Merke: „Wer keinen Bock hat, besorgt sich einen.“ Glen gehört zur Rasse „Bulgarisch Schraubenhörnige Langhaarziege“. Damit ist alles gesagt. Derzeit ist Glen noch in Zuzugsquarantäne. In Kürze wird er dann seine Zuchtarbeit antreten müssen.

Erdmännchendialekte

Erdmännchen gehören – wahrscheinlich in jedem Tiergarten – zu den Lieblingen. Auch hier ist das Züchten in Kleve derzeit nicht möglich. Zwei Damen, ein Eunuch – da kommt nicht wirklich was in die Gänge. Der Chef hat übrigens mal über die Dialekte bei den Erdmännchen gearbeitet. Das war in Schülerzeiten: Jugend forscht. Polotzek fand heraus, dass beispielsweise die Erdmännchen in der Kalahari einen anderen Dialekt sprechen als Kollegen anderswo. „Verstehen würden sie sich allerdings trotzdem.“ Klar, denkt man: Unsereiner würde es ja auch in Bayern schaffen. Vielleicht.

Bist du hier der Chef?

Während ich mit Polotzek durchs Gelände streife, kommt eine Familie vorbei: „Bist du der Chef hier?“, fragt der Junior den Polotzek. „Dann geh‘ mal schnell da hinten hin. Da ist gerade eine Ziege auf die Welt gekommen.“ Das Ziegenlämmchen ist am Ende ein Schäfchen – süß ist es trotzdem. „Derzeit haben wir über 50 Jungtiere. Die stellen natürlich eine zusätzliche Attraktion dar. Und wir sind mit dem Nachwuchs noch nicht am Ende.“

Harry und Hermine

Womit wir bei den Straußen wären. Die sind seit Februar im Tiergarten und die Straußendame Hermine hat fleißig Eier gelegt – leider waren die Eier unbefruchtet. Das bedeutet: Spiegelei ohne Ende. „Ein Straußenei entspricht mengentechnisch cirka 25 bis 30 Hühnereiern“, erklärt Polotzek. Für den Straußenherrn Harry wird derzeit nach einer zweiten Henne gesucht. Die ausgeblasenen Ei-Ruinen liegen in Polotzeks Büro. Ein Teil davon werden demnächst (Preis 15 Euro) an der Kasse angeboten – „einige Eier behalten wir hier. Die können wir bei Führungen zeigen.“

Blasrohr

Auch in Polotzeks Büro: das Blasrohr. Eingesetzt wird es, wenn Tiere betäubt werden müssen oder Medizin brauchen. Die Straußen beispielsweise: Wenn ein Strauß Arthrose hat, sollte man besser nicht einfach mit einer Spritze anrücken, um die Medizin zu verabreichen. Polotzek hat ein eigenes Blasrohr mitgebracht. Hightech. „Als ich noch in Wien im Tiergarten gearbeitet habe, hatte ich zuhause in meiner Wohnung ein Zielscheibe. Da habe ich dann Treffen geübt.“

Martin Polotzek zeigt die Blasrohr-“Munition”.

Barockesel und Masterplan

Noch ein kurzer Besuch bei Franz und Sisi. Franz und Sisi? Man denkt an Österreich. Und richtig. Das Eselpaar gehört zur Rasse der österreichisch-ungarischen weißen Barockesel. Die beiden könnten also auch Johann Sebastian und Anna Magdalena heißen. Barock eben.
Derzeit arbeiten Polotzek und sein Team an einem Masterplan. Der soll im Sommer fertig sein. Dabei geht es um die Zukunft des Tiergartens. Welche Tiere sollen künftig gehalten werden? Welche Gehege sollen wie genutzt und welche Ställe erneuert werden? „Da, wo heute unsere roten Pandas leben, wurden früher Bären gehalten“, sagt Polotzek. Sofort wird klar: Das Ganze wirkt schon für die Pandas nicht zu geräumig. Für die Bären muss es ziemlich traurig gewesen sein. Es gilt also, viele Entscheidungen zu treffen. „Ich habe zum Beispiel alle Mitarbeitenden nach ihrer Lieblingstierart gefragt“, sagt Polotzek. Verraten wird allerdings noch nichts. Es ist ja noch ein bisschen hin bis zum Sommer.

Ein öpsterreichisch-ungarischer Barockesel.

Ein Seehundküsschen

Kürzlich hatte Polotzek Besuch: Die Eltern waren da. „Meine Mama hatte im Januar Geburtstag.“ Okay. Und weiter? Na ja – wenn der Sohn Tiergartenchef ist, kann es bei den Geschenken schon mal besonders zugehen. Polotzeks Mama bekam zum Geburtstag (nachträglich) einen Seehundkuss. „Wir denken jetzt auch darüber nach, dass wir beispielsweise ein ‚Rendevouz mit dem Lieblingstier‘ anbieten.“ Zu Polotzeks Highlights gehört, dass er mit einem roten Panda kuscheln durfte. „Das war aber nicht hier in Kleve.“